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Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik

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Tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie und psychoanalytische Therapie - Hintergrund

von Gitta Jacob und Prof. Dr. med. Klaus Lieb

Mit dem Begriff Tiefenpsychologie bezeichnet man heute alle psychologischen Theorien, Modelle und Behandlungsverfahren, die davon ausgehen, dass unbewusste Persönlichkeitsanteile psychodynamisch wirken und die Grundlage menschlichen Handelns und Erlebens darstellen. Ein besonderer Schwerpunkt der therapeutischen Arbeit liegt auf der Interaktion zwischen Patient und Therapeut. Der Vater dieser Ansätze ist Sigmund Freud, es gibt jedoch mittlerweile sehr viele unterschiedliche Schulen und Strömungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Unter der klassischen Psychoanalyse wird in der Regel ein psychologischer Ansatz verstanden, der auf Freud zurückgeht, sie kann als eine spezifische Form der Tiefenpsychologie betrachtet werden.

Die Psychoanalyse hat seit ihrer Entstehung einen wichtigen Einfluss auf die Psychologie, die übrigen Geisteswissenschaften sowie die bildende Kunst und Literatur ausgeübt. Es gibt für die Wirksamkeit kürzerer Therapieformen (ca. 40 - 80 Stunden) mittlerweile eindeutige wissenschaftliche Belege. Die lang dauernde hochfrequente Psychoanalyse (2 -4 Stunden pro Woche über mehrere Jahre) lässt sich dagegen wissenschaftlich hinsichtlich ihrer Wirksamkeit nur schwer überprüfen, da sie eher das Ziel der persönlichen Entwicklung verfolgt – solche Prozesse lassen sich jedoch mit den in der Forschung gebräuchlichen Fragebögen kaum angemessen abbilden.

Nach der psychoanalytischen Lehre verläuft die kindliche Entwicklung in mehreren beschriebenen Entwicklungsphasen (orale Phase, anale Phase, phallische Phase, Latenzphase, Pubertät und Adoleszenz). Nach der klassischen Neurosenlehre können ungünstige äußere Bedingungen in entscheidenden Phasen der psychosexuellen Entwicklung (z.B. ein extrem strenger und rigider Erziehungsstil) zu einem inneren Konflikt führen. Ist das Individuum nicht in der Lage, diesen Konflikt angemessen zu bewältigen, entsteht Angst, die durch verschiedene Abwehrmechanismen beseitigt werden kann. Es erfolgt damit die „Fixierung“ auf der entsprechenden Entwicklungsstufe. Zu einem späteren Zeitpunkt kann dann ein äußeres Ereignis (z.B. ein Partnerschaftskonflikt) dazu führen, dass der Konflikt aktiviert wird, d.h., das Individuum fällt in seinem Verhalten und Erleben auf die frühere, nicht „erfolgreich“ durchschrittene Entwicklungsstufe zurück und zeigt ein entsprechendes infantiles Verhaltens- und Interaktionsmuster. Neurotische Störungen stellen somit die Symptome eines inadäquat bewältigten, unbewussten Konfliktes dar (strukturelles Konfliktmodell).

Das Ziel der Behandlung ist die Aufdeckung und Bearbeitung von Konflikten. Dabei unterscheiden sich verschiedene Verfahren stark in ihrer Zielsetzung. Während das Ziel der klassischen langen Psychoanalyse das sog. „Durcharbeiten“ der wichtigsten unbewussten Konflikte ist, in dem sich der Analytiker sehr abstinent verhält, um den Patienten in freier Assoziation gewissermaßen in Kontakt mit seinen unbewussten Vorgängen treten zu lassen, sind moderne Kurzzeitbehandlungen stark auf die für aktuelle Probleme relevanten Konflikte fokussiert. Der Therapeut hat hier eine deutlich aktivere Rolle und der Inhalt ist ein besserer Umgang des Patienten mit seinen aktuellen Problemen.

letzte Aktualisierung: 25.01.2010
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