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Minimalinvasive Gesichtsbehandlung mit Botulinumtoxin-A und Fillern - Hintergrund

Minimalinvasive Gesichtsbehandlung mit Botulinumtoxin-A und Fillern


Im letzten Jahrzehnt haben nichtoperative Behandlungen mit Botulinumtoxin-A und Dermalfillern die großen Gesichtsoperationen immer mehr verdrängt. Vor allem durch die Kombination beider Verfahren und die stetige Verbesserung der Fillerprodukte konnten zunehmend bessere Ergebnisse erzielt werden, sodass viele Patienten eine geplante Straffungsoperation auf einen späteren Zeitpunkt verschieben konnten oder ihnen ein operativer Eingriff ganz erspart blieb.

Botulinumtoxin-A (BTX-A)

Es handelt sich um ein Toxin, das die Übertragung der Erregung von der Nervenendigung auf die Musklfaser vorübergehend hemmt. Nachdem jahrzehntelang diese Wirkung bei krankhaften Veränderungen der Muskulatur im Gesicht und am Körper genutzt und erprobt wurde, um spastische Zustände nach Verletzungen, Schlaganfällen und auch angeborenen Schäden zu verbessern, entdeckten vor über 20 Jahren die mittlerweile weltberühmten kanadischen Ärzte Dr. Alistar und Dr. Jean Carruthers, dass bei Gesichtsbehandlungen wegen Muskelkrämpfen die Falten im Gesicht verschwanden. Dies nahmen sie zum Anlass, die mimische Muskulatur im Gesicht gezielt mit Botulinumtoxin-A-Injektionen zu schwächen und setzten damit den Grundstein zur ästhetischen Gesichtsbehandlung mit Botulinumtoxin-A. Mittlerweile ist diese Behandlung weltweit die am häufigsten durchgeführte ästhetische Gesichtsbehandlung. Mit dieser Behandlung wird aber lediglich die Komponente der Faltenbildung beeinflusst, die durch die Mimik, also die sich wiederholende Bewegung der Gesichtsmuskeln, hervorgerufen wird. Aus diesem Grunde wird auch schon bei jüngeren Patienten zur Vorbeugung gegen spätere Faltenbildung durch immer wiederkehrenden Muskelzug die Behandlung mit BTX-A empfohlen.


Dabei sollen keineswegs maskenhafte Gesichter produziert werden, wie man sie nicht selten sieht nach zu hohen Dosierungen von BTX-A. Die Kunst des Behandlers liegt darin, gezielt die richtige Dosis in den richtigen Muskel zu injizieren, um ungewollte Falten zu glätten und dennoch die natürliche Mimik zu erhalten. Da jeder Mensch eine unterschiedliche Mimik hat, die auf unterschiedliche Muskelmassen im Gesicht (alters- und geschlechtsabhängig) und unterschiedlichen Bewegungsmustern beruht, sollte vor jeder Behandlung eine ausgiebige Beurteilung des Gesichtes erfolgen. Erst dann kann eine individuelle Behandlung erfolgen, die unerwünschte Ergebnisse vermeidet. Bei vielen Patienten ist mit einer gezielten Schwächung der Muskulatur, z.B. im Bereich der Stirnmitte über der Nasenwurzel, den sog. „Zornesfalten“, bereits eine Korrektur des „angestrengten oder gestressten Gesichtsausdruckes“ zu erreichen. Aber auch in anderen Gesichtsbereichen können gezielte Injektionen in die mimische Muskulatur unerwünschte Falten abmildern oder glätten. Z.B. an den Augen die sog. „Krähenfüße“ oder die zirkulären Falten an den Lippen, die nicht selten in das Lippenrot hineinstrahlen. Genauso die Muskeln, die die Mundwinkel herabziehen und einen negativen Gesichtsausdruck produzieren oder die hervorstehenden Muskelstränge am Hals können behandelt werden, allerdings sind alle Behandlungen außer der der „Zornesfalten“ offiziell nicht zugelassen.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Kombination von Botulinumtoxin-A und Dermalfillern wesentlich bessere Behandlungsergebnisse erzielt als die Monotherapie. Vor allem kann nach der vorherigen Verwendung von BTX-A auch das benötigte Fillermaterial reduziert werden, da durch die Muskelschwächung die Faltentiefe bereits geringer wird. Auch hat man festgestellt, dass nach vorheriger BTX-A-Gabe der glättende Effekt der Dermalfiller länger anhält.

Dermalfiller / Hyaluronsäurefiller


Zur Zeit gibt es über 150 verschiedene Dermalfiller auf dem europäischen Markt. Die hyaluronsäurebasierten Filler beherrschen zur Zeit den Markt. 1996 wurde in Europa der erste Hyaluronsäurefiller zugelassen, nachdem vorher jahrzehntelang das injizierbare Kollagen Goldstandard war. Im Gegensatz zu den Kollagenfillern sind bei den Hyaluronsäurefillern keine Vortests erforderlich, um eine mögliche Allergisierung gegen das tierische Eiweiß auszuschließen. Außerdem wurde in mehreren Studien nachgewiesen, dass Hyaluronsäurefiller eine deutlich längere Verweildauer im Gewebe aufwiesen und so die Falten dauerhafter verbesserten. In der Zwischenzeit sind die Kollagenfiller völlig vom Markt verschwunden, nachdem die Produktion des aus Schweinesehnen hergestellten EVOLENCE® 2009 eingestellt wurde.

Um die Dermalfiller haltbarer zu machen, werden sie bearbeitet. Der Unterschied zwischen den einzelnen Produkten liegt im Gehalt an Hyaluronsäure und in der Art und dem Grad der Vernetzung der einzelnen Hyaluronsäureketten miteinander. Diese Faktoren bestimmen, ob das Prodrukt oberfächlicher in feine Falten oder tiefer in Furchen oder sogar ganz tief in Dellen und Hohlräume gespritzt werden muss. Außerdem bestimmen diese Faktoren die Festigkeit des Fillers, d.h. ob er leicht durch eine dünne Nadel oder ob er mit starkem Druck durch eine dicke Nadel injiziert werden muss. Viele Firmen bieten mittlerweile eine ganze Palette von maßgeschneiderten Produkten für verschiedene Falten an, das ist sicher ein Vorteil zu früher, als es nur ein einziges Produkt für alles gab. Man sollte aber keinesfalls die Technik des Injizierens unterschätzen, die großer Erfahrung und Kenntnis der Produkte bedarf, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Faltenglättung und Volumenauffüllung lässt sich optimal mit den eigens dafür angefertigten Fillern erzielen. Aber auch die Hydratisierung und Glättung der Hautoberfläche kann mittlerweile mit Hyaluronsäure erreicht werden. Dazu werden allerdings Produkte mit nativer, also unvernetzter Hyaluronsäure benötigt. Diese werden in die oberflächlichste Hautschicht injiziert, quasi als Quaddel und erzeugen hier eine Zunahme der Fibrozyten, der Zellen, die in der Haut neue Hyaluronsäure sowie Kollagen und Elastin produzieren. Auf diese Weise wird bei regelmäßiger Anwendung eine Revitalisierung der Haut erreicht, das heißt, die Haut produziert wieder mehr Hyaluronsäure und andere Bestandteile, die bereits vor dem 30. Lebensjahr abnehmen. Gerade bei Patientinnen, deren Haut schon fortgeschrittene Oberflächenschäden aufweist, kann durch eine regelmäßige Behandlung mit nativer Hyaluronsäure eine dauerhafte Verbesserung erzielt werden, ähnlich wie sie nach einer ausgedehnten kosmetischen Gesichtsbehandlung für wenige Stunden eintritt.

Mit neuen Technologien, wie der Verwendung von Spezialkanülen mit abgerundeter Spitze und Beimengung von Lokalanästhetikum zum Dermalfiller, lassen sich schmerzarme und wenig traumatisierende Behandlungen des gesamten Gesichtes durchführen, die eine langanhaltende Verbesserung von bis zu einem Jahr erzielen. Voraussetzung für solch eine Behandlung ist eine sorgfältige Untersuchung des Gesichtes vor der Behandlung und Erstellung eines individuellen Therapieplanes mit verschiedenen Produkten der Hyaluronsäurepalette und evtl. einer Vorbehandlung mit Botulinumtoxin-A.

Radiesse® und Sculptra® / Kollagenstimulatoren


Außer den Hyaluronsäurefillern, die Gewebe ersetzen, gibt es noch die „Stimulatoren“, d.h. Produkte, die die Kollagenbildung in der Haut anregen und dadurch Volumenzunahme und Festigkeitszunahme der Haut bewirken. Beide Produkte haben im Jahre 2009 die höchsten Zuwachsraten auf dem Fillermarkt in den USA erzielt, höher als die der Hyaluronsäurefiller.

Sculptra® ist ein Stimulator bestehend aus Poly-L-Milchsäure, einem komplett abbaubaren Stoff, der in der Medizin seit langem verwendet wird. Das Produkt ist seit 1999 auf dem europäischen Markt, wurde zunächst unter dem Namen „Newfill“geführt und dann von einer amerikanischen Firma übernommen, die geringfügige Veränderungen vornahm und neue Zubereitungsempfehlungen entwickelte. Seitdem sind die früher häufiger beschriebenen Knötchenbildungen nach der Injektion extrem selten geworden. Das Produkt wirkt durch Stimulation der Kollagenbildung, initial müssen mindestens 3 Behandlungen im Abstand von 6-8 Wochen durchgeführt werden. Erst dann ist mit einer langanhaltenden Verbesserung und Zunahme des Gewebes von bis zu 2 Jahren zu rechnen. Es handelt sich dabei um eine langsam stattfindende Verbesserung, was vielen Patientinnen sehr gelegen kommt, da keine abrupten Veränderungen sichtbar sind und somit keine „peinlichen" Fragen gestellt werden. Anders als bei den Hyaluronsäurefillern wird die Verbesserung durch Zunahme von eigenem Gewebe erzielt, die Substanz stimuliert das Gewebewachstum lediglich. Da es sich bei Sculptra® nicht um ein Fertigprodukt handelt wie bei allen anderen Fillern, muss es mindestens 24 Stunden vor der Injektion aus einem Pulver zubereitet werden, kann also nie sofort bei der ersten Konsultation verabreicht werden. Sculptra ® ist nicht geeignet für die Behandlung von Lippen und feinen Augenfältchen, es lässt sich hervorragend mit Hyaluronsäurefillern kombinieren.

Radiesse® ist ebenfalls ein Stimulator, aber anders als Sculptra® macht es sofort eine deutlich sichtbare Verbesserung des behandelten Areals. Es besteht aus einer Mischung von Mikrosphären (winzige Kügelchen) aus Calciumhydroxylapatit und Flüssigkeit als Trägersubstanz. Beide Bestandteile sind komplett abbaubar vom Organismus. Auch diese Grundstoffe werden bereits seit über 10 Jahren in der Medizin verwendet. Radiesse® wird sowohl zum Volumenaufbau als auch zur Unterfütterung einzelner Falten verwendet. Meistens wird ein Lokalanästhetikum vor der Injektion beigemischt, damit die Injektion weniger schmerzhaft ist. Es ist für Lippen, oberflächliche Augenfältchen und für die Unterspritzung der Zornesfalten nicht geeignet. Die Haltbarkeit beträgt ca. 18 Monate, also länger als die der Hyaluronsäureprodukte. Nach der Behandlung sind die injizierten Areale etwas verhärtet, das verschwindet nach 3-4 Wochen vollständig, erst dann ist auch das endgültige Ergebnis zu erwarten. Auch dieses Produkt lässt sich hervorragend mit Hyaluronsäurefillern kombinieren.


Weitere Informationen zur Ästhetisch-Plastischen Chirurgie finden Sie auch hier
letzte Aktualisierung: 15.05.2012

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Dr. med. Marianne Wolters

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