Symptome beim Sjögren-Syndrom
Klinisch ist das SS vor allem durch einen entzündlichen Befall der Tränen- und Speicheldrüsen gekennzeichnet, der zu den häufigsten und meist frühzeitig vorhandenen Symptomen Mund- und Augentrockenheit führt, im weiteren Verlauf jedoch auch eine „Austrocknung“ weiterer Schleimhautbereiche (z.B. Geschlechtsorgane, Atemwege) und der Haut bewirken kann. Oft jedoch stellt es keine reine Erkrankung der Drüsen, sondern auch des gesamten Organismus dar, die zu Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Fieber führt und mit unterschiedlicher Häufigkeit Schwellungen der Speicheldrüsen, eine Beteiligung der Gelenke und Muskeln (meist in Form von Schmerzen), aber auch verschiedener innerer Organe sowie Entzündungen der Blutgefäße („Vaskulitis“) mit sich bringt.
Die chronische Störung der Drüsenfunktion führt vor allem im Bereich des Mundes und der Augen zu massiven Beeinträchtigungen und unangenehmen Folgeerscheinungen. Hierzu zählen z.B. chronische Entzündungen und häufige Infektionen im Bereich der Mundhöhle und der Bindehäute, Karies und Paradontose, Mundgeruch, Schwierigkeiten beim Schlucken fester und trockener Speisen, Geschmacks- und auch Geruchsstörung, Heiserkeit und später ständige Atemwegsinfekte.
In selteneren Fällen (< 8 %) kann sich im Verlauf des Syndroms als Komplikation ein Tumor der Lymphdrüsen („Lymphom“) entwickeln. Da er sich fast immer im Bereich der Speicheldrüsen oder Halslymphknoten zuerst bemerkbar macht, sollte auf anhaltende Vergrößerung oder gar Größenzunahme dieser Organe geachtet und im Zweifelsfall der betreuende Spezialist aufgesucht werden – diese Komplikation ist mittels Kernspintomografie und Untersuchung einer Gewebsprobe rasch zu diagnostizieren bzw. auszuschließen!
Diagnose eines Sjögren-Syndroms
Leider wird die Diagnose eines SS meist erst mit mehrjähriger Verzögerung gestellt, weil die fast immer frühzeitig vorhandenen Symptome Augen- und Mundtrockenheit oft im Frühstadium dem Arzt nicht berichtet oder von diesem nicht richtig gedeutet werden.
Neben den typischen klinischen Befunden ist zunächst mit einfachen Funktionstests eine mangelhafte Tränen- bzw. Speichelproduktion nachweisbar. Genaue Untersuchungen der Speicheldrüsen mittels bildgebender Verfahren mit Kontrastmittel (Szintigrafie, Sialografie, Kernspintomografie) führen dann zur Verdachts-Diagnose, eine Probeentnahme aus der Lippeninnenseite mit mikroskopischer Untersuchung von Drüsengewebe schließlich meist zum Beweis (oder Ausschluß). Auch Laboruntersuchungen leisten Hilfestellung, können aber allein die Diagnose nicht sichern.
Nützlich ist hier vor allem der immunologische Nachweis von bestimmten Antikörpern, die bei vielen – aber nicht allen – SS-Patienten im Blut zu finden sind (SS-A- und SS-B Antikörper).
Es ist allerdings unbedingt zu beachten, dass es viele andere mögliche Ursachen für Mund- und Augentrockenheit gibt. Andere Erkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus oder Fibromyalgie-Syndrom, aber auch Viruserkrankungen (z.B. die virale Leberentzündung/ Gelbsucht) führen nicht selten zu ähnlichen Folgesymptomen, außerdem führen eine Reihe von Medikamenten (z.B. gegen Bluthochdruck und psychische Erkrankungen) zur Mundtrockenheit. Es ist auch zu beachten, dass mit zunehmendem Alter die Drüsenproduktion auch bei Gesunden nachlassen kann. Auch Speicheldrüsenschwellungen können zahlreiche andere Ursachen haben. All dies muss im Rahmen der Abklärung als Ursache ausgeschlossen werden, eine gründliche fachärztliche Untersuchung durch den Augenarzt und HNO-Arzt ist hierfür zusätzlich zu den obengenannten Maßnahmen sinnvoll.
Prof. Dr. Klaus Krüger
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