Hirntumor-Operation
Der häufigste, bösartige Hirntumor bei Erwachsenen ist das Glioblastom. Durchschnittlich erkranken pro Jahr 5 von 100.000 Menschen in Deutschland an einem solchen Hirntumor. Zwei Drittel der Patienten sind im Alter zwischen 50 und 70 Jahren, wobei Männer häufiger von diesem Hirntumor betroffen sind als Frauen. Ziel der Hirntumor-Operation ist es, soviel Tumorgewebe des Glioblastoms wie möglich zu entfernen, um die Wahrscheinlichkeit eines späteren Krankheitsrückfalls zu verringern.
Unterscheidung der verschiedenen Hirntumore
Hirntumore sogenannten neuroepithelialen Ursprungs bilden die größte Gruppe hirneigener (primärer) Neubildungen. In dieser Gruppe der Hirntumore werden Gliome, neuronale und neuronalgliale Hirntumore, Hirntumore des sogenannten Pinealisparenchyms sowie embryonale Geschwülste des Zentralnervensystems zusammengefasst. Die große Untergruppe der Gliome schließt als häufigste Vertreter die Astrozytome ein, ferner die Oligodendrogliome, Mischgliome (Oligoastrozytome), Ependymome sowie Tumore des Plexus choroideus. Diese Hirntumore unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich ihrer Entstehung von nicht-hirneigenen Neubildungen. Häufige Vertreter der hirneigenen Neubildungen sind die von den Hirnhäuten ausgehenden Tumore (Meningeome) und intrazerebrale
Metastasen (sekundäre Hirntumore), auf die hier jedoch nicht näher eingegangen werden soll.
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Die in der allgemeinen
Onkologie übliche Klassifikation nach dem TNM-System (T: [Primär-]Tumor; N: Noduli lymphatici [Lymphknoten], M: [Fern-]
Metastasen) ist unter anderem wegen der nur extrem selten auftretenden extrazerebralen Metastasierung primärer Hirntumore auf diese nicht sinnvoll anwendbar. Als gängiges Klassifikationsschema für Hirntumore wurde die im Jahre 1979 vorgestellte und in den Jahren 1993, 2000 und 2007 überarbeitete vierstufige Gradierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) etabliert. Im Rahmen der WHO-Klassifikation entspricht der Grad I einem differenzierten Hirntumor mit langsamer Wachstumstendenz und günstiger
Prognose, während einem malignen (bösartigen), undifferenzierten Hirntumor mit hohem Proliferationspotential (Gewebevermehrung) der Grad IV zugeordnet wird.
Häufigkeit des Hirntumors Glioblastom
Das
Glioblastom (WHO-Grad IV) ist mit einem Anteil von über 50 Prozent der häufigste hirneigene Tumor des Erwachsenenalters (durchschnittlich 5 Neuerkrankungen auf 100000 Einwohner pro Jahr). Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 53 Jahren, wobei zwei Drittel der Patienten zwischen 50 und 70 Jahren alt sind. Gelegentlich tritt der Hirntumor
Glioblastom auch im Kindesalter auf. Patienten männlichen Geschlechts sind statistisch signifikant häufiger betroffen.
Vorkommen des Hirntumors Glioblastom
In den radiologischen, schnittbildgebenden Verfahren kommt häufig eine ringförmig kontrastmittelanreichernde Läsion mit einem der Tumornekrose entsprechenden Zentrum sowie einem ausgeprägten, mitunter fingerförmigen, perifokalen Marklagerödem (Flüssigkeitsansammlung im Gehirn) zur Darstellung. Glioblastome befinden sich häufig in den Großhirnhemisphären. Zu einem geringeren Anteil findet man sie jedoch auch in den tiefen Mittellinienstrukturen mit Bevorzugung der die Hirnhälften verbindenden Faserbahnsysteme, über die sich die Hirntumore als charakteristische sogenannte Schmetterlingsglioblastome in beide Hemisphären ausdehnen können.
Krankheitsrückfall des Hirntumors Glioblastom
Ein Krankheitsrückfall tritt bei Glioblastomen auch nach "makroskopisch" (d. h. nach operationsmikroskopischen, nicht jedoch mikroskopisch-histopathologischen Kriterien) vollständiger operativer Entfernung und anschließender
Therapie nahezu immer auf. Häufig geht ein solcher Rückfall mit einer fortschreitenden Infiltration normalen Hirngewebes einher, wodurch wiederholte operative Entfernungen des Hirntumors erschwert oder unmöglich werden. Die etablierten anschließenden Therapieformen sind in ihrer Wirksamkeit durch die Existenz primär resistenter Zellklone, die eingeschränkte Radiotoleranz gesunden Hirngewebes sowie die begrenzte medikamentöse Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke limitiert.
Heilungschancen beim Hirntumor Glioblastom
Als Kriterien für schlechte Heilungschancen eines Glioblastoms wurden höheres Patientenalter, schlechterer präoperativer neurologischer Status sowie eine zentrale Tumorlokalisation identifiziert. Im Hinblick auf die therapeutischen Verfahren gilt beim Hirntumor
Glioblastom als weitgehend akzeptiert, dass das Ausmaß der
Tumorresektion (operativen Entfernung des Hirntumors) und die Durchführung der anschließenden Radiatio, gegebenenfalls in Kombination mit
Chemotherapie, mit dem postoperativen Verlauf positiv korrelieren.
Unterscheidung von primären und sekundären Glioblastomen
Primäre oder de novo Glioblastome, denen keine nachweisbare Präkursor-Läsion (potentielles Vorstadium eines Tumors) zugrunde liegt, überwiegen zahlenmäßig gegenüber sekundären Glioblastomen, die durch Progression aus niedriggradigeren Astrozytomen entstehen. Das durchschnittliche Erkrankungsalter ist für beide
Glioblastom-Typen signifikant verschieden und liegt bei 55 Jahren für das primäre und bei 39 Jahren für das sekundäre
Glioblastom.
Wie soeben erwähnt, bezieht sich der Begriff des primären Glioblastoms auf die fehlende morphologische Präkursor-Läsion, impliziert jedoch nicht, dass das primäre
Glioblastom Resultat einer einschrittigen malignen
Transformation sei. Die beiden Typen des Hirntumors
Glioblastom lassen sich mittels derzeit in der klinischen Routine angewandter neuropathologischer
Methoden nicht differenzieren, unterscheiden sich jedoch in den molekularen Pfaden ihrer Entstehung, d.h. der sequentiellen Akquisition genetischer Veränderungen, die die Amplifikation (Vervielfältigung) und Aktivierung zellulärer (Proto-)Onkogene sowie den Funktionsverlust von Tumorsuppressorgenen umfassen. Für die Entstehung hirneigener Tumore sind jedoch keine wissenschaftlich gesicherten
Risikofaktoren bekannt, die für Präventionsmaßnahmen im individuellen Lebensbereich Relevanz besitzen.
Aufgrund der fehlenden neuropathologischen Unterscheidbarkeit beider Typen des Hirntumors
Glioblastom bei ausschließlicher Zugrundelegung der entsprechenden diagnostischen Kriterien der WHO (ausgeprägte zelluläre und nukleäre Polymorphie, hohe Zelldichte, gesteigerte Mitoserate, Endothelproliferation, Tumorgewebsnekrose) ist die Bestimmung ihres quantitativen Verhältnisses schwierig. Im Wesentlichen unbestritten ist jedoch, dass das primäre
Glioblastom zahlenmäßig weit überwiegt und schätzungsweise mehr als 80 Prozent aller Glioblastome ausmacht.
letzte Aktualisierung: 15.05.2012
Artikelinformationen zu Hirntumor-Operation
Autor
Prof. Dr. med. Marc-Eric Halatsch, Zertifikat "Spezielle Neurochirurgische Onkologie" der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie, Universitätsklinik Ulm
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