Therapie der Alkoholabhängigkeit
Ziel der
Therapie ist der vollständige Verzicht auf Alkohol. Dies kann erreicht werden durch eine Entgiftung mit anschließender Kurzzeitbehandlung für ca. 3 Wochen (stationäre Motivationsbehandlung; Erfolgsrate nach 1 Jahr ca. 30 - 40%) oder eine Entgiftung mit anschließender Entwöhnungsbehandlung für 2 - 4 Monate (Erfolgsrate nach 1 Jahr ca. 50 - 60%). Entscheidend für den Erfolg ist immer die Eigenmotivation des
alkoholabhängigen Patienten zum Verzicht und die Bereitschaft, sich auf Hilfe einzulassen! Da bis zu 50 % der Patienten wegen einer anderen psychischen Störung (z.B. einer Angsterkrankung)
alkoholabhängig werden, ist im Anschluss an die Entgiftung immer auch die Grunderkrankung zu behandeln, um Alkoholrückfälle zu vermeiden.
Setzen
alkoholabhängige Patienten gewollt oder ungewollt (z.B. infolge eines Unfalls mit anschließendem Klinikaufenthalt) den Alkoholkonsum nicht fort, entwickelt sich in der Regel ein vegetatives Alkoholentzugssyndrom, das meist drei bis sieben Tage dauert und durch folgende Symptome gekennzeichnet ist:
- Brechreiz, Durchfälle
- Pulsbeschleunigung, Bluthochdruck, Kurzatmigkeit
- Schwitzen, Zittern, Muskelbeben
- Schlaflosigkeit und innere Unruhe
- Depressive oder gereizte Stimmung, Angst und Schreckhaftigkeit, Antriebssteigerung
- Konzentrationsstörungen und leichte Ablenkbarkeit
- Krampfanfälle (Grand Mal-Anfälle)
Bei ca. einem Drittel der Patienten muss das Alkoholentzugssyndrom medikamentös mit Distraneurin® oder anderen Medikamenten behandelt werden. In schweren Fällen kann sich auch ein Alkoholdelir (
Delirium tremens) entwickeln, das intensivmedizinisch behandelt werden muss. Das Beenden des Alkoholkonsums sollte daher immer in Absprache mit dem Arzt erfolgen.
Um Alkoholrückfälle zu vermeiden, kann nach Abschluss der Entgiftung auch das Medikament Acamprosat (Campral®) verordnet werden. Die
Therapie mit Disulfiram (Antabus ®) ist eine so genannte Aversivbehandlung. Das Medikament wird täglich verabreicht und erzeugt beim Trinken von Alkohol eine Disulfiram-Alkoholreaktion mit Erbrechen, Angst,
Schwindel, etc. Durch diese unangenehme negative Konsequenz sollen Rückfälle verhindert werden. Patienten, die nach einer qualifizierten Entzugsbehandlung oder einer Langzeit-Entwöhnungsbehandlung ärztlich/psychologisch weiterbetreut werden, haben eine bessere Chance, langfristig ohne Alkohol zurecht zu kommen. Elemente der Nachbetreuung sind:
- Teilnahme an Selbsthilfegruppen (z.B. Anonyme Alkoholiker, Blaues Kreuz, Guttempler, Kreuzbund)
- Regelmäßige Kontakte beim Hausarzt bzgl. körperlicher Symptome
- Einzeltherapie bei einem Psychiater oder Psychologen, v.a. wenn gleichzeitig andere psychische Erkrankungen vorliegen
letzte Aktualisierung: 14.05.2012
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