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Nerventumor-Operation - Methoden

Operation am Nerventumor mithilfe des Operationsmikroskops


Die operative Behandlung eines Nerventumors stellt eine dem Patienten völlig unbekannte Herausforderung an die Sorgfaltsfähigkeit des Operateurs dar. Das Ziel der Operation muss sein, so viele der in Gruppen angeordneten und mit Funktion behafteten Nervenfasern vollständig zu erhalten, also das Opfer durch die Entfernung des Nerventumors so klein wie möglich zu halten.

Das kann definitiv nur unter Benutzung des Operationsmikroskops geleistet werden. Mikroinstrumente und mikroskopische Vergrößerung des Operationsfeldes gehören bei solchen Eingriffen zum Standard. Gelangt ein Operateur unverhofft an einen solchen Nerventumor mit Bezug zu einem Hauptnerven und verfügt nicht über diesen instrumentellen Standard, handelt er richtig, wenn er die Operation abbricht und dem angemessenen mikrochirurgischen Standard zuführt.



Jeder periphere Nerv ist von einer äußeren Bindegewebshülle (Epineurium) umgeben. Im Inneren sind die Nervenfasern aber noch einmal von dünneren bindegewebigen Hüllstrukturen (Perineurium) zu einzelnen kleineren Gruppen zusammengefügt. Zwischen den von dünneren Hüllen umgebenen Fasergruppen befindet sich lockeres Bindegewebe mit kleinen Gefäßchen. Mit Mikroinstrumenten und Operationsmikroskop kann man zwischen diese Nervenfaser-Untergruppierungen eindringen, ohne die Kontinuität der Nervenfasern selbst wirklich zu zerstören. Bei der Operation jedes Nerventumors muss man sich dieser Möglichkeit bewusst sein, um die auf dem gesamten Nerventumor regelhaft fächerförmig ausgebreiteten untergruppierten Nervenfasern aufzufinden, mikrochirurgisch vorsichtig vom Nerventumor abzulösen und somit anatomisch und funktionell zu erhalten.

Nerventumor


Entfernung der verschiedenen Arten von Nerventumoren


Bei einem Schwannom (Neurinom) wird nur eine kleine Gruppe von Nervenfasern, von deren Schwann’schen Zellen das Schwannom wirklich ausging, nach mikrochirurgischer Identifizierung oberhalb und unterhalb des Nerventumors komplett durchtrennt. So kann man die Totalentfernung des Nerventumors sichern. Bei einem Neurofibrom (geringfügige histologische Unterscheidung zu Neurinom) ist die zu opfernde Nervenfasergruppe etwas größer.


Nerventumor
Nerventumor

Bei einer Neurofibromatose (genetisch bedingte Neigung zu sehr vielen Neurofibromen im Körper, Morbus Recklinghausen) ist die Sache vollständig anders: Auf Grund der Multiplizität vieler Neurofibrome, die alle von anderen Nervenfasergruppen ausgehen, kann die Entscheidung getroffen werden, die Neurofibrome zu belassen, um nicht den totalen Funktionsausfall des betroffenen Hauptnerven zu erzeugen. Die Entscheidungsprozesse sind hier sehr kompliziert und müssen individuellen Gesprächen zwischen Patient und Arzt vorbehalten bleiben.

Bei einem Nerventumor, der aus mit gallertiger Flüssigkeit gefüllten Zysten („Ganglien“, „Pseudoganglien“) besteht, muss ebenso unter mikrochirurgischem Standard vorgegangen werden, insbesondere wenn die Zysten im Nerveninneren, also intraneural liegen. Auch hierbei bedarf es der unter Mikroskopvergrößerung durchzuführenden Identifizierung der im Nerveninneren gelegenen untergruppierten Fasern, sodann der vorsichtigen und schonenden Trennung der Fasergruppen voneinander und zuletzt der Präparation in Richtung auf die Zysten. Der dickflüssige Inhalt der Zysten wird entleert. Die Außenmembranen dieser Zysten dürfen hingegen nicht vollständig entfernt werden, weil Zystenwände und Nervenfaserhüllgewebe so innig miteinander in Verbindung stehen, dass man bei der vollständigen Entfernung der Zystenwände die Nervenfasern ebenfalls entfernen würde.

Hier muss also dem Operateur des Nerventumors ein spezifisches, auf die Situation abgestimmtes mikrochirurgisches operatives Vorgehen bekannt sein und anschließend auch angewandt werden. Zysten, die nur dem Nerv äußerlich anliegen, sind selbstverständlich leichter entfernbar. Zum Aufklärungsgespräch vor der Operation gehört leider der Hinweis, dass besonders dann, wenn auf irgendwelchen Umwegen eine Verbindung zu einem benachbarten Gelenkinneren besteht und der Verbindungsgang nicht identifiziert und unterbunden werden kann, Gefahr der Neuausbildung einer solchen Zyste besteht. Es sei noch einmal betont, dass wir die Herkunft solcher merkwürdigen Zysten nicht kennen und uns deshalb Informationen fehlen, das zuletzt Gesagte über die anzupassende operative Verhaltensweise ausreichend einsehbar zu begründen.
letzte Aktualisierung: 19.05.2013

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