Prävention vor einer Arthrose im Knie
Wie kann man Knorpelschäden und die Entwicklung einer Arthrose verhindern?
Hier sind zwei Faktoren herauszuheben:
Bewegung. Wir wissen aus experimentellen und klinischen Arbeiten, dass durch ständiges Bewegen Knorpelschäden heilen können. Allerdings bildet sich nicht der ursprüngliche so genannte hyaline Knorpel, sondern ein – wie eingangs schon erwähnt – Ersatzfaserknorpel, der weniger belastbar ist als der hyaline Knorpel. Auch wenn eine Arthrose bereits eingetreten ist, sollte soviel wie möglich – und soweit seitens der Schmerzen erträglich – bewegt werden. Hierzu eignet sich besonders Radfahren in der Ebene, auch ein Heimtrainer leistet hervorragende Dienste. Des Weiteren kommt jegliche Bewegung im Wasser in Betracht, wobei in letzter Zeit das schon erwähnte Aqua-Jogging sehr populär geworden ist.
So genannter vorderer Knieschmerz
Eine Vielzahl von Kniegelenkserkrankungen beschränken sich auf das Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkelrolle (Femoropatellargelenk). Die Ursachen sind vielschichtig. Besonders bei jüngeren Menschen wird der vordere Knieschmerz häufig durch eine Balancestörung zwischen der Streckund Beugemuskulatur des Oberschenkels verursacht. Hierbei ist einer der beiden Muskelgruppen zu kurz, was durch die entsprechende Diagnostik nachgewiesen werden kann. Wenn dabei herauskommt, dass im Kniegelenk selbst keine Störungen vorliegen, hilft meist ein simples Dehnen (Stretching) der verkürzten Muskelgruppen und führt nach einer gewissen Zeit zur Schmerzfreiheit.
Von organischen Störungen des Kniescheibengelenkes ausgelöste Knieschmerzen sind:
Angeborene Fehlbildungen der Kniescheibe, ihres Gleitweges oder der Beinachse (XBein) führen zu einer Fehlbelastung der Knorpelfächen zwischen Kniescheibe und Oberschenkelrolle und damit zu einer Knorpelerweichung. Bei diesen Patienten ist üblicherweise der Hocktest meist positiv: Beim Hinhocken des Patienten kann der Arzt ein mehr oder weniger deutliches Knirschen hinter der Kniescheibe – nicht verwechseln mit einem einmaligen Knacken – hören. Spezielle Röntgenuntersuchungen lassen die Ursache genau erkennen. Auch hier lassen sich in vielen Fällen allein mit krankengymnastischen Maßnahmen Verbesserungen des Beschwerdebildes bis hin zur Schmerzfreiheit erzielen. Erst nach Versagen dieser konservativen Therapie sollten operative Schritte in Erwägung gezogen werden. Dabei hilft oft ein arthroskopisches Glätten rauer Knorpelfächen, Abtragen von sich ablösender Knorpellamellen und ein Ausspülen des Gelenkes. Da die Schmerz vermittelnden Nerven ausschließlich in der Gelenkhaut liegen, keine hingegen im Knorpel, bringt die Entfernung der stets entzündeten Gelenkhaut rund um die Kniescheibe eine sichere Schmerzreduzierung.
Eine Druckentlastung der Kniescheibe mit gleichzeitiger Rezentrierung kann durch eine Spaltung des äußeren Haltebandes der Kniescheibe erreicht werden. (Laterales Release). Gleichzeitig werden bei diesem Eingriff die Knorpelflächen geglättet. Stehen Störungen des Gleitverhaltens der Kniescheibe aufgrund von angeborenen Fehlbildungen im Vordergrund, so sollten diese gezielt operativ angegangen werden. Letztere Eingriffe sind aufwendiger und erfordern in der Regel einen kurzen stationären Aufenthalt.
Dr. med. Hans H. Pässler
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