Knochennekrosen (Absterben von Knochengewebe)
Die Störung der Blutzirkulation kann zu Nekrosen des abhängigen Knochens führen: partielle oder komplette Osteonekrose. Septische Knochennekrosen entstehen im Rahmen einer Osteomyelitis. Aseptische Knochennekrosen haben heterogene Ursachen: Trauma, Gefäßverschlüsse, endokrine und Stoffwechselstörungen, Angio- und Koagulopathien, Cortisonmedikation, Alkoholismus.
Aus unbekannter Ursache: spontane (idiopathische) Osteonekrosen. Bei Epiphysennekrosen im Wachstumsalter können auch die Wachstumsfuge und angrenzende Teile der Metaphyse einbezogen werden. (Osteochondronekrose). Primäre Nekrose des Gelenkknorpels kommt mangels eigener Blutversorgung nicht zustande, der Knorpel kann aber sekundär erkranken.
Juvenile aseptische Osteochondronekrosen
Durch lokale Zirkulationsstörungen unbekannter Herkunft ausgelöste Nekrose in Epiphysen, Apophysen und kurzen Knochen, die durch Reparation spontan ausheilen, aber zu bleibenden Form- und Funktionsstörungen führen können. Stadienhafter Ablauf mit Initialstadium, Kondensationsstadium, Fragmentationsstadium, Reparationsstadium.
Wichtigste Formen der juvenilen aseptischen Osteochondronekrosen:
- Nekrose des Femurkopfes (M. Perthes): häufigste Erkrankung dieser Gruppe, Kinder zwischen 3 und 7 Jahren, vornehmlich Jungen. Schmerzen, Hinken, zunehmende Deformierung. Später Arthrosis deformans. Therapie: Entlastung. Ggf. stellungsverbessernde Osteotomie.
- Nekrose der Schienbeinapophyse (M. Schlatter): vor allem Jungen zwischen 12 und 15 Jahren. Schmerzen bei Zug der Quadrizepssehne und auf Druck (beim Knien!), Gelenk unbeteiligt. Schwellung. Therapie: Schonung (Sport!), Wärmeanwendung. Gipstutor mit Ausschaltung des Quadrizepszuges.
- Nekrose des Kahnbeins am Fuß (M. Köler I): Kinder zwischen 3 und 8 Jahren. Schmerzen, gelegentlich Schwellung. Therapie: Einlagenversorgung.
- Nekrose von Mittelfußköpfchen (M. Köhler II, M. Freiberg): meist Mädchen um die Pubertät. Schmerzen, ggf. Schwellung am Vorfuß. Therapie: Einlage, Vorfußbandage mit Mittelfußpelotte, orthopädische Schuhzurichtung. Wenn erfolglos: Operation.
- Aspophysitis calcanei (M. Haglund): Ossifikationsstörung in der dorsalen Fersenbeinapophyse. Schmerz beim Gehen und bei Anspannung der Achillessehne. Therapie: Absatzerhöhung, evtl. Gehgips in Spitzfußstellung für 4 Wochen.
- Osteochondrosis dissecans: Demarkierung einer Knochen-/Knorpelscheibe aus einer Gelenkfläche, meist am Knie, in und nach der Pubertätszeit. Corpus Librum (Gelenkmaus). Schmerzen, Erguss, evtl. Einklemmung. Therapie: Schonung (Sport), ggf. Gipstutor oder Orthese für 6-12 Wochen, Arthroskopie. Versuch der Refixation oder Entfernung des Dissekats. Bei ausgedehntem Knorpelschaden Pridie-Bohrung, am Hüftgelenk evtl. Umstellungsosteotomie.
Aseptische Nekrosen im Erwachsenenalter
- Hüftkopfnekrose des Erwachsenen: vorwiegend Männer zwischen 25 und 30 Jahren. Alkohol, Cortison, Diabetes, Hyperlipidämie, Lebererkrankungen, Taucher, Posttraumatische Hüftkopfnekrose nach Schenkelhalsfraktur. Schmerzen, Hinken, zunehmende Bewegungseinschränkung. Bei ausgeprägtem Krankheitsbild typischer Röntgenbefund. Frühdiagnose: Szintigraphie, Kernspintomographie. Therapie: zu Beginn evtl. entlastende Orthese, Flexionsostetomie, Kopfresektion mit Arthroplastik.
- Osteonekrose des Femurkondylus (M. Ahlbäck): vor allem Frauen über 60 Jahre, nach Cortisontherapie, Schmerzen an der Knieinnenseite, Erguß. Röntgen: Abflachung und Verdichtung, später Dissekation. Therapie: konservativ wie bei Gonarthrose wenig aussichtsreich, Valgisationsosteotomie, Arthroplastik.
- Nekrose des Oberarmkopfes (Hass-Krankheit): Analog Hüftkopfnekrose. Therapie: Arthrodese oder Alloarthroplastik.
- Lunatummalazie (Knieböck-Krankheit): Nekrose des Mondbeins der Hand. Eventuell Berufkrankheit, Schmerzen beim Gebrauch der Hand. Therapie: Ruhigstellung. Evtl. operative Ausräumung oder Arthrodese.
- Nekrose der Sesambeine unter dem Großzehengrundgelenk: Belastungs- und Druckschmerz, Zerrungsschmerz bei passiver Dorsalbewegung der Großzehe. Röntgen: scholliger Zerfall. Therapie: entlastende Einlage oder Exstirpation.
- Posttraumatische aseptische Nekrose eines Wirbelkörpers (M. Kümmel-Verneuil): Monate nach Wirbelfraktur Schmerzen, zunehmende Kyphose. Röntgen: Verdichtung, Abflachung, progrediente Keilform bei Erhaltung der benachbarten Intervertebralräume. Differentialdiagnose: Tumor! Therapie: physikalische Maßnahmen, Krankengymnastik, evtl. Korsett. Ultima ratio Spondylodese.
letzte Aktualisierung: 14.05.2012