
von Paul L. Janssen
Als kreative Verfahren können psychotherapeutische Behandlungsangebote definiert werden, die kreative Medien in der Behandlung psychisch oder psychosomatisch Kranker einbeziehen. Kreatives Tun kann bildnerisches und darstellerisches Handeln umfassen. Kreative Therapien haben sowohl diagnostische als psychotherapeutische Aspekte. Ziel ist es, Emotionalität und Ausdruck zu fördern. In der Praxis durchgesetzt haben sich körperbezogene Verfahren, Gestaltungsbzw. Kunst- und Musiktherapie.
Die Gestaltungstherapie wird von der Ergotherapie abgegrenzt, da die Ergotherapie als Zielsetzung die Wiederherstellung verlorener bzw. der Erhalt vorhandener Fähigkeiten, das Einüben vorhandener Kenntnisse und Fertigkeiten, sowie die Förderung der Alltagsaktivität zum Ziel hat. Kunst- und Gestaltungstherapie dagegen haben das Verstehen intrapsychischer konflikthafter Prozesse als Ziel.
Die Gestaltung, und zwar das bildnerische Gestalten insbesondere, wird sehr häufig eingesetzt. Dabei spielt sowohl der Weg der Herstellung als auch das Produkt der Gestaltung (z.B. Bilder, Tonfiguren) eine gleichermaßen bedeutende Rolle. Gestaltungstherapie ist Psychotherapie mit gestalterischen Mitteln. Über die gestalterischen Mittel findet der Mensch den Bezug zu sich selbst. Die Gestaltung fördert seine Ich-Funktionen und dient der Analyse interaktioneller Prozesse.
Die Musiktherapie ist die gezielte Anwendung der Musik, um therapeutische Ziele zu erreichen: Wiederherstellung, Erhalt und Förderung seelischer und körperlicher Gesundheit. Durch Musiktherapie soll dem Patienten Gelegenheit gegeben werden, sich selbst und seine Umwelt besser zu verstehen, sich in ihr freier und effektiver zu bewegen und eine bessere psychische Stabilität zu entwickeln. Musiktherapie wird als rezeptive Musiktherapie (Hören von Tonmaterial) und als aktive, expressive Musiktherapie (Musizieren) eingesetzt.
Die Körper-, Bewegungs- und Tanztherapien haben folgendes Ziel:
Körper-, Bewegungs- und Tanztherapien sind seit den 20er Jahren sehr stark differenziert worden. Es gibt solche, die mehr eine funktional- übende Orientierung haben und solche, die mehr eine konfliktorientierte aufdeckende Orientierung haben. Körpertherapien sind z.B. in Form der konzentrativen Bewegungstherapie und der funktionellen Entspannung, aber auch der Tanztherapie ein zentraler Bestandteil der stationären Psychotherapie.
Psychoedukative Verfahren
Unter dem Begriff Psychoedukation werden systematische, didaktisch-psychotherapeutische Interventionen zusammengefasst, die dazu geeignet sind, Patienten und ihre Angehörigen über die Krankheit und ihre Behandlung zu informieren, das Krankheitsverständnis und den selbstverantwortlichen Umgang mit Erkrankungen zu fördern und sie bei der Krankheitsbewältigung zu unterstützen.
Diese Methoden der Patientenerziehung (durch überwiegend expertenzentrierten Frontalunterricht) ist eine Wissensvermittlung und fördert auch die individuellen Bewältigungsfertigkeiten und Selbsthilfekompetenzen. Bei den verschiedenen psychosomatischen Störungen ist auf die Bedeutung der Psychoedukation im alltäglichen Umgang mit diesen Erkrankungen hingewiesen worden.
Psychopharmakotherapie und Psychotherapie
Auf der Basis der dargestellten Krankheitsbilder wird ersichtlich, dass die hier behandelten Störungen überwiegend multifaktoriell sind. In diesem Sinne spielen neben den psychotherapeutischen Interventionen auch pharmako- und psychopharmakotherapeutische eine Rolle. Dies umso mehr, wenn bestimmte psychische Krankheitsbilder in den Vordergrund treten, z.B. depressive Störungen, Angststörungen und Zwangsstörungen.
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