von Gitta Jacob und Prof. Dr. med. Klaus Lieb
Stimmungsaufhellende Wirkungen eines kompletten Verzichtes auf den Nachtschlaf stammen aus dem Anfang der 70er Jahre. Seither wird dieser Schlafentzug bei Depressionen therapeutisch eingesetzt. Bei der Schlafentzugstherapie unterscheidet man einen kompletten (eine ganze Nacht) und einen partiellen (zweite Hälfte der Nacht) Schlafentzug, wobei letzterer in seiner Wirksamkeit dem kompletten Schlafentzug gleichkommt.
Ca. 50 - 60% aller depressiven Patienten reagieren auf einen kompletten Schlafentzug mit einer deutlichen Stimmungsverbesserung am Morgen, wobei insbesondere Tagesschwankungen der Stimmung (Morgentief der Stimmung) und Schlafstörungen mit morgendlichem Früherwachen eher für ein gutes Ansprechen auf Schlafentzug sprechen. Ca. 80% der Patienten erleiden jedoch einen Rückfall, wenn sie am Abend des Tages nach dem Schlafentzug wieder normal ins Bett gehen. Um dies zu verhindern, kann der Schlafentzug auch seriell angeboten werden (z.B. 3 x pro Woche partieller Schlafentzug in der 2. Nachthälfte) oder eine sog. Schlafphasenvorverlagerungstherapie, die nur in bestimmten Zentren angeboten wird, durchgeführt werden. Damit kann unter Umständen die Zeit bis zum Eintreten der Wirkung einer Pharmakotherapie überbrückt werden. In jedem Fall ist es wichtig, dass die Patienten während der Schlafentzugstherapie in der Nacht und am darauffolgenden Tag nicht schlafen, da Kurzschlafepisoden insbesondere am Vormittag nach erfolgtem Schlafentzug zu einem Rückfall führen können. Der Wirkmechanismus der Schlafentzugstherapie ist bisher nicht bekannt.
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