Um den Verlauf der Erkrankung aufzuhalten, besteht die Möglichkeit einer verantwortungsbewusst durchgeführten
Therapie mit
Interferon alfa, nach Möglichkeit in Kombination mit
Ribavirin.
Ribavirin ist eine Substanz, die über einen noch nicht näher geklärten Mechanismus Hepatitis-C-
Viren hemmt. Sie wirkt nur in Kombination mit
Interferon alfa und wird als Tablette oder Kapsel eingenommen. Ribavirin allein ist nicht gegen Hepatitis-C-
Viren wirksam.
Interferon alpha ist ein körpereigener Eiweißstoff, der u.a. von den weißen Blutkörperchen produziert wird, insbesondere dann, wenn der Körper sich gegen Infektionserreger wehren muss. Das zur
Therapie der Virushepatitis eingesetzte
Interferon alfa ist biotechnologisch hergestellt.
Interferon alfa muss, wie zum Beispiel auch das
Insulin in der Behandlung zuckerkranker Patienten, in das Unterhautfettgewebe gespritzt werden.
Um die Ansprechrate und die Verträglichkeit der
Interferon-alfa-
Therapie zu verbessern, wurden Interferone alfa an Polyethylenglykol (PEG) gekoppelt (pegylierte Interferone alfa, PEG-Interferone alfa). Die so veränderten Interferone bleiben länger im Körper wirksam und müssen daher nur noch einmal wöchentlich gespritzt werden.
Das Polyethylenglykol umgibt das
Interferon alfa wie ein „Schutzschild“ gegen frühzeitigen Abbau. Die für die Wirkung des Interferons wichtigen Stellen werden dadurch nicht blockiert. Somit kann ein gleichmäßiger Wirkspiegel aufrechterhalten und die Virusvermehrung konstant über längere Zeit unterdrückt werden.
In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass bei Patienten mit chronischer Hepatitis C die Ansprechrate mit PEG-Interferonen alfa im Vergleich zur
Therapie mit den Standard-Interferonen verdoppelt werden kann. Durch die Kombination von PEG-Interferonen alfa mit Ribavirin können die Ansprechraten noch weiter gesteigert werden. Diese Kombination ist der Kombination von Standard-Interferonen mit Ribavirin auch hinsichtlich der Verträglichkeit überlegen.
Die
Standarddosierungen der Interferone alfa sind folgendermaßen:
- Interferon alfa-2a: 3-6 Millionen Einheiten dreimal wöchentlich
- Interferon alfa-2b: 3-5 Millionen Einheiten dreimal wöchentlich
- PEG-Interferon alfa-2a: 180 µg einmal wöchentlich
- PEG-Interferon alfa-2b: 1,0-1,5 µg/kg Körpergewicht einmal wöchentlich
Auch die Ribavirin-Dosis sollte von Ihrem Arzt unter Berücksichtigung Ihres Blutbildes und Ihres aktuellen Körpergewichts sowie des HCV-Genotyps individuell festgegelegt werden. Sie liegt zwischen 800 und 1200 mg täglich, verteilt auf zwei Gaben morgens und abends. Bei besonders schweren Patienten kann eine noch höhere Dosis erwogen werden.
Hauptziel der Behandlung ist, dass das Hepatitis-C-Virus auch mit empfindlichen
Methoden nicht mehr nachweisbar ist. Die Ansprechrate (Anzahl der Patienten, bei denen während der
Therapie keine
Viren mehr im Blut nachweisbar sind) einer
Therapie mit (PEG-)Interferonen alfa und Ribavirin liegt zunächst bei 60–90 %. Leider kommt es bei einigen Patienten, die zuerst auf die
Therapie angesprochen haben, noch während der Behandlung oder nach Absetzen der Medikamente zum Wiederauftreten der
Viren. Insgesamt liegt daher der Behandlungserfolg einer (PEG-)
Interferon alfa- und Ribavirin-
Therapie bei 50–60 %.
Von besonderer Wichtigkeit ist die regelmäßige Einnahme der Medikamente. Sollten unter einer (PEG-)
Interferon-alfa/Ribavirin-
Therapie starke
Nebenwirkungen (z.B.
Depressionen) auftreten, können diese gegebenenfalls medikamentös behandelt werden. Da sich die Nebenwirkungen der (PEG-)
Interferon-alfa/Ribavirin-
Therapie nach Therapieende rasch zurückbilden, kann die begleitende
Therapie wieder abgesetzt werden.
Besonders gute Behandlungserfolge lassen sich erzielen, wenn mit der Behandlung möglichst früh begonnen wird. Eine Chronifizierung einer akuten Hepatitis C lässt sich durch eine 24-wöchige Monotherapie mit (PEG-)
Interferon alfa verhindern. Die Behandlung der chronischen Hepatitis C ist bei jüngeren Patienten und kurzem Krankheitsverlauf erfolgreicher als bei älteren Patienten und Patienten, die bereits das Stadium einer Leberzirrhose erreicht haben. Daneben ist die Wahrscheinlichkeit für das Ansprechen auf eine (PEG-)
Interferon-alfa-
Therapie bei Patienten mit den HCV-Genotypen 2 oder 3 besser als bei den Genotypen 1 oder 4. Auch die Dauer der
Interferon-
Therapie hat großen Einfluss auf den Behandlungserfolg der chronischen Hepatitis C.
Die bisherigen deutschen Leitlinien zur
Therapie der chronischen Hepatitis C (2004) empfehlen für Patienten mit dem HCV-Genotyp 2 oder 3 eine 24-wöchige
Therapie, während bei Patienten mit dem HCV-Genotyp 1 oder 4 die Therapiedauer 48 Wochen betragen soll. Ferner kann bei Patienten mit Genotyp 2 oder 3 eine niedrigere Ribavirin-Dosis eingesetzt werden als bei den Genotypen 1 oder 4. Aktuelle Studienergebnisse weisen auf die Möglichkeit einer verbesserten, individualisierten
Therapie hin. Anhand von HCV-Genotyp, Viruslast vor Therapiebeginn und dem virologischen Ansprechen zu Woche 4 der Behandlung kann die empfohlene Therapiedauer zwischen 12 und 72 Wochen variieren.
Anhand des anfänglichen Abfalls der Viruslast im Blut kann bei behandelten Patienten bereits nach vier und zwölf Wochen eine Aussage getroffen werden, inwieweit eine Chance einer dauerhaften Virusbeseitigung besteht. Ein „Responserechner“, mit dem sich die voraussichtlichen Therapiechancen errechnen lassen, steht im Internet unter www.uniklinikum-saarland.de/de/einrichtungen/kliniken _institute/
gastroenterologie/patienteninfo/responserechner für Patienten und Dritte kostenfrei zur Verfügung. Sehr gute Heilungschancen bestehen bei Patienten mit einem bereits 99%igen Abfall der Viruslast in den ersten zwölf Wochen der Behandlung.
Neue Untersuchungen haben gezeigt, dass durch eine Behandlung mit
Interferon alfa der Anteil der Bindegewebsfasern in der Leber abnimmt und die Häufigkeit der Entwicklung von
Leberkrebs vermindert wird. Das gilt auch für Patienten, bei denen das Virus während der
Therapie nicht verschwunden war.
Die
Deutsche Leberhilfe e.V. hält bei allen Patienten mit einer chronischen Hepatitis C und einer erhöhten Entzündungsaktivität in der Leber eine Behandlung mit (PEG-)
Interferon alfa und gegebenenfalls Ribavirin für sinnvoll, sofern keine zusätzlichen Erkrankungen oder andere Umstände vorliegen, die eine solche
Therapie verbieten würden. Die Entscheidung über die Dosis und Dauer einer
Therapie sollte individuell vom behandelnden Arzt geprüft werden.
Welche Nebenwirkungen sind bei einer Therapie mit (PEG-)Interferon alfa und Ribavirin zu erwarten?
Die Nebenwirkungen von (PEG-)
Interferon alfa sind zu Beginn einer
Therapie häufig und lassen im Laufe der Behandlung in der Regel deutlich nach. Die häufigsten Nebenwirkungen sind
grippeähnliche Symptome wie
Fieber, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Gelegentlich kommt es auch zu Störungen der Schilddrüsenfunktion. Einige Patienten leiden während der
Therapie an einer besonders trockenen
Haut und/oder einem vorübergehenden
Haarausfall. Auch Stimmungsveränderungen bis hin zu
Depressionen können auftreten. Wichtig sind außerdem Blutbildveränderungen, die vor allem die weißen Blutkörperchen betreffen.
Patienten sollten während der
Therapie regelmäßig mit dem behandelnden Arzt sprechen und alle Nebenwirkungen genau angeben. Viele Nebenwirkungen der (PEG-)
Interferon-alfa/Ribavirin-
Kombinationstherapie lassen sich durch Dosisanpassungen oder durch die (vorübergehende) Verschreibung von weiteren Medikamenten günstig beeinflussen. Stets sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, bevor eine
Therapie wegen Unverträglichkeit oder Nebenwirkungen komplett abgebrochen wird.
Allergische Erscheinungen können sowohl durch (PEG-)
Interferon alfa als auch durch Ribavirin ausgelöst werden. Als häufige Nebenwirkung von Ribavirin ist eine vorübergehende Blutarmut (Anämie) bekannt. Regelmäßige Blutbildkontrollen sind daher unbedingt erforderlich.
Es ist keinesfalls auszuschließen, dass das Risiko für kindliche Fehlbildungen durch Ribavirin erhöht wird. Patienten, die eine
Therapie mit Ribavirin erhalten, müssen daher während der
Therapie und bis zu einem halben Jahr nach Therapieende eine sichere Art der Empfängnisverhütung durchführen. Bei Frauen, die bereits vor Beginn einer
Therapie schwanger sind, kann keine
Therapie durchgeführt werden.
Was muss während einer Therapie mit (PEG-)Interferon alfa und Ribavirin beachtet werden?
Während einer
Therapie mit (PEG-)
Interferon alfa sollten regelmäßige Kontrollen der Leberwerte (GPT, GOT), des Blutbildes und der Schilddrüsenwerte erfolgen. Nach einer Therapiedauer von vier und zwölf Wochen sollte außerdem die Viruslast (HCV-
RNA) im Blut gemessen werden. Anhand des Ergebnisses wird entschieden, ob die
Therapie erfolgreich sein kann und wie lange sie fortgeführt werden sollte.
Gibt es alternative Therapiemöglichkeiten?
Die
Therapie mit (PEG-)
Interferon alfa allein oder in Kombination mit Ribavirin ist zurzeit die einzige Möglichkeit, das Virus aus dem Körper zu beseitigen. Daneben werden immer wieder Erfolge mit sogenannten alternativen Substanzen beschrieben. Kontrollierte Untersuchungen, in denen die Wirksamkeit dieser Medikamente und
Methoden untersucht wurden, gibt es allerdings nicht. Daher beruhen alle diesbezüglichen Informationen auf Erfahrungsberichten.
Substanzen, die zur Behandlung von Lebererkrankungen eingesetzt werden, sind zum Beispiel Mariendistelextrakte (Silibinin), Phyllanthus amarus, ein Mittel der ayurvedischen Medizin, Solanin oder der Äbrotanum-Tee. Auch Glycyrrhizin, das vor allem in Südostasien zum Einsatz kommt, soll einen positiven Einfluss auf chronische Lebererkrankungen haben. Eine Wirksamkeit gegenüber den Hepatitisviren ist aber nicht bewiesen.
Auch pflanzliche Präparate können Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten entwickeln. Patienten sollten ihre behandelnden Haus- oder Fachärzte über zusätzlich eingenommene Präparate informieren, damit diese zur Verträglichkeit und eventuellen Risiken Stellung nehmen können.
Zukünftige Therapiemöglichkeiten von Hepatitis C
Verschiedene Therapieansätze werden zurzeit klinisch geprüft, u.a.
- andere lang wirksame Interferone (z.B. Albinterferon)
- Hemmstoffe von HCV-spezifischen Enzymen, die für die Virusvermehrung verantwortlich sind (Protease- und Polymerase-Inhibitoren); aufgrund erster klinischer Studien gelten diese Substanzen als besonders Erfolg versprechend
- Immunmodulatoren (z.B. so genannte Toll-like receptor (TLR)-Agonisten)
- therapeutische Vakzine, d.h. Impfstoffe, die dem körpereigenen Immunsystem helfen sollen, das Hepatitis-C-Virus zu beseitigen oder zumindest den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.
Insgesamt muss betont werden, dass keine dieser neuen Substanzen eine Zulassung erhalten wird, ohne dass umfassende Daten aus klinischen Studien zur Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit vorliegen. Außerhalb klinischer Prüfungen werden im günstigsten Fall weitere Medikamente gegen die Hepatitis C nicht vor 2011 allgemein verfügbar sein.
Was muss ich bei meiner Ernährung beachten?
Solange die Leberfunktion nicht eingeschränkt ist, muss bei der chronischen Hepatitis C keine spezielle Diät eingehalten werden. Bei Einschränkung der Leberfunktion kann eine Reduktion der Eiweiß- (Fleisch-, Milchprodukte) und der Salzzufuhr erforderlich werden. Dies sollte Ihr Arzt, eventuell gemeinsam mit einem Ernährungsspezialisten, mit Ihnen besprechen. Wichtig ist, dass Sie auf Alkohol verzichten.
letzte Aktualisierung: 14.05.2012
Artikelinformationen zu Hepatitis C (Leberentzündung Typ C)