von Klaus Lieb, Gitta Jacob
Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Neuere Untersuchungen (s. Tab. 1-1) zeigen:
Tab. 1-2 Prävalenzraten psychischer Erkrankungen (nach Wittchen et al. 2003)
Wie Abbildung 1-1 zeigt, stehen dabei Angsterkrankungen, Depressionen und somatoforme Störungen im Vordergrund.
Abb. 1-1 12-Monatsprävalenz verschiedener psychischer Störungen (nach Wittchen und Jacobi 2001)
Beeinträchtigung der Lebensqualität
Psychische Erkrankungen führen zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität. Als ein Maß der eingeschränkten Lebensqualität kann die Anzahl der durch eine Erkrankung bzw. Behinderung beeinträchtigten Lebensjahre bezogen auf die gesamte Lebensspanne (YLLs = years of life lived with disability) herangezogen werden. Basierend auf dieser Berechnung stellt die WHO in ihrem World-Health-Report 2001 fest, dass in der Gruppe der 15 - 44-Jährigen unter den 10 Erkrankungen, die zur stärksten Beeinträchtigung der Lebensqualität führen, 4 psychische Erkrankungen rangieren (s. Abb. 1- 2): Die unipolaren Depressionen, die Alkoholerkrankungen, die Schizophrenien und die bipolaren (manisch-depressiven) Erkrankungen. Diese Erkrankungen machen etwa 25% aller durch Behinderung beeinträchtigten Lebensjahre in dieser Altersgruppe aus. Entsprechend ergaben Berechnungen der Weltbank und der Harvard University zum „global burden of disease“, dass im Jahre 2020 fünf psychische Störungsbilder unter den zehn wichtigsten Erkrankungen rangieren werden. Diese für die Weltbevölkerung erhobenen Daten spiegeln sich auch in den epidemiologischen Daten der Bundesrepublik Deutschland wider.
In den folgenden Kapiteln werden die wichtigsten psychischen Erkrankungen besprochen. Dabei werden neben einigen Fakten zu deren Häufigkeit insbesondere deren Symptome und die unterschiedlichen Behandlungsformen vorgestellt. Zur Diagnostik und Therapie gibt es darüber hinaus zwei separate Kapitel, die detaillierter auf die Methoden der Diagnostik und Therapie eingehen. In den Kapiteln zu den verschiedenen psychischen Erkrankungen wird häufig auf diese Kapitel verwiesen.
Abb. 1-2 Weltweit führende Ursachen (%) der durch Behinderung beeinträchtigten Lebensjahre in der Altersgruppe 15 - 44 Jahre (World Health Report 2001)
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