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Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik

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Antidepressiva - Hintergrund

von Gitta Jacob und Prof. Dr. med. Klaus Lieb

Was sind Antidepressiva und wie wirken sie?

Antidepressiva wurden früher auch als Thymoleptika bezeichnet. Sie sind Psychopharmaka, die stimmungsaufhellend und je nach Medikament antriebssteigernd oder müdemachend wirken. Antidepressiva machen nicht abhängig! Antidepressiva werden zur Behandlung aller Arten von Depressionen eingesetzt. Bei leichten und mittelschweren Depressionen kann auch eine alleinige Psychotherapie ausreichend sein, die aber länger bis zum Wirkeintritt braucht. Pflanzliche Medikamente wie Johanniskraut sollten nur bei leichten Depressionen eingesetzt werden. Bei schweren Depressionen darf auf eine Pharmakotherapie nicht verzichtet werden! Bis zum Ansprechen auf eine antidepressive Medikation kann es bis zu sechs Wochen dauern, erste stimmungsaufhellende Effekte sind in der Regel frühestens nach 7 - 10 Tagen zu erwarten. Bei ca. 70% der Patienten kommt es nach 3 - 6-wöchiger Therapiedauer zu einem Verschwinden der Depression. Umstellungsversuche auf andere Mittel sind erst nach 4 - 6 Wochen erfolgloser Therapie in ausreichend hoher Dosierung zu erwägen. Die Wirkmechanismen der Antidepressiva wurden intensiv untersucht, ohne dass bisher genau verstanden ist, wie sie wirken. Alle Antidepressiva führen zu einer Beeinflussung v.a. der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin und darüber letztendlich zu einer Veränderung von Regelkreisen im Gehirn, die zur Aufhebung der Depression führen.

Welche Antidepressiva gibt es?

Die erste antidepressiv wirksame Substanz war das 1957 per Zufall entdeckte Imipramin, das auch heute noch unter dem Namen Tofranil® auf dem Markt ist. Etwa zur gleichen Zeit wurden auch antidepressive Eigenschaften des in der Tuberkulose-Behandlung eingesetzten Monoaminooxidase-Hemmers Iproniazid beschrieben. Basierend auf diesen Substanzen wurden in der Folgezeit weitere tri- und tetrazyklische Antidepressiva und Monoaminooxidase-Hemmer entwickelt. In den 1980er Jahren wurden die sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme- Hemmer (SSRIs) entwickelt, die selektiv die Serotonin-Wiederaufnahme hemmen und bei gleicher Wirksamkeit im Regelfall besser verträglich sind als die trizyklischen Antidepressiva, die über einen Bindung an verschiedene weitere Rezeptoren eine Vielzahl von Nebenwirkungen entfalten. Später folgten dann weitere Neuentwicklungen wie die dualen Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme- Hemmer, die alpha2-Antagonisten und die selektiven Noradrenalin-Wiederaufnahme- Hemmer (s. Abb. 13-1).

Zeitverlauf der Markteinführung von Antidepressiva-Klassen

Abb. 13-1 Zeitverlauf der Markteinführung von Antidepressiva-Klassen

Antidepressivaklassen

Tabelle 13-1 gibt einen Überblick über die verschiedenen Klassen von Antidepressiva und deren wichtigste Vertreter.

Je nach ihrem eher antriebssteigernden oder müdemachenden Wirkprofil können die Antidepressiva auch in folgende Gruppen eingeteilt werden:

  • Eher müde machende Antidepressiva: z.B. Amitriptylin, Doxepin, Trimipramin, Mianserin, Mirtazapin
  • Eher antriebssteigernde Antidepressiva: Nortriptylin, alle SSRIs, Reboxetin, Venlafaxin, Monoaminooxidase-Hemmer.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Neben den erwünschten antidepressiven Wirkungen zeigen Antidepressiva auch unterschiedlich stark ausgeprägte Nebenwirkungen, die insbesondere in den ersten 2 Wochen der Therapie auftreten und dann häufig verschwinden. Da in dieser Zeit oft noch keine Stimmungsaufhellung eingetreten ist, fordert das Geduld! Wichtig ist es, in dieser Phase die Medikamente wenn irgend möglich nicht abzusetzen, um ihrer Wirksamkeit eine Chance zu geben. Die Nebenwirkungen der einzelnen Medikamente lassen sich aus der Beeinflussung von Botenstoffen und deren Bindungsstellen direkt ableiten:

  • Anticholinerge Nebenwirkungen (v.a. triund tetrazyklische Antidepressiva): Mundtrockenheit, Verstopfung, Beschwerden beim Wasserlassen, Pulsbeschleunigung, Verschwommen sehen beim Lesen
  • Antiadrenerge Nebenwirkungen (v.a. triund tetrazyklische Antidepressiva und Edronax®): Niedriger Blutdruck und Kreislaufregulationsstörungen (Schwarzwerden vor den Augen), Herzstolpern, Schwitzen
  • Serotonerge Nebenwirkungen (v.a. bestimmte trizyklische Antidepressiva, SSRIs und Trevilor®): Übelkeit bis hin zum Erbrechen, Unruhe mit Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen
  • Antihistaminerge Nebenwirkungen (v.a. bestimmte trizyklische Antidepressiva und Tolvin® und Remergil®): Müdigkeit, Gewichtszunahme
  • Andere: z.B. Überleitungsstörungen am Herzen mit der Folge von Herzrhythmusstörungen, Muskelzuckungen, allergische Ausschläge, Veränderungen des weißen Blutbildes.

Beispielpräparate

Abb. 13-2 Verschiedene Beispielpräparate von Antidepressiva

Aufgrund der Nebenwirkungen sind bei einer Antidepressivatherapie immer in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen erforderlich, die Blutuntersuchungen, EKG und EEG umfassen. Über Einzelheiten der Therapie und der Kontrolluntersuchungen informiert sie ihr Arzt genau.

Johanniskraut-Pflanze

Abb. 13-3 Johanniskraut-Pflanze
letzte Aktualisierung: 04.02.2010
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