Nachoperationen und Psyche
Nicht immer wird es möglich sein, die Folgen einer Komplikation oder eines unsachgemäßen Eingriffes völlig zu beheben. Dennoch ist in vielen Fällen Hilfe möglich dank der Weiterentwicklung und Verfeinerung unserer Operationsmethoden. Wie wichtig dieser Aspekt unserer Arbeit ist, sehen wir an den mitunter schweren psychologischen Krisen, die sich aus einem mißlungen empfundene Erg e bnis einer Korrektur und erst recht aus einem definitiven Misserfolg einer Operation entwickeln können. In dieser Lage darf der Patient nicht ohne psychologische Betreuung bleiben, da die empfundene Enttäuschung sonst unweigerlich zu einem Vertrauensbruch gegenüber dem Chirurgen führt. Nicht selten kommen Unverständnis der Familie, des Partners, des Bekanntenkreises und des beruflichen Umfeldes für die selbstverschuldete Situation hinzu und treiben den Patienten in die Isolation. Handelt es sich um Operationsfolgen im sichtbaren Bereich, die nicht mit Kleidung oder Kosmetika kaschiert werden können, wird häufig jede Öffentlichkeit gemieden. Am Ende hadert der Patient am meisten mit sich selbst, da er sich freiwillig ohne Krankheitsdruck einer Operation unterzogen hat.
Man wird natürlich Erfolgsaussichten und Risiken eines weiteren Eingriffes sehr diff e re nziert beurteilen müssen, um nicht noch mehr Porzellan zu zerschlagen. Je mehr Erfahrung der Chirurg hat, um so eher wird er mit einer operativen Korrektur oder aber zumindest mit einer umfassenden Beratung Hilfe leisten können. Psychologisches Einfühlungsvermögen ist in solchen Situationen für den ästhetisch- plastischen Chirurgen nicht von geringerer Bedeutung als sachgerechtes Umgehen mit dem Skalpell.
Besondere Aspekte bei Nachoperationen
Proportional mit der steigenden Zahl von ästhetisch- plastischen Praxen, Kliniken und Instituten nimmt auch die Zahl der Operationen zu.
Kurzum, wo ästhetische Chirurgie höchstens Anhängsel betrachtet und nebenbei betrieben wird, oder wo aus wirtschaftlichen Überlegungen ungünstige Voraussetzungen wie schlechte Patientenauswahl und mangelhafte Nachbehandlung in Kauf genommen werden, dort muß mit häufigen Fehlschlägen gerechnet werden. Bei den kritischen Ansprüchen unserer modernen Leistungsgesellschaft werden aber vermeintliche oder tatsächliche Misserfolge nicht mehr toleriert. Ein Wechsel des Arztes wird sehr schnell in Erwägung gezogen und Nachoperationen anderweitig operierter Patienten nehmen einen immer größeren Umfang in der täglichen Arbeit der anerkannten Kapazitäten des Faches ein.
Dr. med. Rolf Münker
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