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Medikamentöse Therapie - Hintergrund

Die medikamentöse Therapie in der Orthopädie

Die Anwendung von Medikamenten erfolgt in der Orthopädie vor allem zur Bekämpfung von Schmerzen, Entzündungen, Infektionen, zur Beeinflussung des Knochen- und Knorpelstoffwechsels, zur Thromboseprophylaxe und als Chemotherapeutikum bei Tumoren.

Schmerzbekämpfung

In erster Linie geht es dabei um eine symptomatische Ausschaltung oder Reduktion peripherer Schmerzzustände. Zentral wirkende Analgetika kommen nur ausnahmsweise postoperativ, in der Endphase von Tumoren oder bei schweren neurogenen Schmerzen (z.B. Kausalgie) in Betracht. Mittel der Wahl sind in den meisten Fällen nichtsteroidale Antiphlogistika, die neben analgetischer auch antiphlogistische Wirksamkeit entfalten. Ihre systemische Verordnung (per os) richtet sich in Dosierung und Dauer nach dem Krankheitsfall (Regel: So wirksam wie nötig, so kurzfristig wie möglich!). Häufig reichen zur Schmerzbekämpfung bereits einfache Analgetika, Sedativa oder Myotonolytika aus.

Eine lokale Applikation von Medikamenten erfolgt entweder durch gezielte Injektion eines Anästhetikums (Scandicain® 0,5-1%), meist in Kombination mit einem Kortikoidpräparat (Prednisolon-Kristallsuspension) an den Ort der Schmerzauslösung (an Band-, Sehnen- und Kapselansätzen, Infiltration schmerzhafter Muskelhärten, Umspritzung von Spinalwurzeln), mit Ausschaltung vegetativer Funktionen im Bereich des Ganglion stellatum etc. oder durch intraartikuläre Injektion (meist einer Prednisolon-Kristallsuspension und 1%igem Scandicain®). Die Gelenkpunktion hat unter einer strengen Asepsis zu erfolgen; ein unmittelbar schmerzlindernder Effekt ist dabei manchmal schon durch die mit der Entnahme eines Ergusses verbundene Binnendruckreduktion zu erzielen.
Eine systemische Anwendung steroidhaltiger Präparate (Cortison) ist in der Orhtopädie in der Regel weder erforderlich noch wegen der bei längerer Applikation damit verbundenen Risiken (Osteoporose, Knochennekrosen, Adynamie) vertretbar. Ausnahmen bilden u.a. die chronische Polyarthritis und das 1. Stadium der Sudeck-Erkrankung unter strikter Kontrolle.

Zentral wirkende Schmerzmittel: Opioide

Manche Menschen meinen, Schmerzen müssten ertragen werden. Doch das ist falsch! Selbst gegen stärkste Schmerzen bietet die moderne Schmerztherapie wirkungsvolle Waffen.

Opioide - unterstützen das körpereigene Schutzsystem
Zu den wichtigsten Waffen gegen Schmerzen zählen die Opioide. Sie gleichen den körpereigenen Endorphinen und hemmen den Schmerz im Gehirn und an den Nervenbahnen. Sie wirken über spezielle Andockstellen, die Opioidrezeptoren. Diese befinden sich vor allem im Rückenmark und an Schaltstellen der Schmerzleitung im Gehirn, aber auch in fast allen Organen sowie an Tumor- und Entzündungszellen.

Opioide können verhindern, dass sich die Schmerzempfindung im Gehirn festsetzt, indem sie die Überempfindlichkeit auf Schmerzreize wieder normalisieren.

Wann verschreibt der Arzt Opioide?
Opioide werden bei starken und sehr starken Schmerzen verschrieben, z. B. bei allen Formen von Nerven- und Dauerschmerzen, starken Rückenschmerzen, starken Gelenkschmerzen, akuten Schmerzen oder Krebsschmerzen. Sie werden insbesondere dann eingesetzt, wenn sich Schmerzen mit einfachen Schmerzmitteln (Nicht-Opioidanalgetika) nicht ausreichend bekämpfen lassen.
Wichtig: Opioide unterscheiden sich hinsichtlich der Dauer und Stärke ihrer Wirkung, der Darreichungsform und den Nebenwirkungen. Lassen sich Schmerzen durch ein Präparat nicht lindern, wird Ihr Arzt ein anderes Präparat versuchen. So lassen sich mitunter scheinbar nicht behandelbare Schmerzen doch noch erfolgreich bekämpfen.

Nebenwirkungen - nicht bei allen Präparaten gleich häufig
Bei den Nebenwirkungen bereitet vor allem die unerwünschte Verstopfung (Obstipation) oft Probleme. Weitere Nebenwirkungen besonders am Anfang der Behandlung sind Übelkeit und Benommenheit, die jedoch nach drei bis vier Tagen, höchstens einer Woche, meist von selbst verschwinden. Im Unterschied zu einfachen Schmerzmitteln schädigen Opioide selbst bei Dauereinnahme weder Magen und Darm noch Niere und Leber.

Erreicht ein Opioid im Blut rasch hohe Wirkspiegel, d. h. wenn es rasch „anflutet", kann sich eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Dies ist bei manchen Opioiden der Fall, die beispielsweise von Drogenabhängigen in die Blutbahn gespritzt werden. Für retardierte Substanzen, die verzögert freigesetzt werden und über den Mund verabreicht werden, besteht diese Gefahr nicht mehr. Ängste vor psychischer Abhängigkeit sind daher unbegründet, wenn die Präparate nach den ärztlichen Empfehlungen eingenommen werden.
Ausführliche Informationen zur Behandlung starker Schmerzen finden Sie auch auf den Internetseiten von www.informationen-zu-schmerzen.de

Nichtsteroidale Antirheumatika - NSAR

Nichtsteroidale Antirheumatika sind Medikamente, die sowohl Schmerzen lindern, als auch Entzündungen unterdrücken können. Manchmal werden diese Medikamente auch Nichtsteroidale Antiphlogistika genannt, das bedeutet, dass es sich um kortisonfreie entzündungshemmende Medikamente handelt. Die meisten Mediziner sprechen ganz einfach abgekürzt von „NSAR“. Antirheumatika werden nicht nur bei rheumatischen Erkrankungen verordnet, sondern kommen auch bei vielen anderen schmerzhaften Krankheiten zum Einsatz.

Wie wirken Antirheumatika?

Antirheumatika hemmen die Bildung von Prostaglandinen. Prostaglandine sind Botenstoffe, die im Körper sehr verschiedene Aufgaben erfüllen. Bestimmte Prostaglandine spielen z. B. bei der Entstehung von Schmerzen, Entzündungen und Schwellungen eine wichtige Rolle. Andere Prostaglandine haben wichtige Schutzfunktionen, z. B. bewahren sie die Schleimhäute des Magens und des Zwölffingerdarms vor der aggressiven Magensäure.

Zwei Enzyme sind für die Bildung der Prostaglandine verantwortlich

Der Wissenschaft ist es im letzten Jahrzehnt gelungen, die Bildung und Wirkweise dieser Prostaglandine genauer zu erforschen. Anfang der neunziger Jahre machte man eine wichtige Entdeckung: Bei der Bildung der Prostaglandine sind ZWEI Enzyme beteiligt: die Cyclooxygenasen 1 und 2, kurz COX-1 und COX-2.
Zwischen den beiden Enzymen gibt es einen entscheidenden Unterschied: COX-1 hilft bei der Bildung der magenschützenden Prostaglandine. COX-2 dagegen ist für die Bildung von Prostaglandinen verantwortlich, die Schmerzen und Entzündungen auslösen.

Entwicklung von magenschonenden Schmerzmitteln
Dieses Wissen nutzten die Forscher, um eine neue Generation von Antirheumatika zu entwickeln. Bis dahin gab es nämlich nur herkömmliche Antirheumatika, die sowohl COX-1 als auch COX-2 hemmen. Die herkömmlichen Antirheumatika beseitigen zwar die Gelenkbeschwerden, können aber auch zu schweren Magenproblemen führen.
Durch die Entdeckung, dass an der Bildung von Prostaglandinen zwei verschiedene COX beteiligt sind, konnten Medikamente entwickelt werden, die nur die Bildung von COX-2 unterdrücken. Durch Medikamente werden gezielt nur die Prostaglandine gehemmt, die für Schmerzen und Entzündungen verantwortlich sind.
Mehr zur Behandlung mit modernen nichtsteroidalen Antirheumatika erfahren sie auch auf den Webseiten von www.rheuma-info.de 


Medikamente zur Beeinflussung des Knochen- und Knorpelstoffwechsels

Mittel zur Beeinflussung des Skelettstoffwechsels sind verschiedene Vitamin-D-Zubereitungen, Östrogene und Androgene, Kalzitonin, Magnesium-, Klazium- und Fluoridpräparate, Bisphosphonate etc. Chondroprotektiva sollen Stoffwechsel und Gleitfähigkeit der Knorpelbeläge unterstützen, sie vor Verschleiß schützen und ihr Regenerationsvermögen fördern. Knorpelextrakte, Aufbereitungen von Glucosalminsulfat, sulfatierten Polyglykanen und Hyaluronsäure sind zur oralen und auch intraartikulären Applikation im Handel. Die Wirksamkeit solcher „Antiarthrotika“ ist allerdings nicht unbestritten.

 

Infektionsbekämpfung

Die iatrogene Infektion von Gelenken und Knochen kann katastrophale Folgen haben, deshalb Verhütung durch sorgfältige Asepsis! Eine vorbeugende Gabe von Antibiotika bei Operationen kann in Risikofällen sinnvoll sein, sonst erfolgt ihre Anwendung grundsätzlich gezielt nach bakteriologischer Differenzierung der Erreger und Ihrer Empfindlichkeit gegenüber dem Mittel der Wahl. Die Medikation kann oral, parenteral durch Injektion oder Dauerinfusion, aber auch lokal durch Spülung bzw. Spülungsdrainage durchgeführt werden. Bei chronischen Infekten ohne Möglichkeit eines konkreten Erregernachweises und bei langwierigen spezifischen Infektionen (Tuberkulose) ist ggf. eine längerfristige orale Verabreichung mehrerer Präparate mit möglichst breiten, sich überlappenden Wirkungsspektren angezeigt.

 

Thromboseprophylaxe

Die Kontrolle der Blutgerinnungsvorgänge spielt bei langen Liegezeiten und Operationen an den unteren Extremitäten, vornehmlich der Hüft- und Kniegelenke, ein Rolle. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Frauen, die Kontrazeptiva einnehmen. Hier besitzt die Thromboseprophylaxe mit Heparin und Cumarinpräparaten nach Maßgabe der labormäßigen Testergebnisse einen besonderen Stellenwert.


Chemotherapie

Die Chemotherapie von Tumoren erfolgt mit Zytostatika.

letzte Aktualisierung: 15.05.2012

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