Die konservative Therapie des Karpaltunnelsyndroms (Behandlung ohne chirurgischen Eingriff)
Nicht jedes
Karpaltunnelsyndrom bedarf einer Behandlung, wenn beispielsweise nur gelegentliche Probleme bestehen.
Bei relevanten Symptomen bringt die konservative
Therapie selten dauerhaften Erfolg. Sie wird bevorzugt in der
Schwangerschaft und empfiehlt sich im Anfangsstadium, bei geringen Beschwerden und fehlenden Veränderungen der elektrischen Nervenleitung. In diesen Fällen kann eine Schienenbehandlung in leichter Streckung des Handgelenks, überwiegend als Nachtschiene, Linderung bringen. Manchmal werden Vitamin-B-Präparate verordnet. Bei einer chronischen Beugesehnenscheidenentzündung kann ein Antiphlogistikum (z.B. Diclofenac, nicht bei Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren) eingesetzt werden. Eine lokale Kortison-Injektion an den Nerven – nicht in den Nerven! – ist kritisch zu betrachten, weil der Nerv dabei verletzt werden kann. Darüber hinaus wird manuell Tätigen empfohlen, die Hand zu schonen – was im Berufsleben aber oft nicht möglich ist. Kanusportler mit einem
Karpaltunnelsyndrom sollten ein Paddel mit geringem Umfang wählen, weil dann weniger fest zugegriffen werden muss. Entsprechendes gilt für die Auswahl eines Tennisschlägers.
Die Operation des Karpaltunnelsyndroms
Bei eindeutigem Befund, mehrmonatigen und erheblichen Beschwerden sowie erfolgloser konservativer Behandlung des Karpaltunnelsyndroms (siehe oben) sollte operiert werden. Die Operation wird in der Regel
ambulant durchgeführt.
Das Prinzip der Operation des Karpaltunnelsyndroms ist die Dekompression des Nervs, also die Beseitigung der Einengung. Das den Nerv bedeckende derbe Band (lateinisch Retinaculum flexorum), das Dach des Karpaltunnels, wird durchtrennt. Meistens wird das offene, minimal invasive operative Verfahren mit einem Schnitt von 2–3 cm durchgeführt. Dieses Vorgehen bietet eine optimale Übersicht und erlaubt weitere Maßnahmen, beispielsweise die Entfernung von
chronisch verdicktem Sehnengleitgewebe. Andere Ursachen des Karpaltunnelsyndroms, z.B. ein Handgelenkganglion, können ebenfalls beseitigt werden. Von manchen Handchirurgen wird außerdem eine so genannte Karpaldachplastik durchgeführt: Dabei wird das Retinaculum flexorum z.B. mit einer höher gelegenen Bindegewebeschicht der Hand (Palmaraponeurose) wieder zusammengenäht. Auf diese Weise wird der Karpaltunnel einerseits erweitert und andererseits die biomechanische, stabilisierende Funktion dieses Bands erhalten, was für „manuell“ Tätige und Sportler wie Tennisspieler oder Gewichtheber wichtig sein kann. Zur Vermeidung eines Blutergusses wird am Ende der Operation meistens eine Drainage für einen Tag eingelegt.
Nach Abklingen des Wundschmerzes ist eine rasche Besserung der Beschwerden die Regel. Die Patienten sollten frühzeitig mit selbstständigen Bewegungsübungen der Finger (Streckung, Faustschluss) beginnen. Nur in Ausnahmefällen ist eine Physio- oder Handtherapie notwendig. Manchmal wird nach der Operation kurzfristig eine Handgelenkschiene verordnet. Die Narbe kann nach Entfernung der Hautfäden mit einer handelsüblichen fetthaltigen Creme behandelt werden, spezielle „Narbensalben“ sind nicht erforderlich.
Die endoskopische Operation bei Karpaltunnelsyndrom - eine umstrittene Methode
Seltener erfolgt die endoskopische Operation („Schlüssellochchirurgie“) des Karpaltunnelsyndroms. Diese Methode ist umstritten, weil zahlreiche Risiken und Komplikationen beschrieben wurden, unter anderem Nerven-, Beugesehnen- und Blutgefäßverletzungen. Mittel- und langfristig sind die Ergebnisse der endoskopischen Operation nicht besser als die der offenen Technik – ein weiterer Grund, warum das offene Verfahren von den meisten handchirurgischen Operateuren favorisiert wird.
Wie sieht die Prognose nach einer Operation des Karpaltunnelsyndroms aus?
Die Ergebnisse sind bei frühzeitig und korrekt durchgeführter Operation sehr gut. Narbenbeschwerden sind selten und meistens vorübergehend. Bei ausgeprägten Befunden dauert die Rückbildung der Sensibilität sowie der muskulären Ausfälle manchmal mehrere Monate. Hier sind neurologische Verlaufskontrollen sinnvoll. Bleibende Ausfälle sind nur zu erwarten, wenn die Operation erst im Spätstadium erfolgte und der Nerv bereits „ausgebrannt“ war. Eine manuelle Belastung der Hand – dazu gehört auch das Arbeiten am PC – oder ein sportlicher Einsatz mit festem Zugreifen sollte zur Sicherung der Heilung frühestens nach 8 Wochen erfolgen. Bei bleibenden Beschwerden oder Wiederauftreten kann auch an eine unvollständige Spaltung des Retinaculum flexorum die Ursache sein, dann wird ein Zweiteingriff erforderlich.
Wichtiger Hinweis:Die Abbildungen stammen aus dem Buch „Sportverletzt – Was jetzt?“ von H. Rieger, erschienen im Deutschen Ärzte-Verlag, Köln 2009. Die Wiedergabe erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags!
letzte Aktualisierung: 14.05.2012
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