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Künstliche Bandscheibe - Hintergrund

Künstliche Bandscheibe


Die künstliche Bandscheibe hat heute einen festen Platz in der operativen Behandlung von Bandscheibenschäden und Verschleißerkrankungen der Wirbelsäule. Für den Erfolg eines Eingriffes, bei dem eine künstliche Bandscheibe implantiert wird, ist es entscheidend, dass nur jene Patienten dafür ausgewählt werden, die dafür auch geeignet sind. Vor der Implantation einer künstlichen Bandscheibe sind deshalb sehr genaue diagnostische Voruntersuchungen notwendig.

Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule


Die Fortbewegung aller Wirbeltiere – und damit auch des Menschen – ist geknüpft an die intakte Struktur und Funktion der Wirbelsäule. Freie und unbehinderte Fortbewegung wiederum ist wichtige Voraussetzung für Unabhängigkeit, Selbstbestimmung und Selbstversorgung. Mit fortschreitendem Lebensalter, bei ungünstiger Lebensweise wie Bewegungsmangel oder Rauchen kann es – insbesondere bei Menschen, die dazu eine erbliche Veranlagung haben – zu Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule (degenerativen Veränderungen) und damit zu Schmerzen und Bewegungsstörungen kommen. Meist beginnen diese Veränderungen an den Bandscheiben, den elastischen Stoßdämpfern, die zwischen den knöchernen Wirbelkörpern liegen und durch ihre Verformbarkeit die Beweglichkeit der Wirbelsäule ermöglichen.

Aufbau und Funktion der Bandscheibe


Eine gesunde Bandscheibe besteht aus einem derben, festen Ring aus Bindegewebsfasern (Kollagen), dem „Annulus“, der den Bandscheibenkern (Nukleus) umschließt. Der Nukleus hat hohe physikalische Wasserbindungsfähigkeit und besteht daher zu 80 Prozent aus Wasser. Da man Wasser nicht zusammendrücken (komprimieren) kann, ist der Kern nicht wirklich weich, er ist aber dadurch verformbar, dass er sich innerhalb des Faserringes verschieben und den Faserring dehnen kann (Abb.1).
Abbildung 1: Verschiebung des Bandscheibenkerns beim Vorbeugen (Bild: R. Schönmayr)
Abbildung 1: Verschiebung des Bandscheibenkerns beim Vorbeugen (Bild: R. Schönmayr)

Es herrscht hoher Druck im Inneren der Bandscheibe, daher besitzt sie keine Blutgefäße und keine Nerven. Dennoch findet in ihr Stoffwechsel statt mit Nährstoffzufuhr zu den Knorpelzellen und Abtransport von Stoffwechselprodukten. Dies geschieht mit dem Gewebswasser, das bei Belastung der Bandscheibe über kleine siebartige Öffnungen in den Knochen der Wirbelkörper gepresst wird. Bei Entlastung – vor allem nachts im Liegen – wird dann wieder Gewebsflüssigkeit aus den Wirbelkörpern angesaugt. Je häufiger der Wechsel zwischen Be- und Entlastung erfolgt, desto besser der Stoffwechsel der Bandscheiben. Oder andersherum: je weniger die Bandscheiben be- und entlastet werden, desto schlechter der Stoffaustausch und desto schneller schreiten Alterung und Verschleiß der Bandscheiben voran.

Entstehung eines Bandscheibenvorfalls


Ähnlich wie ein Autoreifen, der Luft verliert, verliert die Bandscheibe dabei ihre Wasserbindugsfähigkeit und damit ihren Wassergehalt. Sie sinkt zusammen, wird dabei spröde und rissig. Weil die Bandscheiben nicht mehr prall gefüllt sind, können die Wirbel nun kleine Rutschbewegungen vollführen, die auch den Faserring in unnatürlicher Weise belasten und schließlich schädigen. Risse im Fasering können auftreten, durch die sich Teile des Nukleus herausdrücken können – es kommt zum Bandscheibenvorfall.

Folgen und Symptome eines Bandscheibenvorfalls


Da der Faserring vorne und seitlich dicker ist als hinten, treten Bandscheibenvorfälle gehäuft an der Rückseite der Wirbelkörper auf, dort wo der Wirbelkanal und die Nervenkanäle sind. Das bedeutet, dass neben den Rücken- oder Nackenschmerzen, die ein Bandscheibenvorfall auslöst, auch Nervenschmerzen auftreten können. Was es bedeutet, wenn ein Nerv direkt mechanisch gereizt wird, wissen wir alle vom Zahnarzt: heftige, zum Teil wie elektrisierende Schmerzen. Die Schmerzen werden in dem Gebiet wahrgenommen, in das der Nerv verläuft, seinem „Versorgungsgebiet“. Daher kommt es bei Bandscheibenvorfällen der Lendenwirbelsäule zu Beinschmerzen, bei Vorfällen der Halswirbelsäule zu Armschmerzen.

Diese Schmerzen sind sehr heftig und meist auch abhängig von Stellung und Bewegung der Wirbelsäule, daher nehmen die schmerzgeplagten Menschen eine vorsichtige Entlastungshaltung ein und vermeiden Bewegungen und Belastungen der Wirbelsäule. Dabei spannen sich die Rückenmuskeln reflexartig stark an, um Bewegungen des betroffenen Wirbelsäulenabschnitts zu verhindern.

Drückt der Vorfall sehr stark oder längere Zeit auf einen Nerven, kann dessen Funktion gestört werden. Das kann sich in kribbelnden Missempfindungen (Ameisenlaufen), Taubheitsgefühl bis hin zur Gefühllosigkeit äußern, es können aber auch Lähmungen in den von diesem Nerven versorgten Muskeln auftreten. Bei sehr großen Vorfällen an der Lendenwirbelsäule können auch die Nerven geschädigt werden, die die Blasenentleerung und den Schließmuskel am Enddarm kontrollieren. Die Folge sind dann die Unfähigkeit, die gefüllte Blase zu entleeren und den Stuhlgang zu kontrollieren.

Bei Vorfällen an der Halswirbelsäule kann es auch zu Druck auf das Rückenmark kommen. Das bedeutet in der Regel nicht gleich eine Querschnittslähmung, aber es kann zu erheblicher Gangunsicherheit (Atxie), vermehrter Muskelsteifigkeit in den Beinen (Spastik) und Gefühlsstörungen an verschiedenen Körperstellen kommen.

Artikelinformationen zu Künstliche Bandscheibe
Autor
Prof. Robert Schönmayr

Prof. Dr. med. Robert Schönmayr

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