Ein Erkrankungsbeginn ist praktisch in jedem Alter möglich, jedoch weitaus am häufigsten im 2. und 3. Lebensjahrzehnt. Typisch ist der Beginn mit größtenteils belastungsunabhängigen, d.h. auch in Ruhe auftretenden Schmerzen im unteren Lendenwirbelsäulenabschnitt sowie den Kreuzdarmbeingelenken, meist in die Oberschenkel und Hüftregion ausstrahlend, die als frühmorgendlicher Nachtschmerz den Betroffenen aufwecken, ihn zum Aufstehen und Umhergehen veranlassen und sich hierunter bessern. Der weitere Verlauf kann sehr unterschiedlich sein.
Bei Fortschreiten der Erkrankung treten Schmerzen dann meist aufsteigend in höheren Lenden-, Brust- und auch Halswirbelsäulenabschnitten auf. Typisch ist auch ein Schmerz beim Husten und Niesen sowie bei Erschütterung mittels gürtelförmiger Ausstrahlung, evtl. auch druckschmerzhafte Schwellungen im Bereich der Verbindungen der Rippen und des Schlüsselbeins mit dem Brustbein. Bei einigen Patienten kann es auch zu meist nur vorübergehenden Entzündungen im Bereich von mittelgroßen und großen Gelenke (Schulter-, Ellenbogen-, Knie- und Sprunggelenke, Hüftgelenke), extrem selten von Hand-, Finger- und Zehengelenken kommen. Bekannt sind weiterhin Entzündungen von Sehnenansätzen wie z.B. im Bereich der Achillessehne (Fersenschmerz) sowie Entzündungen der Regenbogenhaut am Auge bei etwa 30 % der Patienten (Iritis oder Iridozyklitis). Gelegentlich ist die Bechterew'sche Erkrankung kombiniert mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.
Prinzipiell handelt es sich um eine chronische, d.h. über Jahre und Jahrzehnte verlaufende Erkrankung. Bei einigen Patienten kann jedoch bereits im frühen Stadium spontan ein Stillstand eintreten ohne wesentliche Beeinträchtigungen zu hinterlassen. In anderen Fällen verläuft die Erkrankung schubartig mit Phasen vermehrter Schmerz- und Entzündungsaktivität, die von weitgehend beschwerdefreien Intervallen unterbrochen werden, bei anderen Patienten wiederum eher kontinuierlich.
Ein Krankheitsstillstand kann in jeder Phase der Erkrankung spontan eintreten. Charakteristischerweise besteht die Tendenz, dass sich die von der Entzündung befallenen Bereiche der Wirbelsäule verfestigen und nachfolgend verknöchern. Diese knöcherne Durchbauung ist dann meist mit einem Rückgang der Schmerzintensität verbunden. Gelegentlich kommt es auch zu Entzündungen im Raum zwischen einzelnen Wirbelkörpern, der von der Bandscheibe ausgefüllt ist (so genannte Spondylodiszitis). Aus diesen verfestigenden Vorgängen resultiert die im Spätstadium nicht mehr rückgängig zu machende Bewegungseinschränkung.
Wie beeinflusst Morbus Bechterew das Leben eines Erkrankten?
Durch entsprechende Behandlung kann die oben beschriebene Entwicklung oft verhindert oder zumindest aufgehalten werden. Bei vielen Betroffenen kommt es erfreulicherweise auch nach jahrelangem Verlauf zu keiner erkennbaren Bewegungseinschränkung, Fehlstellung oder gar Funktionsbehinderung. Wie bei anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen kann jedoch eine mehr oder weniger ausgeprägte Störung des Allgemeinbefindens und der Leistungsfähigkeit die entzündlichen Phasen der Erkrankung begleiten. Die meisten Morbus Bechterew-Betroffenen können ihren Beruf bis zum Erreichen des normalen Rentenalters ausüben, eine vorzeitige Berentung ist nur in Ausnahmefällen bei sehr schwerem Verlauf zu befürchten. Bei sehr ungünstigen Berufen muss evtl. frühzeitig an eine Umschulung gedacht werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung unterscheidet sich statistisch praktisch nicht von der der Gesamtbevölkerung.
Dr. med. Ortwin Rave
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