Nach
Magenkrebs wird im Rahmen der gesetzlichen
Krebsvorsorge nicht gefahndet. Der Grund dafür ist, dass das einzige Verfahren, mit dem sich ein Tumor des Magens (Magenkarzinome) sicher nachweisen lässt, die Magenspiegelung ist. Aufwand und Risiken einer solchen endoskopischen Untersuchung des Magens (
Gastroskopie) sind allerdings zu groß, als dass die Magenspiegelung routinemäßig bei Gesunden zum Einsatz kommen könnte. So bleibt die
Gastroskopie darauf beschränkt, bei bestehenden Symptomen und Beschwerden einen Verdacht auf
Magenkrebs abzuklären.
Im Katalog der individuellen Gesundheitsleistungen (
IGeL) werden mit einem einfachen Atemtest sowie mit modernen bildgebenden Verfahren alternative Untersuchungsmethoden zur Früherkennung von
Magenkrebs angeboten. Die Aussagekraft dieser Verfahren ist allerdings begrenzt.
Helicobacter-pylori-Atemtest in der Magenkrebs Vorsorge
Neben dem
Rauchen und einer gewissen genetischen Veranlagung können auch bestimmte Ernährungsgewohnheiten das Risiko erhöhen, dass sich ein Magenkarzinom entwickelt. Auch bestimmte Vorerkrankungen des Magens spielen bei der Krebsentstehung eine Rolle. Bei den meisten Patienten, die an
Magenkrebs erkrankten, ließ sich eine
Infektion der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori nachweisen. Der Helicobacter-Befall ist allerdings weltweit die häufigste bakterielle
Infektion des Menschen, die sich durch Magenbeschwerden, Blähungen,
Sodbrennen oder
Durchfall bemerkbar macht. Übertragen wird der Erreger durch Speichel, infizierte Lebensmittel oder durch Haustiere. Auf Dauer kommt es durch die
Infektion zu Entzündungen der Magen- bzw. Darmschleimhaut oder sogar zu Magengeschwüren. Auch in der Bevölkerung der Bundesrepublik ist diese
Infektion altersabhängig sehr weit verbreitet (etwa die Hälfte der über 60-Jährigen ist betroffen) und kann daher allein nicht unbedingt als ursächlich für die Entstehung von
Magenkrebs angesehen werden. In der Kombination mit einer fleischreichen Ernährung kann eine Helicobacter-pylori-
Infektion Studien zufolge allerdings das Magenkrebsrisiko auf das Fünffache erhöhen. Möglicherweise begünstigt der hohe Eisengehalt des Fleisches einerseits die Entwicklung der Bakterien und zum anderen die Bildung krebserregender Stoffe wie
Nitrosamine.
Noch vor wenigen Jahren gab nur die bei einer Magenspiegelung entnommene Gewebeprobe darüber Aufschluss, ob ein Befall der Magenschleimhaut mit Helicobacter pylori vorliegt. Inzwischen existiert ein schnelles nichtinvasives Testverfahren, das anhand der Atemluft eine
Infektion mit diesem Erreger sehr zuverlässig nachweisen kann. Bei einem positiven Testergebnis kann eine medikamentöse
Therapie die
Infektion zurückdrängen und beseitigen und damit auch das Risiko senken, an
Magenkrebs zu erkranken.
Für den Helicobacter-pylori-Atemtest muss der Proband eine Testflüssigkeit trinken oder eine Kapsel schlucken, die mit radioaktivem Kohlenstoff (C14) markierten Harnstoff enthält. Die radioaktive Strahlung, die dabei auf den Körper wirkt, ist geringer als bei einer Röntgenaufnahme und gilt daher als unbedenklich. Helicobacter pylori ist in nun der Lage, den Harnstoff enzymatisch zu spalten. Falls eine
Infektion vorliegt, lässt sich nach einer Wartezeit von etwa zehn Minuten das als Spaltprodukt gebildete, ebenfalls radioaktiv markierte Kohlendioxid in der ausgeatmeten Luft nachweisen.
Mit der virtuellen Magenspiegelung lassen sich Risiken und Unannehmlichkeiten der herkömmlichen endoskopischen Untersuchung des Magens vermeiden. Es erfolgt lediglich eine Simulation einer
Gastroskopie am Computermonitor. Schläuche oder andere Geräte, die ins Mageninnere eingebracht werden müssen und Panik, Würgreiz sowie unter Umständen innere Verletzungen hervorrufen können, sind bei der virtuellen Magenspiegelung nicht erforderlich. Allein durch die Technik der
Computertomografie und der
Magnetresonanztomografie, die Schichtaufnahmen liefert, die eine spezielle Rechnersoftware anschließend zu dreidimensionalen Bildern zusammenfügt, ist es möglich, das Mageninnere zu begutachten und kleinste Veränderungen oder Tumoren des Magens oder der Speiseröhre zu entdecken.
Die Dauer einer virtuellen Magenspiegelung ist abhängig vom jeweils eingesetzten bildgebenden Verfahren. Mit der
Magnetresonanztomografie sind die erforderlichen Aufnahmen innerhalb etwa einer halben Stunde "im Kasten". Mit der ultraschnellen
Computertomografie reicht sogar die Hälfte der Zeit. Währenddessen muss der Patient mehrmals für wenige Sekunden, in denen die eigentlichen Bilder aufgenommen werden, den Atem anhalten. Unmittelbar vor der virtuellen
Gastroskopie wird der Magen mittels eines speziellen Gases zur besseren Darstellung leicht gebläht. Wie bei der herkömmlichen Magenspiegelung muss auch bei der virtuellen
Gastroskopie die Untersuchung im nüchternen Zustand erfolgen. Dies ist aber auch schon die einzige parallele zum endoskopischen Verfahren. Vielleicht wird die virtuelle
Gastroskopie im Zuge des technischen Fortschritts in nicht allzu ferner Zukunft die risikobehaftete herkömmliche Magenspiegelung verdrängen und sich zu einer praktikablen und für eine breite Anwendung an Gesunden geeigneten Untersuchungsmethode zur Früherkennung von
Magenkrebs entwickeln.
letzte Aktualisierung: 25.01.2010