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Prostatakrebs - Hintergrund / Einleitung

ProstatakrebsProstatakrebs

Prostatakrebs ist mit rund 40.600 Neuerkrankungen pro Jahr inzwischen der häufigste bösartige Tumor bei Männern. Mehr als 90 % der Patienten sind zum Zeitpunkt der Diagnose Prostatakrebs älter als 60 Jahre. Im Rahmen des gesetzlichen Früherkennungsprogramms ist bei Männern ab dem 45. Lebensjahr einmal pro Jahr eine Austastung des Enddarms mit dem Finger vorgesehen. Durch diese sog. digital-rektale Untersuchung kann der Arzt kleine Unregelmäßigkeiten an der Oberfläche der Prostata feststellen. Tiefer liegende Tumoren lassen sich nicht tasten. Zur Früherkennung von Prostatakrebs gehört auch die Tastuntersuchung der regionären Lymphknoten.

Die Bestimmung eines im Prostatagewebe gebildeten Eiweißstoffes (PSA= prostataspezifisches Antigen) im Blut kann die Austastung des Enddarms sinnvoll ergänzen. Weil es praktisch keine Frühsymptome gibt und die Krankheit umso erfolgreicher behandelt werden kann, je früher sie entdeckt wird, kommt der Früherkennungsuntersuchung eine besondere Bedeutung zu. Die Ursachen sind bisher weitgehend ungeklärt. Eine erbliche Veranlagung spielt offenbar eine Rolle.

Wie wird Prostatakrebs diagnostiziert?


Besteht der Verdacht auf Prostatakrebs, müssen weitere Untersuchungen folgen. In der Regel werden aus jedem der beiden Prostatalappen mindestens drei Gewebeproben entnommen. Aus verdächtigen Bezirken werden unter Ultraschallkontrolle gezielt Proben entnommen. Die genaue Kenntnis des Krankheitsstadiums ist wichtig für die Behandlungsplanung. Deshalb sind nach der feingeweblichen Diagnosesicherung weitere Untersuchungen erforderlich, um die Ausbreitung der Erkrankung zu bestimmen. Dazu gehören insbesondere eine Ultraschalluntersuchung der Prostata, eine Computertomografie des Beckens, sowie in Abhängigkeit von Histologie und PSA-Wert eine Skelettszintigrafie.

Wie sieht die Behandlung von Prostatakrebs aus?


Die Behandlung richtet sich nach der Ausbreitung des Tumors. Eine Sonderstellung nehmen dabei sehr kleine, nach feingeweblichen Merkmalen wenig bösartige Tumoren ein. In dieser Situation gibt es zwei Therapiemöglichkeiten: operative Entfernung der Prostata oder "abwarten und beobachten". Da sich Vorteile im Hinblick auf die Überlebenswahrscheinlichkeit erst nach zehn Jahren gezeigt haben, ist vor allem bei alten Menschen und wenig aggressiver Histologie die sogenannte "wait-and-see"-Strategie zu empfehlen: die Operation bleibt ihnen erspart, und sie leben nicht weniger lang.

Bei allen anderen auf die Prostata begrenzten Tumoren gibt es zwei verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die als gleichwertig zu betrachten sind: die operative Behandlung und die Strahlenbehandlung von außen. Bei der operativen Behandlung werden Prostata, Samenblasen und einige Beckenlymphknoten entfernt. Der Eingriff ist nicht einfach und sollte deshalb an Zentren mit entsprechender Erfahrung erfolgen. Bei der Strahlenbehandlung wird die Tumorregion von außen bestrahlt. Durch exakte Bestrahlungsplanung lässt sich das umliegende gesunde Gewebe, insbesondere des Enddarms, weitgehend schonen. Es werden täglich kleine Einzeldosen verabreicht, so dass sich die Behandlung über mehrere Wochen erstreckt. Eine Alternative ist bei auf die Prostata begrenzten Tumoren evtl. das Einbringen von kleinen Kapseln ("Seeds"), die radioaktives Material enthalten, in die Prostata, die die Drüse von innen bestrahlen (sog. interstitielle Strahlentherapie).

Wenn die Erkrankung schon etwas weiter fortgeschritten ist, etwa durch Befall der nächstgelegenen Lymphknoten oder wenn der Tumor die Kapsel der Prostata durchbrochen hat, zielt die Behandlung ebenfalls auf Heilung ab. Auch hier kommen wieder Operation oder Bestrahlung in Betracht. In der Regel sind danach aber weitere Behandlungsmaßnahmen erforderlich, um die Heilungschancen zu erhöhen.

Wenn eine vollständige Entfernung bzw. Zerstörung des Tumorgewebes durch Operation oder Bestrahlung nicht möglich ist oder der Krebs bereits andere Organe befallen hat, kommen medikamentöse Therapien in Betracht. Das männliche Geschlechtshormon Testosteron fördert das Wachstum von Prostatakrebs. Durch Testosteronentzug kann man deshalb in aller Regel sein Wachstum hemmen. Es gibt zwei Möglichkeiten, die Testosteronbildung auszuschalten: operative Entfernung der Hoden als Orte der Hormonproduktion, oder Medikamente, die die Hormonbildung unterdrücken. Die Hormonbehandlung ist üblicherweise eine Dauertherapie. Allerdings wird derzeit untersucht, ob die Intervallbehandlung (intermittierende Hormontherapie) günstiger sein könnte, die sich nach dem PSA-Wert richtet.

Früher oder später werden alle Prostatatumoren "taub" gegenüber Hormonen, sie sprechen nicht mehr auf die Behandlung an und wachsen weiter. Dann steht die Linderung der Beschwerden im Vordergrund. Chemotherapien mit zellwachstumshemmenden Medikamenten (Zytostatika) können in dieser Situation das Fortschreiten der Erkrankung verzögern . Knochenmetastasen, die beim fortgeschrittenen Prostatakrebs häufig sind, bereiten durch Schmerzen und Bruchgefahr Probleme. Eine Strahlentherapie kann die Knochenschmerzen meist gut lindern oder ganz beheben. Auch eine Bruchgefahr der Knochen kann durch Strahlenbehandlung häufig abgewendet werden. Kommt es durch das Tumorwachstum zu einer Einengung der Harnröhre und damit zu einem Harnrückstau, kann man das einengende Prostatagewebe durch einen über die Harnröhre vorgenommenen Eingriff entfernen.

Wie geht es nach der Behandlung weiter?

Ziel der Nachsorge ist die Früherkennung von behandelbaren Rückfällen und von Behandlungsfolgen. In den ersten beiden Jahren erfolgen Nachsorgeuntersuchungen alle drei Monate, beim fortgeschrittenen Prostatakrebs danach alle sechs Monate, beim mit heilender Absicht behandelten Prostatakrebs jährlich. Wichtigste Untersuchungen sind PSA-Bestimmung und die Austastung des Enddarms.

Was kann man bei einem Krankheitsrückfall tun?

Kommt es nach zunächst erfolgreicher Behandlung durch Operation oder Bestrahlung zu einem Krankheitsrückfall und zur Metastasierung, erfolgt eine Behandlung wie beim fortgeschrittenen Prostatakrebs. Die Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Lebensqualität unter Einschluss einer wirksamen Schmerztherapie stehen in dieser Situation im Vordergrund. Bei einem lokalen Rückfall nach operativer Prostataentfernung ist mit einer Bestrahlung eine Heilung noch zu erreichen.

Wie sind die Heilungsaussichten?

Wird der Prostatakrebs in einem frühen Stadium durch Operation oder Bestrahlung behandelt, überleben über 80% der Patienten 10Jahre und mehr, die meisten können als geheilt gelten. Aber auch in fortgeschrittenen Stadien kann die Erkrankung manchmal über Jahre unter Kontrolle gebracht und ein Fortschreiten verzögert werden.

 

letzte Aktualisierung: 04.02.2010
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