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Statistiken

von Klaus Lieb, Gitta Jacob

Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Neuere Untersuchungen (s. Tab. 1-1) zeigen:

  • Die Lebenszeitprävalenz psychischer Erkrankungen, d.h. der Prozentsatz der Normalbevölkerung, der innerhalb des gesamten Lebens mindestens einmal eine psychische Störung entwickelt, liegt bei ca. 43%. D.h. fast jeder zweite Mensch entwickelt mindestens ein Mal in seinem Leben eine relevante psychische Störung.
  • Die 12-Monats-Prävalenz psychischer Erkrankungen, d.h. der Prozentsatz an Personen, der mindestens eine psychische Störung im Laufe von 12 Monaten aufweist, beträgt ca. 31 %.
  • Die 1-Monats-Prävalenz liegt bei ca. 19%.

Tab. 1-2 Prävalenzraten psychischer Erkrankungen (nach Wittchen et al. 2003)

Prävalenzraten psychischer Erkrankungen

Wie Abbildung 1-1 zeigt, stehen dabei Angsterkrankungen, Depressionen und somatoforme Störungen im Vordergrund.

12-Monatsprävalenz verschiedener psychischer Störungen

Abb. 1-1 12-Monatsprävalenz verschiedener psychischer Störungen (nach Wittchen und Jacobi 2001)

Beeinträchtigung der Lebensqualität

Psychische Erkrankungen führen zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität. Als ein Maß der eingeschränkten Lebensqualität kann die Anzahl der durch eine Erkrankung bzw. Behinderung beeinträchtigten Lebensjahre bezogen auf die gesamte Lebensspanne (YLLs = years of life lived with disability) herangezogen werden. Basierend auf dieser Berechnung stellt die WHO in ihrem World-Health-Report 2001 fest, dass in der Gruppe der 15 - 44-Jährigen unter den 10 Erkrankungen, die zur stärksten Beeinträchtigung der Lebensqualität führen, 4 psychische Erkrankungen rangieren (s. Abb. 1- 2): Die unipolaren Depressionen, die Alkoholerkrankungen, die Schizophrenien und die bipolaren (manisch-depressiven) Erkrankungen. Diese Erkrankungen machen etwa 25% aller durch Behinderung beeinträchtigten Lebensjahre in dieser Altersgruppe aus. Entsprechend ergaben Berechnungen der Weltbank und der Harvard University zum „global burden of disease“, dass im Jahre 2020 fünf psychische Störungsbilder unter den zehn wichtigsten Erkrankungen rangieren werden. Diese für die Weltbevölkerung erhobenen Daten spiegeln sich auch in den epidemiologischen Daten der Bundesrepublik Deutschland wider.



In den folgenden Kapiteln werden die wichtigsten psychischen Erkrankungen besprochen. Dabei werden neben einigen Fakten zu deren Häufigkeit insbesondere deren Symptome und die unterschiedlichen Behandlungsformen vorgestellt. Zur Diagnostik und Therapie gibt es darüber hinaus zwei separate Kapitel, die detaillierter auf die Methoden der Diagnostik und Therapie eingehen. In den Kapiteln zu den verschiedenen psychischen Erkrankungen wird häufig auf diese Kapitel verwiesen.

Weltweit führende Ursachen

Abb. 1-2 Weltweit führende Ursachen (%) der durch Behinderung beeinträchtigten Lebensjahre in der Altersgruppe 15 - 44 Jahre (World Health Report 2001)

letzte Aktualisierung: 03.02.2012

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