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Hüftdysplasie - Behandlung / Therapie

Was können die Folgen einer nicht behandelten Hüftdysplasie sein?


Erkennt man die richtige Diagnose nicht oder unterlässt aus anderen Gründen eine konsequente Behandlung, bilden sich mit der Zeit unterschiedliche Fehlformen der beteiligten Knochen, Bänder und Muskeln aus (sogenannte Sekundärpfanne, die sich ohne richtigen Knorpel an einer höheren Stelle als die anatomische Pfanne ausbildet; sogenannte Coxa valga antetorta - eine unphysiologische Steilstellung und Vorwärtsverdrehung des hüftnahen Oberschenkelknochens). Langfristig resultiert aus der anatomischen Fehlposition der Gelenkanteile ein dem Alter weit vorausgehender Knorpel- und Gelenkverschleiß und eine Arthrose des Hüftgelenkes - diese Patienten benötigen dann bereits in jüngeren Jahren ein künstliches Hüftgelenk und müssen dabei eine höhere Lockerungsrate als die älteren Patienten hinnehmen.


Wie wird die Hüftdysplasie behandelt?


Das Behandlungsprinzip ist folglich die tiefe Zentrierung des Hüftkopfes mit dem Ziel, durch eine biologische Nachreifung des Gelenkes normale anatomische Verhältnisse zu erreichen. Dabei gilt: Je jünger das betroffene Kind ist, desto geringer ist der Behandlungsaufwand, und je früher die korrekte Diagnose gestellt wird, desto besser sind die Chancen auf eine Ausheilung der Hüftdysplasie.

Der sonographische Befund und damit der Schweregrad bestimmt die Behandlung des Säuglings: gesunde Hüften brauchen keine Therapie. Bei den Typen II a und b muß eine engmaschige und sorgfältige Überwachung des weiteren Verlaufes erfolgen - dies durch einen Facharzt für Orthopädie oder durch einen entsprechend weitergebildeten Kinderarzt. Bei Typ III c wird das Kind in einer speziellen Spreizhose behandelt, die dafür sorgt, daß die gewünschte Abspreiz-Beugestellung im Hüftgelenk auch beim strampelnden Säugling dauerhaft eingenommen wird. Die Dauer dieser Behandlung ist befundabhängig und kann bis zu 10 Monaten gehen.

Zeigt sich eine Tendenz zur Luxation auch in der Spreizhose, ist in der Regel eine rigidere Sicherung der gewünschten Hüftposition im sogenannten Sitz-Hockgips sinnvoll.

Ist bereits bei Diagnosestellung oder sekundär ein teilweises oder vollständiges Heraustreten des Hüftkopfes aus der Pfanne geschehen, so muss zunächst versucht werden, die Gelenkverbindung wieder vorsichtig und schonend einzurichten. Hierfür kann in leichteren Fällen eine sogenannte Repositionsorthese (z. B. Pavlik-Bandage) verwandt werden; bei schwereren Verläufen ist eine stationäre Behandlung mit mehrtägiger Reposition über eine sogenannte Overhead-Extension nötig. Ist das Gelenk wieder rezentriert, kommen die bereits erwähnten Behandlungsformen wieder zum Zuge, bis die gesicherte Ausreifung des Gelenkes erreicht ist.

In seltenen Fällen kann das Hüftgelenk durch diese geschlossenen Maßnahmen nicht reponiert werden, dann muss eine chirurgische Wiedereinrenkung des Gelenkes geschehen - gefolgt von den bereits erwähnten Retentionshilfen.


Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit unzureichend behandelter Hüftdysplasie


Die Einführung und flächendeckende Verbreitung des sonographischen Neugeborenen-Screening auf kongenitale Pfannendysplasie ab Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts hat zu einem deutlichen Rückgang unzureichend oder nicht behandelter Dysplasiepatienten geführt. Dessen ungeachtet gibt es, teils auf anlagebedingter Basis, teils durch Zuzug auswärtiger Patienten, teils durch nach wie vor unzureichende Frühdiagnostik weiterhin Jugendliche und Erwachsene mit dysplastischen anatomischen Veränderungen an Hüftkopf und -pfanne und den hieraus erwachsenden klinischen Konsequenzen im Sinne einer zur frühen Arthrose führenden Deformität.

In diesen Fällen besteht bei entsprechenden Beschwerden oft eine klare Operationsindikation zur biomechanischen Korrektur der Deformität. In Abhängigkeit vom Alter und vom individuellen Befund werden dabei entweder einzeln oder zusammen a) die Steilstellung der Pfanne, b) die Steilstellung und Vorwärtsdrehung des Schenkelhalses behoben. Die häufigsten Operationsverfahren sind dabei am Oberschenkelknochen die sogenannte Intertrochantere Derotations-Varisations-Osteotomie und am Beckenknochen die Salter-Osteotomie bei Kindern bzw. die Dreifachbeckenosteotomie nach Tönnis bei Jugendlichen und Erwachsenen. Besonders die Beckeneingriffe sind technisch nicht einfach und sollten nur von entsprechend erfahrenen und spezialisierten Operateuren durchgeführt werden.
letzte Aktualisierung: 15.05.2012

Artikelinformationen zu Hüftdysplasie
Autor
Portrait Dr. von Bremen-Kühne

Dr. med. Reinhard von Bremen-Kühne

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