
Die Beschwerden bei allergischen Reaktionen reichen von einer Bindehautentzündung über Ekzem bis hin zu Asthma oder anaphylaktischen Schock. Allergologen unterscheiden verschiedene Allergie-Formen: Typ I, II, III und IV-Reaktionen. Dieser Einteilung liegen unterschiedliche Vorgänge des Immunsystems zugrunde. Für den Alltag kommen vor allem der Typ-I- und der Typ-IV-Reaktion Bedeutung zu.
Typ-I-Reaktionen (Soforttyp-Reaktionen) werden durch IgE-Antikörper vermittelt und können sich innerhalb weniger Minuten oder Stunden nach Allergenkontakt bemerkbar machen.
Typ-IV-Reaktionen (Spättyp-Reaktionen) werden durch T-Lymphozyten übermittelt und erfolgen ca. 24-48 Stunden nach Allergenkontakt. Typisches Symptom bei diesem Allergie-Typ ist das allergische Kontaktekzem.
Das erste Symptom, das sich schon ein bis zwei Minuten nach dem Einatmen der Pollen entwickelt, ist Niesreiz. Kurz darauf beginnt die Nase zu laufen. Typisch ist ein wässriger Schnupfen. Die Nasenschleimhaut juckt und schwillt an, schon bald ist die Nase "verstopft", die Nasenatmung behindert. Häufig wird dadurch das Geschmacksempfinden beeinträchtigt, denn das, was wir als Geschmack einer Speise empfinden, wird zum größten Teil durch die Riechzellen in der Nase vermittelt.
Bei einer Bindehautentzündung ist die Augenbindehaut auf der Innenseite der Augenlider und dem angrenzenden Augapfel entzündet. Die allergische Bindehautentzündung tritt oft zusammen mit Heuschnupfen auf, kann gelegentlich aber auch alleine vorkommen und das einzige Merkmal einer Pollenallergie darstellen. Typisch ist ein Fremdkörpergefühl im Auge, jedoch lassen sich Fremdkörper wie Staub oder Wimpern nicht entdecken. Die Augen tränen, die Bindehäute sind gerötet, jucken und brennen. Manchmal sind die Augen morgens stark verkrustet. Vom vielen Reiben werden schließlich auch die Augenlider rot und schwellen an. In der Allergiesaison sind die Betroffenen oft besonders lichtscheu, Kontaktlinsen werden während der Pollenflugzeit meist schlechter vertragen.
Die asthmatischen Beschwerden werden oft durch eingeatmete Pollen ausgelöst. Zigarettenrauch, Stress, körperliche und psychische Anspannung und Infekte können jedoch noch zu einer Verstärkung der Beschwerden führen. Typisch für das allergische Asthma ist eine plötzlich einsetzende Atemnot mit Hustenattacken und pfeifenden Atemgeräuschen. Oft wird ein zäher Schleim ausgehustet. Da das Atmen schwer fällt, werden die so genannten "Atemhilfsmuskeln" vermehrt eingesetzt. Die Betroffenen stützen sich häufig mit den Armen auf dem Tisch ab, wodurch die Atmung etwas erleichtert wird.
Bei der so genannten Nesselsucht (Urtikaria) handelt es sich um einen entzündlichen Hautausschlag mit Quaddeln, der meist mit starkem Juckreiz einhergeht. Es kann sich dabei um eine allergische oder nichtallergische Reaktion der Haut handeln. Im Zusammenhang mit Nahrungsmittel- oder Medikamentenallergien treten häufig Urtikarien auf. Außerdem ist eine Urtikaria oft Vorbote eines anaphylaktischen Schocks.
Nasenpolypen und Nasennebenhöhlenentzündung können bei einem länger bestehenden Heuschnupfen hinzu kommen. Wahrscheinlich besteht auch ein Zusammenhang zwischen Heuschnupfen und häufigen Ohrenentzündungen. Durch die ständig verstopfte Nase neigen Allergiker vermehrt zur Atmung durch den Mund, was zu einem Austrocknen der Schleimhäute führt.
Den wenigsten ist bekannt, dass eine Allergie auch den Rachen in Mitleidenschaft ziehen kann. Bei einigen Personen kommt es durch das Einatmen der Pflanzenpollen zu einem rauhen, kratzigen Gefühl im Rachen, das mit Halsschmerzen verwechselt werden kann. Im Gegensatz zu einer Halsentzündung im Rahmen von Infekten kommt bei der "Pollenpharyngitis" aber oft Juckreiz hinzu. Ähnliche Beschwerden treten beim so genannten "oralen Allergiesyndrom" auf: Beißt zum Beispiel ein Birkenpollenallergiker in einen frischen Apfel, kommt es häufig zu Juckreiz und Kribbeln im Rachen. Gelegentlich schwillt auch die Schleimhaut an, in manchen Fällen kann Atemnot hinzukommen. Ausgelöst werden die Beschwerden durch Bestandteilen in Äpfeln, die in ähnlicher Weise auch in Birkenpollen enthalten sind. Man spricht hier von Kreuzallergien.
Die allergischen Reaktionen im Körper und die damit verbundene Entzündungsreaktion ruft bei etwa 10 bis 20% der Betroffenen Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Abgeschlagenheit hervor. Sehr selten, wahrscheinlich in weniger als 5% der Fälle, kann die Entzündungsreaktion auch zu Fieber führen.
Bei Nahrungsmittelallergien werden häufig neben Juckreiz und Brennen im Mund- und Rachenbereich Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall beobachtet.
Nicht immer fällt auf den ersten Blick die Unterscheidung Kontaktekzem und Neurodermitis (auch "endogenes Ekzem" genannt) leicht. Es gibt außerdem allergische und nicht-allergische Kontaktekzeme. Eine Neurodermitis besteht allerdings meist schon seit der Kindheit, ein Kontaktekzem dagegen entwickelt sich erst in der Jugend oder im Erwachsenenalter. Das allergische Kontaktekzem ist nicht auf bestimmte Körperstellen wie die Gelenkbeugen beschränkt, sondern kann überall dort auftreten, wo die Haut mit dem Allergen in Berührung gekommen ist. Die Körperstellen, die mit dem Allergen in Kontakt kommen, röten sich nach einigen Stunden. Nach und nach entwickeln sich Bläschen, die Stellen beginnen zu schuppen und zu jucken. Typischerweise sind die Kontaktekzeme scharf begrenzt und betreffen nur die Stellen, mit denen die auslösende Substanz Kontakt hatte. Bei einer Nickelallergie befindet sich das Ekzem z. B. unter Uhren (nickelhaltiges Metall) und an der Stelle, an der der Jeansknopf auf der Haut auflag. Der Juckreiz ist meist auf die Ekzemstelle beschränkt und klingt, wenn der Auslöser gemieden wird, nach wenigen Tagen ab.
Wenn die Kontaktallergene lange und intensiv auf die Haut einwirken, kann es zu so genannten "Streureaktionen" kommen. Dann sind die Hautveränderungen nicht mehr allein auf die Kontaktstellen beschränkt, sondern weiten sich aus und können manchmal die gesamte Haut betreffen.
Woran liegt es, dass viele Birkenpollenallergiker auch Äpfel und Haselnüsse nicht vertragen? Oder dass Menschen, die auf Beifuss überempfindlich reagieren, meist auch mit anderen Kräutern und Gewürzen Probleme haben? In diesen Fällen liegen nicht zwangsläufig mehrere Allergien vor, meist handelt es sich um eine Überempfindlichkeit auf bestimmte Strukturen, die sowohl in den Pollen als auch in verschiedenen Lebensmitteln vorkommen.
| Allergene | Nahrungsmittel, die häufig nicht vertragen werden |
|---|---|
| Frühblüherpollen(Birke, Hasel, Erle) | Äpfel, Haselnüsse, Mandeln, Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche, Birnen. (Vor allem roh werden diese Nüsse und Früchte nicht vertragen, gekocht können sie meist verzehrt werden.) |
| Beifusspollen | Karotte, Chili, Paprika, Sellerie, grüner und schwarzer Pfeffer, Kümmel, Curry, Anis, Kamille, Ingwer, Zimt, Muskat |
| Kamillepollen, Chrysanthemen, Löwenzahnpollen | Estragon, Sonnenblumenkerne |
| Gräser- und Getreidepollen | Tomate, Pfefferminz, Sojabohnen, Erdnüsse, Mehlsorten |
| Latex | Avocado, Banane, Kiwi, Kastanien |
| Alle Pollen | Honig. Hier liegt allerdings keine echte Kreuzallergie vor. Die Pollenkörner im Honig sind für die allergischen Beschwerden verantwortlich. |
Um zu wissen, wovor Sie sich schützen sollten, müssen Sie zunächst einmal wissen, wogegen Sie allergisch sind. Doch das ist nicht immer so einfach. Auch wenn die Allergiebeschwerden meist sehr typisch sind, entwickelt sich die Fahndung nach dem Auslöser oft zur Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Oft müssen Arzt und Patient einen kriminologischen Spürsinn entwickeln, um den Auslöser zu finden. Denn nur, wenn der Arzt die richtigen Allergie-Testungen durchführt, kann der Auslöser der Allergie gefunden werden. Der Patient kann dem Arzt bei der Eingrenzung der Allergieauslöser helfen, indem er schon vorab beobachtet, wann die Beschwerden am stärksten sind.
Am Anfang jeder Diagnose steht eine umfassende allergologische Anamnese in der Sprechstunde. Dabei sollte der Betroffene möglichst genau seine Beschwerden beschreiben. Auch Hinweise, wo und wann die Symptome am stärksten sind, dienen zur Aufklärung der Ursache der Allergie. Neben diesen Angaben fragt der Arzt auch, ob in der Kindheit bereits Anzeichen für eine Allergieneigung bestanden haben, z. B. in Form von Milchschorf oder Neurodermitis. Des weiteren wird abgeklärt, ob es in der engeren Familie Personen mit Allergien gibt. Wichtig ist ebenfalls das unmittelbare private und berufliche Milieu, das heißt Einzelheiten über Besonderheiten in der Wohnung (z. B. Schimmelpilzbefall) oder am Arbeitsplatz werden abgefragt.
Von fast 20.000 Stoffen unserer Umwelt ist bekannt, dass sie eine Allergie verursachen können. Wegen dieser Vielzahl an möglichen Ursachen einer Allergie gestaltet es sich häufig sehr schwierig, dem Auslöser auf die Spur zu kommen. Ein Beschwerdekalender vermag bei der Eingrenzung des Auslösers Licht ins Dunkel zu bringen. Geeignet ist das Allergietagebuch sowohl bei Verdacht auf eine Typ-I- als auch Typ-IV-Reaktion. Täglich werden darin die Allergiesymptome mit Schulnoten bewertet (1 für Beschwerdefreiheit, 6 für sehr starke Beschwerden) und gleichzeitig die verzehrten Nahrungsmittel, die verwendeten Arbeitsstoffe oder der aktuelle Pollenflug notiert.
In vielen Fällen ist nicht klar, welche Auslöser für bestimmte allergische Beschwerden verantwortlich sind. Ein Allergietest kann dann einen Verdacht bestätigen oder manchmal auch einen anderen Auslöser aufdecken. Dabei sind bei Typ-I- und Typ-IV-Allergien verschiedene Tests sinnvoll. Wichtig: Eine Woche vor Haut-Testung müssen einige Allergiemedikamente (Antihistaminika, Kortisonpräparate) abgesetzt werden. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt die notwendigen Vorbereitungen für die Allergietestungen.
Am häufigsten wird der Pricktest durchgeführt. Damit lassen sich die Ursachen von Heuschnupfen, Asthma, Bindehautentzündung, Nahrungsmittelallergien u.a. abklären. Hierzu werden verschiedene allergenhaltige Lösungen meist auf die Innenseite des Unterarms oder auf den Rücken getropft. Mit einer kleinen Spezialnadel (Lanzette) wird die Hautoberfläche minimal eingeritzt, um den Kontakt zwischen Allergieauslöser und dem Organismus zu verbessern. Nach 20 Minuten wird der Test abgelesen. Haben sich Quaddeln gebildet, spricht das für eine Allergie. Je größer die Quaddel ist, desto deutlicher ist der Hinweis auf eine Allergie.
Beim Scratchtest wird die Haut mit einer Lanzette oberflächlich etwa fünf Millimeter lang eingeritzt. Dann wird die allergenhaltige Lösung darauf getropft und nach fünf Minuten wieder abgewischt. Durch dieses Vorgehen dringen mehr Allergene in die Haut ein als beim Pricktest. Dieser Test wird vor allem zur Abklärung von Nahrungsmittelallergien eingesetzt.
Hierbei wird die verdünnte Allergenlösung mit einer feinen Nadel in die Haut gespritzt. Da noch mehr Allergene als beim Prick- oder Kratz-Test in die Haut gebracht werden, sollte der Test nur verwendet werden, wenn die beiden anderen Tests kein Ergebnis gebracht haben. Eingesetzt wird der Intrakutantest vor allem zur Abklärung von Insektengiftallergien, bei Medikamentenallergien (z. B. Penicillin) oder bei einem unklaren Befund im Pricktest.
Bei einer sehr starken Allergie kann bereits das bloße Reiben der Haut mit dem Allergieauslöser (Nahrungsmittel, Tierhaare) eine Quaddelbildung hervorrufen.
Mit diesem Test können Antikörper gegen bestimmte Allergene im Blut nachgewiesen werden. Der Test kann auch durchgeführt werden, wenn aufgrund starker Allergiebeschwerden die Allergiemedikamente nicht abgesetzt werden können oder wenn ausgedehnte Ekzeme eine Hauttestung unmöglich machen. Beim Rast-Test handelt es sich um eine relativ teure Untersuchung, die nur gezielt eingesetzt werden sollte.
Neuerdings gibt es auch einen Schnelltest für ein Allergie-Screening. Dazu wird dem Patienten etwas Blut abgenommen, das dann auf eine spezielle Membran getropft wird. Auf dieser Membran befinden sich verschiedene Allergene wie etwa Hausstaubmilben, Birkenpollen oder Hühnerei. Hat der Patient die entsprechenden Abwehrzellen, die mit diesen Allergenen reagieren, im Blut, findet auf der Membran eine Reaktion statt und ein Kreuz wird sichtbar.
Der Test dauert 30 Minuten und kann in jeder Hausarztpraxis durchgeführt werden. Er ersetzt dabei nicht die herkömmlichen Haut- oder Labortests. Als ein Screening kann er jedoch erste Hinweise auf eine Allergie liefern.
Der Epikutan- oder Pflastertest wird bei Verdacht auf eine Kontaktallergie durchgeführt. Dabei werden die in Frage kommenden Allergieauslöser auf spezielle Pflaster aufgebracht und auf den Rücken des Patienten geklebt. Nach ein bzw. zwei Tagen werden die Pflaster wieder entfernt. Die Testreaktion wird nach 48 und 72 Stunden begutachtet. Eine allergische Reaktion äußert sich hier als Rötung, Verdickung, teilweise auch Bläschenbildung. Um das Ergebnis nicht zu verfälschen, sollte auf Duschen, Baden und schweißtreibenden Sport verzichtet werden, so lange das Testpflaster auf dem Rücken klebt.
Bei den meisten Patienten kann durch die verschiedenen Allergie-Tests die Ursache der Allergie herausgefunden werden. In unklaren Fällen gibt es weitere Untersuchungsmöglichkeiten, die zum Teil nur im Krankenhaus durchgeführt werden können
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Verwendete Quellen:
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Dr. med. Michaela Axt-Gadermann Hautfachärztin und Medizinjournalistin
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