von Gitta Jacob und Prof. Dr. med. Klaus Lieb
Was sind Neuroleptika und wie wirken sie?
Neuroleptika wirken dämpfend auf Erregungszustände, aggressives Verhalten sowie psychotisches Erleben wie Sinnestäuschungen, Wahndenken und Ich-Störungen. Sie werden daher auch als Antipsychotika bezeichnet. Starke Neuroleptika werden v.a. in der Behandlung von Schizophrenien und anderen psychotischen Störungen eingesetzt, wo sie in 75% der Fälle zu einer guten Besserung der Psychose führen. Die schwachen, müdemachenden Neuroleptika werden auch bei Unruhe, Erregungszuständen und Schlafstörungen eingesetzt. Der Wirkmechanismus der Neuroleptika ist nicht genau verstanden. Sie blockieren Bindungsstellen (Rezeptoren) von Hirnbotenstoffen wie Dopamin, was eine ganze Reihe von Folgereaktionen mit sich bringt, die dann zu der antipsychotischen Wirkung führen. Neuroleptika machen nicht abhängig!
Welche Neuroleptika gibt es?
Man unterscheidet starke und schwache Neuroleptika und unterteilt die Gruppe der starken Neuroleptika weiter in klassische und atypische Neuroleptika.
Starke Neuroleptika
Die klassischen Neuroleptika sind schon seit Jahrzehnten auf dem Markt und sicher in der Anwendung. Sie haben eine gute antipsychotische Wirksamkeit und können meist sowohl als Tabletten als auch über den Muskel verabreicht werden. Sie entfalten jedoch häufig motorische Nebenwirkungen. Die wichtigsten Medikamente sind in Tab. 13-3 aufgeführt. Zu den atypischen Neuroleptika gehören Solian®, Abilify®, Leponex®, Zyprexa ®, Seroquel®, Risperdal® und Zeldox®. Da sie kaum oder keine motorischen Nebenwirkungen entfalten werden sie als „atypisch“ bezeichnet. Da sind meist besser verträglich sind als die klassischen Neuroleptika werden sie heute zunehmend auch zur Erstbehandlung akuter Schizophrenien eingesetzt. Tabelle 13-3gibt einen Überblick über die optimalen Tagesdosis-Bereiche einiger klassischer und aller atypischer Neuroleptika.
Tab. 13-XX Optimale Tagesdosisbereiche klassischer und atypischer Neuroleptika
Zwischen den einzelnen Substanzen gibt es im Wesentlichen keine Wirksamkeitsunterschiede, weshalb die Wahl des Medikaments nach Kriterien wie Wirksamkeit bei früherer Behandlung oder Nebenwirkungsprofil erfolgt. Lediglich für das atypische Neuroleptikum Clozapin (Leponex®) konnte eine überlegene Wirksamkeit bei Schizophrenien nachgewiesen werden, die nicht auf andere Neuroleptika ansprechen. Neuroleptika sollten für mindestens 4 -6 Wochen in ausreichender Dosis verabreicht werden, bevor eine Umstellung auf ein anderes Präparat wegen Nichtanspechens erwogen wird.
Schwache Neuroleptika
Die schwachen Neuroleptika werden zur Behandlung von Unruhezuständen und Schlafstörungen bei verschiedensten Erkrankungen eingesetzt. Zur Behandlung der Schizophrenien werden sie häufig mit starken Neuroleptika kombiniert. Beispielsubstanzen sind Eunerpan®, Dipiperon® und Atosil®.
Abb. 13-4 Verschiedene Beispielpräparate von Neuroleptika
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Die wichtigsten Nebenwirkungen der klassischen Neuroleptika sind die motorischen Nebenwirkungen. Dazu gehören sehr schnell einsetzende sogenanntw Frühdyskinesien (Zungen-, Mund- und Blickkrämpfe, ca. 20%), die Bewegungsunruhe (Nicht-stillsitzen- Können oder Akathisie, ca. 30%), das Parkinsonoid (Muskelsteifigkeit und Zittern der Hände, ca. 20%) sowie bei chronischer Gabe nach Monaten bis Jahren als Spätfolge einsetzende Spätdyskinesien (z.B. Rollen der Zunge, Grimassieren etc., ca. 20%).
Aber auch die atypischen Neuroleptika entfalten Nebenwirkungen, auch wenn die motorischen Nebenwirkungen viel geringer sind oder gar nicht auftreten. Zu den wichtigsten Nebenwirkungen gehören Müdigkeit (z.B. Zyprexa®, Seroquel®), Gewichtszunahme (v.a. Zyprexa® und Leponex®), Störungen der Überleitung am Herzen (z.B. Zeldox®), Milchfluss und sexuelle Funktionsstörungen (z.B. Solian®) und nicht selten Blutbildveränderungen (v.a. Leponex®). Daher sind regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen erforderlich. Bei Leponex® muss in den ersten 18 Wochen ein Blutbild angefertigt werden, da es in seltenen Fällen zu starken Absenkungen der weißen Blutkörperchen führen kann.
Die schwachen Neuroleptika zeichnen sich insgesamt durch eine sehr gute Verträglichkeit aus.
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