Die Misteltherapie bei Krebs – Was ist von einer Krebs-Behandlung mit Mistelpräparaten zu halten?
Die Misteltherapie ist in Mitteleuropa die am häufigsten eingesetzte Zusatzbehandlung bei Krebserkrankungen. Bereits vor mehr als 80 Jahren wurde die Misteltherapie von anthroposophischen Ärzten in die Tumortherapie eingeführt, sodass es eine sehr lange Erfahrung mit der Behandlung von Tumorpatienten mit den traditionellen anthroposophischen Präparaten gibt.
Wie wird die Misteltherapie durchgeführt?
Mistelpräparate werden 2- bis 3-mal wöchentlich unter die
Haut (subkutan) gespritzt. Die empfohlene Behandlungsdauer reicht von Wochen oder Monaten bis hin zu mehreren Jahren oder sogar lebenslang. Die Technik des Spritzens unter die
Haut kann von Patientinnen oder den Angehörigen erlernt werden. Andere Anwendungsmöglichkeiten sind weniger gut untersucht und dürfen deshalb nur in Studien zur Anwendung kommen.
Wo kommen die Misteln für die Misteltherapie bei Krebs her?
Misteln wachsen auf verschiedenen Wirtsbäumen, und die Namen anthroposophischer Mistelpräparate enthalten – oft in abgekürzter Form – einen Hinweis auf den jeweiligen Wirtsbaum, zum Beispiel „M“ für Apfelbaum (malus) oder „P“ für Kiefer (pinus).
Die Präparate in der Misteltherapie und ihre Wirkung
Inzwischen wurden die Inhaltstoffe der traditionellen Mistelpräparate (zum Beispiel Iscador®, Abnobaviscum®, Helixor®) genauer bestimmt, und man konnte zeigen, dass bestimmte Inhaltsstoffe, die Mistellektine und die Viscotoxine, im Labor gegen Krebszellen wirken. Diese Entdeckung hat zur Entwicklung neuer Mistelpräparate (Lektinol®, Eurixor®) geführt, die im Gegensatz zu den
anthroposophischen Präparaten nicht mehr ein Konzentrat (Extrakt) aus der gesamten Pflanze, sondern nur diejenigen Mistellektine, die die stärkste Wirkung gegen Tumorzellen zeigten, enthalten.
Studien zur Misteltherapie bei Krebs
Mistelpräparate beeinflussen auch Immunfaktoren und sind insgesamt die am besten untersuchten Mittel aus dem Bereich der ergänzenden Tumorbehandlungen. Ob die im Labor gemessenen Wirkungen aber einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben, konnte bisher wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen werden; wahrscheinlicher wird durch die
Misteltherapie wohl die Lebensqualität verbessert. Ein ungünstiger Einfluss der
Misteltherapie auf den Krankheitsverlauf lässt sich aber mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen.
Die vorliegenden Studien zur
Misteltherapie wurden an Patienten mit unterschiedlichen Tumorarten, mit verschiedenen Präparaten und unter sehr unterschiedlichen Bedingungen durchgeführt und weisen auch eine sehr unterschiedliche wissenschaftliche Qualität auf. Zwischen den traditionellen (anthroposophischen) und den neueren (pflanzlichen) Arzneimitteln gibt es also Unterschiede, und zwar sowohl bei den Herstellungsverfahren und bei den Inhaltsstoffen als auch bei der Art der Anwendung und – für Patienten besonders wichtig – bei der Kostenübernahme. So dürfen anthroposophische Mistelpräparate ganz allgemein zur Unterstützung bei der Behandlung von Tumorerkrankungen verschrieben werden, während die Verordnung von pflanzlichen Mistelpräparaten zulasten der gesetzlichen Krankenkassen seit dem 01.01.2004 nur noch möglich ist, wenn es sich um ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium ohne Aussicht auf dauerhafte Heilung handelt.
In jedem Fall sollte die Anwendung von Mistelpräparaten immer durch einen Arzt, der Erfahrung mit dieser Behandlungsform hat, überwacht werden, da es – wie bei jeder anderen Behandlung auch – Einschränkungen bei der Anwendung gibt und Nebenwirkungen auftreten können. Auch der Arzt, der die Standardtherapie festlegt und überwacht, sollte unbedingt vorher informiert werden, damit eine angemessene Beurteilung von möglichen Wechselwirkungen sowie der Therapiewirkungen und -nebenwirkungen wie auch der übrigen Reaktionen der Patientin möglich ist.
letzte Aktualisierung: 14.05.2012