Prothesenwechsel am Hüftgelenk
Der Wechsel einer Hüftprothese kann aus verschiedenen Gründen erforderlich sein.
Die häufigsten sind:
Infektionen
Sie sind in der Literatur mit einer Häufigkeit von 0,4 – 3,6 % angegeben. Die Symptome einer akuten Infektion sind meist eine deutlichen Rötung, Überwärmung und Schwellung des Gelenkes. Diese Symptome können bei einem Spätinfekt fehlen. Meist geht eine Infektion mit einem Anstieg der Entzündungsparameter (Leukozytose, C-reaktive Protein, Blutsenkung) einher, was aber zu Patienten mit entzündlichen Systemkrankheiten abgegrenzt werden muss. Eine weitere diagnostische Abklärung erfolgt in Form von erweiterter Bildgebung (Röntgen, CT, MRT oder Szinthigrafie) und Gelenkpunktion oder Biopsie mit anschließender mikrobiologischer Untersuchung. In weit über 50 % der Fälle sind grampositive Keime (Staphylococcus aureus und epidermidis) die Ursache, aber auch Keime aus dem gramnegativen Spektrum (E. coli und Pseudomonas aeruginosa) können in seltenen Fällen dafür ursächlich sein. Ein erhöhtes Risiko, eine Infektion zu entwickeln, haben vor allem Patienten, die einen Diabetes mellitus, rheumatoide Arthritis, Psoriasis, Adipositas oder vorangegangene gleichseitige Hüftoperationen in ihrer Krankengeschichte aufweisen. Die Therapiestrategie richtet sich nach Art, Dauer und Ausprägungsgrad des Infektes sowie der körperlichen Konstitution des Patienten. Sie kann von einer Lavagierung des Gelenks mit Kopf- und Inlaywechsel (bei Frühinfekten < 6 Wochen) über einen einzeitigen Prothesenwechsel (Monoinfektionen, grampositives Keimspektrum, gutes knöchernes Lager) bis hin zum zweizeitigen Wechsel (temporäres Einbringen eines antibiotikahaltigen Platzhalters aus Knochenzement) führen. Entscheidend für das immer operative Vorgehen ist der Zeitpunkt der Infektion, die Keimspezies und deren Antibiotikaresistenzen sowie der Allgemeinzustand des Patienten.
Aseptische Lockerung
Eine aseptische Lockerung ist früher oder später das Schicksal jeder Prothese, unabhängig von ihrem Implantationsort. Auf die längsten Ergebnisse kann man dabei bei der zementierten Hüftendoprothetik zurückgreifen, die über 30 Jahresergebnisse umfaßt. Bei neueren zementfreien Implantaten liegen z. Zt. 15 Jahresergebnisse vor. Die Wechsel erfolgt meist einzeitig unter der Berücksichtigung der nachfolgenden Punkte.
Instabilität der Prothese
Eine bereits seit der Operation bestehende Instabilität ist zumeist auf eine Fehlpositionierung der Komponenten, ein Impingement oder eine defekt- oder zugangsbedingte Weichteillaxizität zurückzuführen. Generelle Risikofaktoren für Instabilitäten und Luxationen sind Wechseloperationen, mangelnde Compliance des Patienten, Alkoholabusus, neurologische Krankheiten, aber auch der hintere Zugang zum Hüftgelenk ist für seine höheren Luxationsraten bekannt. Man kann eine Instabilität im Hüftgelenk durchaus konservativ (Antiluxationsorthesen) behandeln. Aber bei 30 % der konservativ versorgten Luxationen kommt es zu einer Redislokation, sodass eine Mehrzahl der Dislokationen eine operative Intervention erfordert. Ziel der Operation ist es, die Weichteilspannung wiederherzustellen. Hierbei liegt das besondere Augenmerk auf der Wiederherstellung des Offset und der Beseitigung des Impingement. Zusätzliche Stabilität kann durch die Verwendung größerer Kopfdurchmesser und Kopflängen, überdachter Inlays, modularer Schaftsysteme oder auch gekoppelter Inlays erreicht werden.
Periprothetische Frakturen
Periprothetische Frakturen können durch äußere Gewalteinwirkungen, bei aseptischen Lockerungen durch vermehrten lokalen Knochenabbau aber auch unmittelbar während der Operation auftreten. Letzterer Fall trifft hauptsächlich auf die zementfreie Endoprothetik zu, wobei bei der Primärimplantation circa 0,07 % das Acetabulum und 0,1 bis 1,1 % das proximale Femur betreffen. Beim Hüftprothesenwechsel sind Frakturen bei 4,2 % der Fälle angegeben. Bei der Versorgung einer aufgetretenen Fraktur ist das Ziel die Wiederherstellung der anatomischen Verhältnisse und der knöchernen Kontinuität. Wenn die Prothese fest verankert ist und die Möglichkeit einer suffizienten Osteosynthese besteht, kann dies durch Osteosyntheseverfahren (winkelstabile Platte) erreicht werden. Instabile Prothesen erfordern den Prothesenwechsel auf ein anderes System, welches die Fraktur überbrückt und die Krafteinleitung distal des Frakturspaltes ermöglicht (Abb. 5 – 7).
Diagnose vor dem Prothesenwechsel am Hüftgelenk
In den meisten Fällen gehen die o.g. Ursachen mit einem Schmerz des betroffenen Gelenkes einher.
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