Hautkrebsvorsorge
Hautkrebs ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Ein Zusammenhang zwischen dem vermehrten Auftreten von
Hautkrebs einerseits und einer umweltbedingt zunehmend aggressiven Sonnenstrahlung in Kombination mit dem verbreiteten Schönheitsideal gebräunter
Haut andererseits liegt auf der Hand. Trotz des durch den Rückgang der Ozonschicht auch in Mitteleuropa bereits deutlich gestiegenen Anteils an schädlichen ultravioletten Strahlen legen sich viele Menschen in Freizeit und Urlaub nach wie vor zu oft, zu lange und vor allem ohne ausreichenden Schutz in die Sonne. Dabei bergen nicht nur, wie früher angenommen, die kurzwelligen UV-B-Strahlen, sondern auch die längerwelligen UV-A-Strahlen die Gefahr,
Hautkrebs zu verursachen. Unter diesem Aspekt sind auch turbobräunende Solariumsbänke mit äußerster Vorsicht zu genießen.
Es gibt verschiedene Formen von
Hautkrebs mit unterschiedlichen Eigenschaften und Behandlungsmöglichkeiten. Am häufigsten ist der "helle"
Hautkrebs (Basaliome, Plattenepithelkarzinome), der zumeist nur lokal wächst und durch rechtzeitiges Entfernen der betroffenen Hautpartien wirkungsvoll behandelt werden kann. Demgegenüber ist der schwarze
Hautkrebs (
malignes Melanom) einer der aggressivsten Tumoren überhaupt, weil er unbehandelt und unbemerkt schnell Absiedlungen in anderen Organe und Geweben (
Metastasen) bildet.
Empfohlen wird, in regelmäßigen Abständen selbst eine
Hautuntersuchung durchzuführen. Besonderes Augenmerk bei der Suche nach Auffälligkeiten sollte sowohl neu aufgetretenen als auch bereits länger vorhandenen Muttermalen und Leberflecken gelten.
Maligne Melanome entstehen oft aus veränderten Leberflecken. Träger solcher Muttermale (melanozytäre Nävi) haben ein mit deren Anzahl linear erhöhtes Risiko, an schwarzem
Hautkrebs zu erkranken. Generell besonders anfällig für
Hautkrebs sind hellhäutige und helläugige Menschen, die schnell Sonnenbrand bekommen. Auch Personen, in deren näherer Verwandtschaft Melanome aufgetreten sind oder die in der Kindheit bereits zahlreiche Sonnenbrände erlitten haben, gelten als stärker gefährdet. Wichtig ist in jedem Fall, Hauttumoren frühzeitig zu entdecken, um sie entsprechend behandeln zu können.
ABCDE-RegelBei der
Hautuntersuchung mit gründlicher Inaugenscheinnahme von Leberflecken und Muttermalen gilt die ABCDE-Regel. Zeigt ein Leberfleck eine ungleichmäßige Form (A = Asymmetrie), eine unklare Grenze zur umgebenden Hautpartie (B = Begrenzung), eine ungleichmäßige Pigmentierung (C = "colour") oder ist er im Durchmesser mehr als fünf Millimeter groß (D = Durchmesser) und eventuell vorgewölbt (E = Erhabenheit)? In all diesen Fällen sowie auch dann, wenn ein Muttermal juckt oder blutet, ist eine
Hautuntersuchung durch einen Dermatologen (Facharzt für Hauterkrankungen) geboten.
Unter dem Begriff "
Hautkrebsscreening" ist eine fachärztliche Früherkennungsuntersuchung der
Haut zu verstehen. Zwar gehört für Frauen ab 30 Jahren und für Männer ab 45 Jahren auch eine jährliche Untersuchung auf
Hautkrebs zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krebsfrüherkennung. Dieser regelmäßige
Hautkrebs-Check ist jedoch eingegliedert in die allgemeine Krebsfrüherkennung beim Allgemeinmediziner, Internisten oder beim Gynäkologen bzw. Urologen und daher zwangsläufig nicht tiefgreifend genug. Der Arzt, der routinemäßig etwa Gebärmutterhals- oder
Brustkrebs bzw. Tumoren der
Prostata nachspürt, wird den Patienten dabei fragen, ob ihm Veränderungen seiner
Haut aufgefallen sind, und selbst nur eine relativ grobe Untersuchung der
Haut vornehmen. Wenn sich dabei ein Verdacht auf
Hautkrebs oder dessen Vorstufe ergibt, ist eine eingehende Abklärung per Auflichtmikroskop (Dermatoskopie) durch einen Hautarzt nötig.
Waren ohne Verdachtsmomente die Kosten für eine fachärztliche Früherkennungsuntersuchung auf
Hautkrebs bisher abgesehen von einzelnen regionalen Modellprojekten noch als individuelle Gesundheitsleistung (
IGeL, ca. 70 Euro) selbst zu tragen, so sind im Frühjahr 2007 einige gesetzliche Krankenversicherungen bereits freiwillig dazu übergegangen, ein solches
Hautkrebsscreening in ihren Leistungskatalog aufzunehmen. Eine allgemein bindende Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses darüber steht derzeit noch aus. Versicherte sollten sich daher bei ihrer Krankenkasse individuell nach den Möglichkeiten einer Kostenübernahme für das
Hautkrebsscreening erkundigen.
Auflichtmikroskopie in der Hautkrebsvorsorge
Bei der Auflichtmikroskopie (Dermatoskopie) handelt es sich um die genaueste und daher einzige zur Früherkennung von
Hautkrebs geeignete Untersuchung. Sie wird in der Regel von einem Dermatologen durchgeführt, der Erfahrung mit der Interpretation von auffälligen Hautveränderungen hat. Das Auflichtmikroskop besteht aus einer mit einer Halogenlampe versehene Lupe, an der sich eine kleine Glasplatte befindet. Diese setzt der Arzt direkt auf die zu untersuchende Hautpartie. Durch den Einsatz von Paraffinöl oder Desinfektionsspray zwischen Glasplatte und
Haut können Lichtreflexionen weitgehend ausgeschaltet werden (Immersion). Mittels Auflichtmikroskopie können unter zehnfacher Vergrößerung auch tiefer gelegene Hautschichten inspiziert und relativ sicher beurteilt werden.
Computerdermatoskopie in der Hautkrebsvorsorge
Die Computerdermatoskopie ist eine Weiterentwicklung der Auflichtmikroskopie. Mit einer Foto- oder Videokamera ausgestattete Auflichtmikroskope liefern dabei digitale Bilder, die am Computerbildschirm mittels spezieller Software analysiert und abgespeichert werden können. Dadurch ist es möglich, den Verlauf von Hautveränderungen über einen längeren Zeitraum zu verfolgen und zu dokumentieren. Mit dieser modernen Technik lassen sich in vielen Fällen gut- und bösartige Veränderungen eindeutig unterscheiden. Ein Entfernen betroffener Hautpartien schon bei Verdacht auf
Hautkrebs ist dadurch heutzutage immer seltener nötig.
letzte Aktualisierung: 03.02.2012