KH Nordwest Onko 5
medführer Arzt- und Kliniksuche
Uni Freiburg_Strahlen

medführer Startseite » Krebs / Onkologie » Behandlungen » Schmerzen im Alter » Hintergrund

Schmerzen im Alter - Hintergrund

Schmerzen im Alter - Das muss nicht sein!

Die meisten über 60-jährigen Schmerzpatienten leiden an verschiedenen Grunderkrankungen und müssen deshalb mehrere Medikamente einnehmen. Zum Beispiel gegen den Bluthochdruck, Diabetes mellitus, zum Einschlafen usw. Die Frage „So viele Tabletten, ist das nicht zu viel für den Körper?“ liegt da nahe. Aus Angst vor Nebenwirkungen verzichten viele Patienten als erstes auf das Schmerzmittel und akzeptieren ihren Schmerz. Denn nach wie vor besteht der Mythos, Schmerz gehöre zum Alter wie das Ergrauen der Haare. Doch das ist ein Irrtum: Alter und Schmerz gehören nicht zusammen!

Derzeit gibt es in Deutschland über 20 Millionen Menschen, die 60 Jahre und älter sind. Von ihnen leiden 60 bis 80 Prozent an chronischen Schmerzen, also an Schmerzen, die monate- oder jahrelang immer wieder auftreten oder ständig vorhanden sind. Zusätzlich haben sie durchschnittlich fünf weitere Erkrankungen und nehmen täglich etwa sieben bis zehn Medikamente ein. Das kann zu unerwünschten Wechselwirkungen führen. Denn die meisten Medikamente werden im Körper über den gleichen Weg abgebaut und können sich gegenseitig beeinträchtigen. Zudem leiden ältere Menschen oft an Tumorerkrankungen, für die eine rasche Schmerzprogredienz charakteristisch ist.


Mit zunehmendem Alter lassen die Körperfunktionen nach. Betroffen sind vor allem Herz, Niere, Lunge und Bewegungsapparat. Das Blut transportiert weniger Sauerstoff, Herz und Nieren arbeiten langsamer und die Lungenkapazität ist nicht mehr so groß wie in jüngeren Jahren. Auch die Muskelmasse nimmt ab.

Die Ursachen für Schmerzen sind bei der Generation „60 plus“ vielfältig: Am häufigsten sind dies Abbau- und Verschleißerkrankungen des Bewegungsapparates wie z. B. Osteoporose oder Rheuma. Hinzu kommen chronische Leiden wie die Zuckerkrankheit oder Erkrankungen der Atemwege. Auch depressive Erkrankungen äußern sich häufig in Form von Schmerzen. Nicht selten treten mit zunehmendem Alter schmerzintensive Krebserkrankungen auf.

„Weil bei älteren Schmerzpatienten zusätzlich zur Schmerzerkrankung durchschnittlich fünf Organsysteme erkrankt sind, nehmen sie pro Tag etwa sieben verschiedene Medikamente ein. Das Risiko für unerwünschte Wechselwirkungen ist daher hoch“, erläutert Professor Hardt. Damit nicht aus Angst vor diesen Wechselwirkungen ein Medikament einfach weggelassen wird, muss auch die Schmerztherapie für ältere Patienten spezifische Anforderungen berücksichtigen (siehe auch: R. Hardt, „Der ältere Schmerzpatient in der Praxis“, ComMed Basel 2003).

Lebensqualität bis ins hohe Alter

60 bis 80 Prozent der über 60-Jährigen leiden an chronischen Schmerzen, die den Alltag beeinträchtigen. Um diese Schmerzen effektiv zu lindern, muss die Schmerztherapie die spezifischen Anforderungen der Generation 60+ berücksichtigen. Hierbei stehen Substanzen im Mittelpunkt, die nebenwirkungsarm und in der Langzeittherapie gut verträglich sind. So können auch ältere Menschen aktiv und mit Freude ihr Leben gestalten.

Schmerzen sind kein Schicksal!
"Ein alter Mensch, der morgens aufwacht und keine Schmerzen hat, ist sehr wahrscheinlich tot." Zum Glück gilt dieses Zitat von Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier heute nicht mehr! Für jede Schmerzursache und -stärke gibt es hochwirksame Schmerzmedikamente. Niemand muss starke Schmerzen ertragen.
Wichtig ist, dass Sie Ihrem Arzt Ihre Schmerzen mitteilen auch wenn Sie es gewohnt sind, die Zähne zusammenzubeißen und Schmerzen auszuhalten. Nehmen Sie Ihre Schmerzen ernst und verharmlosen Sie sie nicht. Nur dann kann Ihr Arzt die richtige Diagnose stellen und Ihre Schmerzen erfolgreich lindern.

Den Schmerz erklären
Schmerzen sind immer subjektiv. Jeder erlebt sie anders und mit unterschiedlicher Intensität. Damit Ihr Arzt Ihnen das richtige Schmerzmittel verordnen kann, ist es notwendig, dass Sie ihren Schmerz so genau wie möglich beschreiben. (siehe Grafik)
Nennen Sie Ihrem Arzt unbedingt alle Medikamente, die Sie wegen anderer Erkrankungen einnehmen. Wichtig sind auch die Mittel, die Sie ohne Rezept in der Apotheke oder der Drogerie erworben haben. Nur so kann Ihr Arzt das für Sie richtige Schmerzmedikament auswählen, das weder die Wirkung anderer Stoffe beeinflusst, noch von deren Wirkung in der eigenen Wirksamkeit beeinträchtigt wird.

Palliativmedizin
Insbesondere bei Krebspatienten und Menschen in ihrer Lebensendphase sind Schmerzen ein häufiges Symptom. Von ca. 1,8 Millionen Krebskranken in Deutschland entwickeln 80 bis 90 Prozent therapiebedürftige Schmerzen. Da viele Fragestellungen der Palliativmedizin zumeist ältere Patienten betreffen, möchten wir an dieser Stelle einige wichtige Informationen geben.

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin definiert die Palliativmedizin (lindernde Medizin) als "Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren, progredienten (sich zunehmend verschlimmernden) und weit fortgeschrittenen Erkrankung und begrenzter Lebenserwartung, für die das Hauptziel der Sterbebegleitung die Lebensqualität ist." Dabei umfasst die Verbesserung der Lebensqualität die Linderung körperlicher, psychischer, sozialer und/oder spiritueller Probleme. Die Palliativmedizin bejaht das Leben und sieht das Sterben als einen natürlichen Prozess. Sie lehnt aktive Sterbehilfe in jeder Form ab. "Ein sehr wichtiger Teil der palliativmedizinischen Arbeit ist die effektive schmerztherapeutische Versorgung von Patienten mit einer begrenzten Lebenserwartung", berichtet Professor Klaschik.

Tatsächlich leiden jedoch nach wie vor viele schwerkranke Patienten, die einer palliativmedizinischen Betreuung bedürften, sie aber nicht erhalten, unter starken Schmerzen. Die aus der Hospizbewegung entstandene Palliativmedizin hat sich daher zum Ziel gesetzt, den Schmerz in all seinen Dimensionen zu erfassen, zu behandeln und zu lindern. Schwerkranke und Sterbende sowie deren Angehörige erfahren durch eine ambulante oder stationäre palliativmedizinische Versorgung eine mitfühlende, empathische Begleitung (Empathie = Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen), da sie gleichermaßen Aufmerksamkeit und Fürsorge benötigen.

Der Wunsch vieler Patienten, die letzten Lebenstage in vertrauter, häuslicher Umgebung und im Kreis der Familie zu verbringen, wird meist nicht erfüllt. Auch können beispielsweise nur 3 bis 4 Prozent der Patienten, die an ihrer Krebserkrankung sterben, auf Palliativstationen betreut werden (10 Palliativbetten pro 1 Mio. Einwohner). Der geforderte Aufbau eines flächendeckenden palliativmedizinischen Netzwerkes, soll eine ambulante Versorgung im häuslichen Bereich gewährleisten.

Ein wichtiges Nachschlagewerk ist der "Wegweiser Hospiz- und Palliativmedizin Deutschland 2008/2009 Ambulante und stationäre Palliativ- und Hospizeinrichtungen in Deutschland". Dieser Wegweiser ist ein wichtiges Werk, um Hilfesuchenden und Helfern möglichst ortsnahe Unterstützung zur Leidenslinderung anzubieten. Die Aufstellung der Einrichtungen ist gegliedert nach Palliativeinrichtungen für Kinder, Stationären Hospizen, Palliativstationen, Ambulanten Diensten und überregional arbeitenden Institutionen.
 
Hrg.: Deutscher Hospiz und Palliativverband (DHPV), Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. (DGP), Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS), Deutsche Krebshilfe e.V.,  „eigenes leben - Hilfen für Kinder mit Schmerzen oder lebensverkürzenden Erkrankungen e.V.“

Hintergründe, Adresssuchmaschine und weitere Informationen finden Sie unter:

www.hospiznet.de
www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de

Die Aktion Schmerz 60plus

Um über 60-jährigen Patienten mit chronischen Schmerzen und Tumorschmerzen (die schnell sehr stark werden), weitestgehende Schmerzfreiheit und damit mehr Lebensqualität zu ermöglichen, wurde die Aktion Schmerz 60plus gegründet. Hier wird erläutert, welche neuen Erkenntnisse es zur Schmerztherapie älterer Menschen gibt und worauf besonders geachtet werden muss. Nicht nur dem Leben mehr Jahre, sondern auch den Jahren mehr Leben geben, dafür machen wir uns stark.

Besuchen Sie die Webseite der Aktion Schmerz 60plus:
www.schmerz60plus.de
letzte Aktualisierung: 03.02.2012

Verwendete Quellen:


Als Autor anmelden

Erfahrungen zum Thema

Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen / Kommentare zum Thema Schmerzen im Alter - Hintergrund mit

Jetzt Kommentar schreiben

Spezialisten finden

Hier finden Sie Ihren Krebsspezialisten / Onkologen

Ärzte fragen

Sie suchen einen Spezialisten?
medführer hilft Ihnen weiter.
Senden Sie Ihre Anfrage an unsere Ärzte in Kliniken und Praxen.

zum Amfrageformular

Anzeigen Service