Tarsaltunnelsyndrom-Operation
Beim Tarsaltunnelsyndrom handelt es sich um ein seltenes Nervenengpasssyndrom am Fuß, das Gefühlsstörungen, Schmerzen und Missempfindungen in der Fußsohle sowie motorische Beeinträchtigungen beim Beugen und Spreizen der Zehen verursacht. Ein Tarsaltunnelsyndrom wird in der Regel durch Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen diagnostiziert. Die Behandlung des Tarsaltunnelsyndroms erfolgt im Rahmen einer Operation, bei der der gesamte Tarsaltunnel geöffnet wird.
Nervenengpasssyndrome: Carpaltunnelsyndrom (Hand) und Tarsaltunnelsyndrom (Fuß)
Die Nerven der Extremitäten verlaufen an bestimmten Lokalisationen durch Engpässe oder sogar kanalartige Tunnel. Fast jedem ist das
Carpaltunnelsyndrom bekannt, welches durch starke Schmerzentwicklungen besonders nachts in Unterarm, Handgelenk und den daumenseitigen dreieinhalb Fingern lokalisiert ist. Die Öffnung eines am Handgelenk quer verlaufenden, sehr derben Bandes bringt sofort Erleichterung und Platz für den darunter befindlichen Nerven. Das Tarsaltunnelsyndrom am Fuß ist viel seltener und bestimmt nicht allen Ärzten bekannt, so dass die betroffenen Patienten oft lange Vorgeschichten aufweisen.
Nerven an der Hand
An der Hand zieht der Nervus medianus (Mittelarmnerv) durch den Carpaltunnel; er versorgt den Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger, sowie daumenseitig auch den Ringfinger mit Gefühlsempfindung. Ein zweiter Nerv, Nervus ulnaris (Ellennerv), verläuft durch ein weiteres eigenständiges Kanalsystem am Handgelenk hindurch und versorgt sensibel den Kleinfinger und die Kleinfingerseite des Ringfingers. Die Versorgungsgrenze befindet sich also auf der Mitte des Ringfingers. Weiterhin versorgen beide Nerven sämtliche Muskeln des Handinneren, mit denen wir beispielsweise die Finger spreizen, zusammenführen oder auch mit dem Daumen gegen die Langfingerspitzen greifen.
Tarsaltunnelsyndrom: Engpass der Nerven am Fuß
Am Fuß ist die anatomische Situation etwas anders als an der Hand: Zunächst zieht ein Nerv, der Nervus tibialis (Schienbeinnerv), von der Unterschenkelrückseite in die Richtung hinter dem Innenknöchel; dort teilt er sich in zwei Endäste, den Ramus plantaris medialis und Ramus plantaris lateralis. Der Begriff „plantaris“ steht für die Fußsohle. Das motorische und sensible Versorgungsspektrum des Ramus plantaris medialis entspricht aber nun exakt dem Versorgungsumfang des Nervus medianus (Mittelarmnerv) an der Hand, und das Versorgungsspektrum des Ramus plantaris lateralis entspricht dem Versorgungsumfang des Nervus ulnaris (Ellennerv) an der Hand. So enthält der Nervus tibialis zunächst alle für
Haut und Muskeln verantwortliche Nervenfasern der Fußsohle gemeinsam.
Was versteht man unter dem Tarsaltunnel?
Der Tarsaltunnel ist ein „Kanalsystem“ hinter dem Innenknöchel, wobei seine Begrenzung nach außen hin von derben Bandsystemen gebildet wird, die vom Innenknöchel zur Ferse herunterziehen. Durch den Tarsaltunnel hindurch, vergleichbar mit den beiden Tunnelsystemen am Handgelenk, verlaufen auch wichtige Sehnen. Weiterhin liegt eine der zwei Fußarterien, Arteria tibialis posterior, für die arterielle Blutversorgung der Fußsohlenregion und selbstverständlich eine begleitende Vene für den Rückfluss des Blutes im Tarsaltunnel. An der Hand begleitet das wichtige Gefäßsystem nur den Nervus ulnaris, nicht den Nervus medianus.
Ursachen für das Tarsaltunnelsyndrom
Beeinträchtigungen des Nervus tibialis (Schienbeinnerv) beim Tarsaltunnelsyndrom können mehrere Ursachen haben, beispielsweise Vernarbungen in der Folge von Blutergüssen nach Verletzungen oder Prellungen in der Region des Fußgelenkes, chronische Sehnenscheidenentzündungen mit Sehnenscheidenschwellungen der gleichzeitig durch den Tarsaltunnel ziehenden Sehnensysteme, ungewöhnliche Belastungen im Rahmen langer Wanderungen besonders bei vermehrtem Körpergewicht. Oft scheitern aber auch Erklärungsversuche für die Ursache des Tarsaltunnelsyndroms.
Symptome beim Tarsaltunnelsyndrom
Ähnlich den Symptomen im Carpaltunnel entstehen beim Tarsaltunnelsyndrom Schmerzen - nicht unbedingt abhängig von gerade erfolgten Belastungen - in der Fußsohle einbeziehend die sohlenseitige
Haut der Zehen. Gleichzeitig wird beim Tarsaltunnelsyndrom ein „Pelzigkeitsgefühl“ in der Fußsohlenhaut, zuletzt auch eine Schwäche beim Beugen und Spreizen der Zehen wahrgenommen. Es entsteht somit beim Tarsaltunnelsyndrom eine Gefühlsstörung und eine motorische Beeinträchtigung entsprechend eines aus sensiblen und motorischen Nervenfasern gemischten Nervs im Tarsaltunnel.
Aber wegen der gegenüber Hand und Fingern wesentlich weniger entwickelten Beweglichkeit der Zehen werden die beim Tarsaltunnelsyndrom entstehenden motorischen Beeinträchtigungen am Fuß erst viel später bemerkt als an der Hand. Schmerzen in der Fußsohle, elektrisierende Missempfindungen und ein Pelzigkeitsgefühl in der Fußsohle hingegen, also Störungen der Sensibilität, werden früher bemerkt.
letzte Aktualisierung: 14.05.2012
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