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Kunstherzen / Mechanische Kreislaufunterstützungssysteme - Hintergrund

Kunstherzen / Mechanische Kreislaufunterstützungssysteme

„Kunstherzen“ sind mechanische Kreislaufunterstützungssysteme, die als Alternative und/oder Überbrückung zur Herztransplantation eingesetzt werden. Bei über 400 Herztransplantationen, die pro Jahr in Deutschland vorgenommen werden, ist der Bedarf an Spenderherzen heute fünf bis sechs mal so hoch wie die Verfügbarkeit. 20 - 25 % der Patienten auf der Warteliste für ein Spenderherz müssen sterben. Für diese Patienten bieten die mechanischen Kreislaufunterstützungssysteme eine Überlebenschance.

Als eigentliches Kunstherz bezeichnet man eine Blutpumpe, die beide Ventrikel des Herzens ersetzt und an Stelle des eigenen Herzens (orthotop) implantiert wird. Diese Kunstherzen werden erst seit Ende der 90er-Jahre implantiert. Zumeist werden heute linksventrikuläre Unterstützungssysteme („Left Ventricular Assist Device“ oder LVAD) implantiert. Ein LVAD unterstützt bzw. entlastet die linke Herzkammer. In der Regel dient es zur Überbrückung, bis ein geeignetes Spenderorgan zur Herztransplantation zur Verfügung steht.

Erstmals 1969 wurde am Texas Heart Institute, USA, mit einem Kunstherz der Kreislauf bis zur erfolgreichen Herztransplantation aufrechterhalten. Seit Ende der 80er-Jahre liegen erste klinische Studien zu implantierbaren mechanischen Blutpumpen vor. Die Weiterentwicklung der Systeme führte zu immer kleineren Pumpen. Die Energieversorgung kann mittlerweile in den Körper eingepflanzt werden und das Infektionsrisiko ist deutlich geringer. Die mobilen Kreislaufunterstützungssysteme tragen damit entscheidend zur Verbesserung der Lebensqualität bei.

Der Bedarf an Kunstherzsystemen steigt

Immer mehr Patienten leiden an terminaler Herzinsuffizienz. Durch verbesserte Behandlungsmöglichkeiten steigt das durchschnittliche Lebensalter der Patienten. Zudem hat sich die Zahl der Menschen mit schwerer chronischer Pumpstörung der linken und/oder rechten Herzkammer aufgrund falscher Lebens- und Ernährungsgewohnheiten in den letzten Jahren verdreifacht.

Intention hinter der Therapie mit mechanischer Kreislaufunterstützung

Kunstherzsysteme können die Lebensqualität der schwer herzkranken Patienten deutlich verbessern. Erklärtes Ziel der Therapie mit mechanischer Kreislaufunterstützung ist es daher, neben der Alternative zur Transplantation gleichfalls eine Alternative zur oftmals belastenden medikamentösen Behandlung zu bieten.

Mechanische Kreislaufunterstützungssysteme sollten folgende Aufgaben erfüllen:

  • einen ausreichenden Blutfluss gewährleisten, 
  • das kranke Herz entlasten, 
  • die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels verbessern.

Bisher werden diese Systeme zum größten Teil solchen Patienten implantiert, die auf eine Herztransplantation warten („bridge to transplantation“).

In jüngerer Zeit finden Kunstherzsysteme auch Verwendung bei Patienten, die Aussicht darauf haben, dass sich ihr eigenes Herz wieder erholen kann („bridge to recovery“).

Das System

In den meisten Fällen wird eine Pumpe unter die Bauchdecke eingepflanzt, die lediglich durch eine Kabelverbindung mit der Energieversorgung und der Steuerung des Systems außerhalb des Körpers verbunden ist (externe Stromversorgung). Diese Pumpe übernimmt die Funktion des Herzens und sorgt zunächst dafür, dass sich der allgemeine Gesundheitszustand des schwer herzkranken Patienten stabilisiert und sich vorgeschädigte Organe (Niere, Leber) wieder erholen. Nach entsprechender Einweisung können die Patienten sogar mit dem Kunstherzsystem nach Hause entlassen werden. Die Lebensqualität wird durch ein solches mobiles System erheblich verbessert.

kunstherz.jpgDie zunehmenden Wartezeiten auf eine Herztransplantation haben gezeigt, dass Menschen auch über einen Zeitraum von mehreren Monaten mit einem mechanischen Kreislaufunterstützungssystem leben können. Neben den Systemen, die mittels externer Stromversorgung (Steckdose oder Akku) arbeiten, sind in den letzten Jahren Unterstützungssysteme entwickelt worden, die vollständig implantierbar sind, d.h. die energieversorgenden Batterien werden ebenfalls in den Körper eingesetzt und können durch einen Gürtel, den der Patient auf der Haut trägt, bei Bedarf aufgeladen werden (Induktion). Die neuen Unterstützungssysteme bieten große Vorteile. Zum einen wird das Infektionsrisiko durch die fehlende Kabelverbindung in der Bauchdecke deutlich verringert. Zum anderen ist der Patient nicht auf Medikamente zur Immunsuppression angewiesen, da der Körper auf die implantierte Pumpe keine Abstoßungsreaktion zeigt. Es müssen lediglich Medikamente zur Einschränkung der Blutgerinnung eingenommen werden, um das Risiko einer Gerinnselbildung zu vermeiden. Und nicht zuletzt tragen mobile Kreislaufunterstützungssysteme wie das Lion Heart oder AbioCor zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität bei. Zu diesen Systemen gibt es zur Zeit noch geringe klinische Erfahrung und wenige Studien.

letzte Aktualisierung: 06.05.2013

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Prof. Dr. med. Dr. h.c. Reiner Körfer

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