von Gitta Jacob und Prof. Dr. med. Klaus Lieb
Was sind Stimmungsstabilisierer und wie wirken sie?
Stimmungsstabilisierer oder „Phasenprophylaktika“ sind Substanzen, die zur Stabilisierung depressiver und/oder manischer Stimmungsschwankungen im Rahmen affektiver und schizoaffektiver Störungen eingesetzt werden, die also Rückfälle verhindern sollen. Bis auf Lamotrigin werden Stimmungsstabilisierer auch zur Akuttherapie bestimmter Formen manisch-depressiver (bipolarer) Störungen eingesetzt.
Welche Stimmungsstabilisierer gibt es und wo werden sie eingesetzt?
Im klinischen Gebrauch sind gegenwärtig folgende Stimmungsstabilisierer:
Lithium (z.B. Quilonum® oder Hypnorex®)
Lithium ist ein Salz, das seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt wird. Es wird so dosiert, dass der Blutspiegel in der Regel zwischen 0,6 und 0,8 mmol/l liegt. Es sind regelmäßige Blutspiegelkontrollen notwendig, da bei niedrigeren Werten die rückfallverhütende Wirkung aufgehoben ist und bei höheren Spiegeln verstärkt Nebenwirkungen auftreten. Zu diesen gehören v.a. Zittern (Tremor) der Hände, verstärktes Wasserlassen, Gewichtszunahme, Magen- Darm-Probleme und Schilddrüsenfunktionsstörungen. Zu beachten ist auch, dass verschiedene gleichzeitig gegebene Medikamente zu einer Erhöhung der Blutspiegel bis hin zur Vergiftung führen können. Daher sollten die Patienten jeden Arzt auf die Einnahme von Lithium hinweisen und andere Medikamente nur in Absprache mit dem Arzt einnehmen. Die Akutwirkung von Lithium in der Behandlung von Manien setzt oft schon innerhalb weniger Tage ein, während die rückfallverhütende Wirkung oft erst nach Monaten einsetzt.
Tab. 13-2 gibt eine Übersicht über die Einsatzbereiche der verschiedenen Stimmungsstabilisierer
alproinsäure (z.B. Ergenyl® oder Orfiril®)
Valproinsäure ist ursprünglich ein Mittel gegen Anfallsleiden (Epilepsie), das aber auch bei manisch-depressiven (bipolaren) Erkrankungen wirksam ist. Es wird so dosiert, dass Blutspiegel von 50 - 125 µg/ml erreicht werden. Insgesamt wird Valproinsäure gut vertragen. Die wichtigsten Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Erhöhung der Leberwerte, vorübergehender Haarausfall und Gewichtszunahme.
Carbamazepin (z.B. Tegretal® oder Timonil®)
Carbamazepin ist ebenso ein Mittel gegen Anfallsleiden und wird insbesondere eingesetzt, wenn Lithium nicht wirksam ist oder nicht vertragen wird. Auch dieses Medikament wird nach Blutspiegel eingestellt (6 - 12µg/ml). Die wichtigsten (meist vorübergehenden) Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Schwindel, Gangunsicherheit, Hautausschläge, Leberwerterhöhungen und Störungen des weißen Blutbildes.
Lamotrigin (z.B. Elmendos®)
Lamotrigin muss zur Vermeidung gefährlicher Haut- und Schleimhautreaktionen sehr langsam aufdosiert werden. In den ersten beiden Wochen müssen 25 mg pro Tag, dann für weitere zwei Wochen 50 mg gegeben werden und anschließend erfolgt eine Steigerung um 50 - 100 mg alle zwei Wochen. Bei Gabe bestimmter anderer Medikamente muss die Dosis evtl. angepasst werden.
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