Die Symptome entwickeln sich meistens über einen längeren Zeitraum. Die Patienten berichten über Schmerzen und Missempfindungen bzw. ein Taubheitsgefühl im sensiblen Versorgungsgebiet des Mittelnervs, das heißt in der Hohlhand sowie auf der Beugeseite des Daumens, Zeigefingers, Mittelfingers sowie der speichenseitigen Hälfte des Ringfingers (Abb. 2). Typisch sind ein Schwellungsgefühl der Hand und die Störung des Nachtschlafs. Die Schmerzen können bis in den Oberarm ausstrahlen. Durch Schädigung des motorischen Nervenanteils kann die Daumenballenmuskulatur in Mitleidenschaft gezogen werden und bildet sich zurück (Daumenballenatrophie, Abb. 3). Im fortgeschrittenen Stadium resultiert eine Kraftminderung, aber auch ein Nachlassen der Geschicklichkeit bei Handgriffen alltäglicher Verrichtungen, z.B. Schwierigkeiten beim Türaufschließen oder Hemdzuknöpfen.
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| Abb. 3: Fortgeschrittenes Karpaltunnelsyndrom mit deutlicher Verschmächtigung der Daumenballenmuskulatur |
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Wie wird die Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms gestellt?
Äußerlich betrachtet ist die Hand meist unauffällig, die Daumenballenatrophie ist ein Spätzeichen und heute eher selten. Die Sensibilitätsprüfung der vom Mittelnerv versorgten Finger erfolgt im Vergleich zum Kleinfinger, an dem der Ellennerv (lateinisch Nervus ulnaris) für das Gefühl zuständig ist; beim leichten Bestreichen wird im typischen Fall am Kleinfinger „normales Gefühl“ angegeben. Weiteren Aufschluss gibt die so genannte Zwei-Punkte-Untersuchung:
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| Abb. 4: Bestimmung der Zwei-Punkte-Diskrimination mit einer Büroklammer |
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Mit der so genannten 2-Punkte-Untersuchung (2-Punkte-Diskrimination) kann die Sensibilität an den Fingerkuppen gezielt geprüft werden. Eine Büroklammer wird zurechtgebogen und der Abstand zwischen den Drahtenden ermittelt. Mit anderen Worten: Das Vermögen des Patienten zur Unterscheidung zwischen 2 Berührungspunkten wird getestet. Als Normalwert können etwa 4–6 mm im Bereich der Fingerkuppen angenommen werden. Bei einer Sensibilitätsstörung ergeben sich höhere Werte. Diese Methode ist natürlich nur aussagekräftig bei kooperativen Patienten (Abb. 4).
Das Beklopfen des Nervs durch den Mittelfinger des Untersuchers im Bereich der Handgelenkbeugefurchen kann zu elektrisierenden Missempfindungen führen, die bis in die vom Mittelnerv versorgten Finger ausstrahlen (Hoffmann-Tinel-Zeichen). Auch die maximale Beugung des Handgelenks im Rahmen der Untersuchung führt bei positivem Befund innerhalb von etwa 15-20 Sekunden zu Missempfindungen (Phalen-Test). Die Prüfung der Motorik zeigt im späteren Stadium eine Störung der Daumenbeweglichkeit, insbesondere der Daumenopposition, die es dem Daumen ermöglicht, mit anderen Fingern eine Art „Zange“ zu bilden.
Die Objektivierung der Diagnose erfolgt vom Facharzt für
Neurologie durch eine
elektrophysiologische Untersuchung: Dabei werden mit der
Elektroneurographie die motorische und die sensible Nervenleitgeschwindigkeit gemessen. Bei der
Elektromyographie wird die Muskulatur bzw. indirekt die Funktion des den Muskel innervierenden (= steuernden, versorgenden) Nervs überprüft.
Diese Diagnostik ist bei positivem Befund zweifellos am aussagekräftigsten, jedoch schließen Normalwerte ein operationswürdiges
Karpaltunnelsyndrom nicht aus. Röntgenaufnahmen der Hand bzw. des Handgelenks werden nur beim Verdacht auf knöcherne Veränderungen als Ursache des Karpaltunnelsyndroms angefertigt, z.B. nach Handgelenkfrakturen. Entsprechendes gilt für die
Computertomographie. Die
Kernspintomographie ist nur ausnahmsweise erforderlich, z.B. zur Weichteildarstellung bei Tumoren, die zur Druckschädigung des Nervs geführt haben.
Eine Fehldeutung des Karpaltunnelsyndroms ist nicht selten
Im typischen Fall ist die Diagnose einfach. Jedoch wird das
Karpaltunnelsyndrom nicht selten insbesondere im Anfangsstadium fehlgedeutet, beispielsweise als „Durchblutungsstörungen“ oder „Schulter-Arm-
Syndrom“ (z.B. bei Handwerkern oder Tennisspielern). Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule (z.B. ein
Bandscheibenvorfall) als Ursache der Beschwerden lassen sich durch eine neurologische Untersuchung sowie Röntgenaufnahmen und eventuell eine
Kernspintomographie der Halswirbelsäule abgrenzen.
letzte Aktualisierung: 14.05.2012
Artikelinformationen zu Karpaltunnelsyndrom