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Endoprothetik des Sprunggelenkes - Hintergrund

Der ältere Mensch leidet häufig unter abgenutzten Gelenken. Doch auch junge Leute, vor allem sehr aktive Sportler können betroffen sein: Gelegentlich führt ein simpler Umknickbruch im Lauf der Jahre zu einer Arthrose des Sprunggelenks.

Eine schwere Arthrose im Sprunggelenk wird heute in den meisten Fällen noch immer versteift. Inzwischen kann jedoch das Sprunggelenk durch eine Prothese ersetzt werden. Dieses Behandlungskonzept beruht auf der jahrelangen Erfahrung mit zahlreichen implantierten Sprunggelenksprothesen.

Im oberen Sprunggelenk findet das Heben und Absenken des Fußes statt. Das Sprungbein (Talus) führt dabei eine Gleit- und geringfügige Drehbewegung innerhalb der so genannten Sprunggelenksgabel aus. Die Sprunggelenksgabel setzt sich aus Schienbein (Tibia) und Wadenbein (Fibula) zusammen. Die Gelenkflächen von Schienbein (Tibia) und Sprungbein (Talus) bestehen aus Knorpel.

Symptome/Diagnose

Eine Zerstörung dieses Knorpels kann letztendlich die Ursache für Schmerzen und damit verbundene Bewegungseinschränkungen sein. Die Schmerzen können unter Belastung, etwa bei längerem Gehen, aber auch nachts oder in Ruhe auftreten.

Die Arthrose, die zur Zerstörung des Knorpels führt, ist beim Sprunggelenk in der Regel das Endergebnis einer vorausgegangenen Verletzung (Trauma) oder einer rheumatischen Gelenkentzündung (Arthritis). In manchen Fällen ist die Ursache für den Gelenkverschleiß nicht herauszufinden. Dass dies jedoch im Vergleich zur Arthrose des Hüft- oder Kniegelenkes eher selten vorkommt, ist im wesentlichen auf eine Besonderheit in der biochemischen Zusammensetzung des Sprunggelenkknorpels zurückzuführen. Verglichen mit anderem Gelenkknorpel, etwa dem des Hüftgelenkes, weist der Knorpel des Sprunggelenkes eine deutlich höhere Druckfestigkeit auf.

Ein Umknicken im Sprunggelenk, etwa beim Stolpern auf einer Treppe kann zu einem Bruch (Fraktur) des Innenknöchels, des unteren Bereichs des Wadenbeines (Außenknöchel), oder zu Kombinationen dieser Verletzungen mit Begleitverletzungen am Sprungbein kommen. Typisch sind ein geschwollenes, schmerzhaftes Sprunggelenk mit Bluterguß (Hämatom) und Bewegungseinschränkung. In Deutschland werden beispielsweise allein den Berufsgenossenschaften jährlich etwa 10.000 Sprunggelenkfrakturen gemeldet.

Heilungsaussichten

Bei Versteifung des Sprunggelenkes Wie schon erwähnt, lassen sich die Schmerzen mit dieser Methode bei den meisten Patienten deutlich reduzieren. Die Versteifung des oberen Sprunggelenkes wird heute in den orthopädisch-chirurgischen Lehrbüchern als Methode der Wahl empfohlen und wird in vielen Kliniken ausgeführt. Die Technik der Sprunggelenksarthrodese ist in den letzten Jahren weiterentwickelt worden. Die Knorpelreste der zerstörten Gelenkflächen werden zusammen mit der krankhaft veränderten Knochenschicht entfernt. Tibia und Talus werden durch Einbringen von Schrauben und Platten intern fest fixiert und heilen ähnlich wie bei einem Knochenbruch zusammen. Bestehende Achsabweichungen im Sprunggelenk werden durch Abtrennen von Knochenkeilen definierter Größe korrigiert, „geradegestellt“. Dies ist eine wichtige Vorraussetzung, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Bei Sprunggelenks-Prothese

Die Prothese des Sprunggelenkes ist keine neue Erfindung. Künstliche Sprunggelenke werden seit etwa 1970 eingesetzt. Die optimistischen Erwartungen aus der Anfangszeit konnten in der Langzeitbeobachtung nicht bestätigt werden. Die Prothesen lockerten sich nach wenigen Jahren und mussten entfernt werden: Das Design und die Verankerungsmethode der Prothesen erster Generation waren noch nicht ausgereift. Inzwischen gibt es jedoch seit ca. 15 Jahren Erfahrungen mit modernen Totalendoprothesen des Sprungelenkes. Diese bestehen aus 3 Komponenten:

  • einer gerundeten Kappe für die Talus-Rolle aus einer Kobalt-Chrom-Legierung 
  • einer Platte für die Tibia-Gelenkfläche aus einer Kobalt-Chrom-Legierung 
  • einem frei beweglichen Polyethylen-Gleitkern.

Die Anpassung der Stabilität im künstlichen Gelenk erfolgt über die Höhe des Polyethylen- Gleitkernes.

Eine entscheidende Verbesserung erbrachte bei den modernen Sprunggelenks-Endoprothesen die zementfreie Verankerung der beiden Komponenten an Sprungbein (Talus) und Schienbein (Tibia). Eine Spezialbeschichtung (z.B. mit Titan/Calcium-Phosphat) ermöglichst das feste Verwachsen des Knochens mit den Implantaten.

Fragen zum Krankheitsbild

Bei welchen Patienten ist die Implantation einer Prothese möglich? 

  • Um die für eine Prothese geeigneten Patienten herauszufinden, wird vor jeder Operation eine gründliche körperliche Untersuchung des Patienten erfolgen, die das Röntgen des erkrankten Gelenkes beinhaltet. Eine Kernspintomografie (NMR) kann in bestimmten Fällen eine notwendige Zusatzuntersuchung sein. Bei Durchblutungsstörungen im Bereich des Talus, Infektionen und schweren Weichteilproblemen im Bereich des Sprunggelenkes ist kein Sprunggelenksersatz möglich. Grobe Fehlstellungen im oberen Sprunggelenk können die Operation erheblich erschweren. Die Implantation eines künstlichen Sprunggelenkes ist eine technisch anspruchsvolle und schwierige Operation. Sie sollte deshalb von geübten, mit dieser Problematik vertrauten Operateuren durchgeführt werden. In Deutschland werden derzeit ca. 1.000 Sprunggelenksendoprothesen pro Jahr implantiert.
letzte Aktualisierung: 25.01.2010
Autor - Dr. med. Ruprecht Freiherr von Welser 
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