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Hepatitis B (Leberentzündung Typ B) - Hintergrund / Einleitung

Hepatitis B (Leberentzündung Typ B)


Die Hepatitis-B-Infektion ist die Infektion der Leber mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV). Etwa 0,5 % der deutschen Bevölkerung sind Träger dieses Virus. Die Übertragung des Hepatitis-B-Virus erfolgt zumeist über infiziertes Blut, sexuell oder während der Geburt. Bei den meisten Patienten (über 90 %) kann die Erkrankung nach einem akuten Verlauf vom Körper selbst geheilt werden.

Allein in Deutschland leiden schätzungsweise zwei Millionen Menschen an einer chronischen Lebererkrankung. Die Leberzirrhose (narbige Leberveränderung) zählt bei Erwachsenen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren zu den vier häufigsten Todesursachen. Neben Alkohol sind als Krankheitsursachen für chronische Lebererkrankungen vor allem die virusbedingte Hepatitis B und C zu nennen. Unter einer Hepatitis versteht man eine Entzündung der Leber.



In Deutschland sind 30 bis 40 % der Virushepatitiden durch das Hepatitis-B-Virus verursacht. Etwa 0,5 % der deutschen Bevölkerung sind Träger des Hepatitis-B-Virus, das heißt, sie sind infektiös. Pro Jahr treten in Deutschland mehrere Tausend Hepatitis-B-Neuinfektionen auf. Nach WHO-Schätzungen sind weltweit 300 bis 420 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis B infiziert und ca. eine Million Menschen sterben jährlich an den Folgen dieser Erkrankung.

Die Leber


Die Leber ist mit einem Gewicht von etwa 1.500 g das größte innere Organ des menschlichen Körpers. Sie liegt im rechten Oberbauch und ist von einer bindegewebigen Kapsel umgeben. Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers. Zu ihren Aufgaben gehört es, Giftstoffe, die über den Darm in den Körper gelangen, abzubauen, bevor sie in den großen Blutkreislauf gelangen. Nahrungsbestandteile, die über den Darm in die Leber gelangen, werden hier weiterverarbeitet. Von der Leber werden wichtige Eiweiße hergestellt, die zum Beispiel für die Blutgerinnung und die Infektabwehr nötig sind. Wichtig ist auch die Produktion von Gallenflüssigkeit, die über ein spezielles Gangsystem in den Zwölffingerdarm geleitet wird. Durch die Gallenflüssigkeit werden Abbaustoffe von roten Blutkörperchen entsorgt und die Fettverdauung ermöglicht. Mit der Galle werden auch verschiedene Giftstoffe aus dem Körper ausgeschieden. Die Leber selbst besitzt keine Nervenfasern, die den Schmerz weiterleiten können. Schmerzen können aber durch Spannung in der Bindegewebskapsel entstehen, wenn die Leber auf Grund von Entzündungsvorgängen anschwillt oder vernarbt.

Virushepatitis B


Die Hepatitis-B-Infektion ist die Infektion der Leber mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV). Bei den meisten Patienten (über 90 %) kann die Erkrankung nach einem akuten Verlauf vom Körper selbst geheilt werden. Nicht selten haben die betroffenen Patienten die Infektion mit dem Virus nicht bemerkt. Bei weniger als 10 % der infizierten Patienten ist das körpereigene Abwehrsystem jedoch nicht in der Lage, das Virus erfolgreich zu bekämpfen. Wenn die Erkrankung länger als sechs Monate andauert, spricht man von einer chronischen Hepatitis B. Der klinische Verlauf der chronischen Hepatitis B ist abhängig von der Menge der Viren im Körper und der Stärke der Immunabwehr des betroffenen Patienten. Bestimmte Virusbausteine im Blut und die vom menschlichen Körper gegen diese Virusbestandteile gebildeten Antikörper sowie andere Laborwerte können Hinweise auf den Aktivitätsgrad der Hepatitis geben.

Bei der chronischen Hepatitis B gibt es Verlaufsformen, bei denen im Körper nur wenige Viren produziert werden (niedrig-replikative Form der chronischen Hepatitis B) und andere, bei denen sehr viele Viren produziert werden (hoch-replikative Form). Bei der niedrig-replikativen chronischen Hepatitis B kommt es in der Regel nicht zu einem raschen Fortschreiten der Erkrankung. In den meisten Fällen haben die Patienten normale Leberwerte. Bei diesen Patienten kann das HBs-Antigen nachgewiesen werden, das HBe-Antigen ist aber in der Regel nicht im Blut nachweisbar. Bei der hoch-replikativen chronischen Hepatitis B lassen sich über 100 000 Viruskopien pro ml Blut nachweisen (dies entspricht ca. 20 000 IU/ml). Neben dem HBs-Antigen kann das HBe-Antigen nachweisbar sein. Bei vielen Patienten (ca. 50 %) mit einer hoch-replikativen Form der chronischen Hepatitis B ist allerdings das HBe-Antigen nicht nachweisbar.

Welche Verlaufsform der chronischen Hepatitis B bei einem bestimmten Patienten vorliegt, kann anhand von Bluttests unterschieden werden. Anhand der im Blut vorliegenden Antigene und Antikörper, der Menge der Viren im Blut (Viruslast), der Transaminasen und der feingeweblichen Untersuchung des Lebergewebes wird sich der Arzt ein Bild von der Aktivität der Hepatitis machen.

Krankheitsmechanismus bei Hepatitis B

Bei einer chronischen Infektion werden durch die Hepatitisviren ständig neue Leberzellen infiziert. Die infizierten Leberzellen gehen unter und werden durch neue Leberzellen ersetzt. Als Zeichen einer Entzündung wandern weiße Blutkörperchen in das Lebergewebe ein. Sie sorgen dafür, dass infizierte und abgestorbene Leberzellen vernichtet und abgeräumt werden. Das Virus selbst vermögen sie dabei in der Regel nicht zu beseitigen. Die abgestorbenen Leberzellen können später durch Bindegewebe (= Narbengewebe) ersetzt werden. Ist die Leber bindegewebig verändert, spricht man im Frühstadium von einer Leberfibrose, später von einer Leberzirrhose. Bindegewebe kann zumindest teilweise – bei erfolgreicher Behandlung der chronischen Hepatitis B – wieder abgebaut werden.

Ansteckung mit dem Hepatitis-B-Virus

Die Übertragung des Hepatitis-B-Virus erfolgt zumeist über infiziertes Blut, sexuell oder während der Geburt. Dabei ist das Hepatitis-B-Virus sehr viel ansteckender als z.B. das AIDS-Virus (HIV) oder das Hepatitis-C-Virus. Das Hepatitis-B-Virus wird nur von Mensch zu Mensch übertragen.

Sexuelle Übertragung
Die sexuelle Übertragung des Hepatitis-B-Virus ist, anders als beim Hepatitis-C-Virus, häufig. Patienten, bei denen Viren im Blut nachgewiesen werden können, sollten zum Schutz des Partners Kondome verwenden. Eine Übertragung kann möglicherweise aber auch durch Speichel und andere Körperflüssigkeiten erfolgen. Daher ist eine Impfung des Sexualpartners wichtig.

Übertragung durch Blut
Die Übertragung des Hepatitis-B-Virus kann durch Blut oder Blutprodukte erfolgen. Die modernen Tests, die heute zur Kontrolle von Blut eingesetzt werden, sind sehr empfindlich. Daher ist das Risiko inzwischen sehr gering geworden. Daneben kann das Virus aber auch über verunreinigte Spritzen oder Nadeln übertragen werden. Risikofaktoren für die Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus sind daher der Gebrauch von Drogen, Tätowierungen oder Körperpiercing. Auch eine Übertragung des Hepatitis-B-Virus über offene Wunden, Rasierklingen oder Zahnbürsten ist möglich.

Ansteckung von Neugeborenen
Die Gefahr einer Infektion des Neugeborenen durch eine mit dem Hepatitis-B-Virus infizierte Mutter ist während oder kurz nach der Geburt am größten. Das Risiko der Virusübertragung liegt bei der Entbindung zwischen 10 % (niedrig-replikative chronische Hepatitis B) und fast 100 % (hoch-replikative chronische Hepatitis B). Daher muss das Neugeborene einer mit dem Hepatitis-B-Virus infizierten Mutter direkt nach der Geburt immer eine aktive und passive Immunprophylaxe erhalten (gleichzeitige Impfung und Immunglobulingabe). Ob eine Hepatitis-B-Infektion durch Stillen übertragen werden kann, ist nach wie vor umstritten. Es scheint einen Zusammenhang zwischen der Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Virus beim Stillen und der Viruslast der Mutter zu geben.


Folgeschäden der Hepatitis B

Patienten, die an einer chronischen Hepatitis B erkrankt sind, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, in den folgenden Jahrzehnten eine Leberzirrhose zu entwickeln. Das Risiko für die Entstehung einer Leberzirrhose ist unter anderem von der Krankheitsaktivität und der Krankheitsdauer abhängig. Faktoren, die die Entwicklung einer Leberzirrhose weiter beschleunigen können, sind zusätzliche chronische Lebererkrankungen, z.B. mit anderen Hepatitis-Viren (z.B. eine zusätzliche Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus) oder Substanzen, die die Leber schädigen. Hierzu zählt in erster Linie der Alkohol.

Von einer Leberzirrhose spricht man, wenn ein großer Teil des Lebergewebes durch Bindegewebe ersetzt wurde. Die normale Struktur des Lebergewebes wird dadurch zerstört. Hierdurch kommt es zu Veränderungen der Durchblutung, die zu einem Bluthochdruck in der Pfortader (Vene zwischen Darm und Leber) führen können. Durch einen Rückstau des Blutes kann es zur Ausbildung von erweiterten Venen (Varizen) in der Speiseröhre und im Magen kommen. Wenn diese Gefäße platzen, kann es zu schweren Magen-Darm-Blutungen kommen. Verstärkt wird die Gefahr der Blutungen dadurch, dass die Gerinnungsfähigkeit des Blutes wegen der verminderten Eiweißsynthese in der Leber und einer Verminderung der Anzahl der Blutplättchen (Thrombozyten) eingeschränkt ist.

Unter anderem wegen des Bluthochdrucks vor der Leber kann es auch zur Einlagerung von Körperflüssigkeit in die Bauchhöhle (Aszites) kommen.

Die Giftstoffe, die aus dem Magen-Darm-Trakt in das Blut gelangen, können bei Vorliegen einer Leberzirrhose teilweise nicht mehr von der Leber abgebaut werden, sodass sie in den Körperkreislauf gelangen. Hier können sie zu einer verstärkten Müdigkeit und Konzentrationsschwäche (hepatische Enzephalopathie, Encephalon = Gehirn) führen.

Wegen der verminderten Eiweißproduktion der zirrhotisch umgebauten Leber kommt es neben Störungen der Blutgerinnung auch zu einer Mangelproduktion von Stoffen, die für die Körperabwehr benötigt werden. Folge ist eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Durch den Rückstau von Galle kommt es bei einer schweren Lebererkrankung häufig zu einer Gelbverfärbung der Augen und der Haut (Ikterus). Damit ist oft auch ein Juckreiz verbunden. Gleichzeitig kann es zu einer Dunkelfärbung des Urins kommen.

Nach einem langen Verlauf nimmt bei Patienten mit einer chronischen Hepatitis B auch die Gefahr der Entwicklung von Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom) zu. Ein besonders hohes Risiko haben Patienten mit einer hohen Viruslast (HBV-DNA). Bei den meisten Patienten entwickelt sich das hepatozelluläre Karzinom auf dem Boden einer Leberzirrhose, allerdings sind bei Patienten mit einer chronischen Hepatitis B auch Leberzellkarzinome beschrieben worden, ohne dass zuvor eine Leberzirrhose vorlag. Auch für Patienten mit einer niedrig-replikativen Form der chronischen Hepatitis B (HBs-Antigen-Träger) ist das Risiko der Entwicklung eines Leberzellkarzinoms erhöht. Daher sind auch bei diesen Patienten regelmäßige Ultraschall- und Blutkontrollen notwendig. In einigen Fällen nimmt die chronische Hepatitis B einen so schweren Verlauf, dass eine Lebertransplantation nötig werden kann.

Hepatitis D

Die Hepatitis D ist eine weitere Viruserkrankung der Leber. Auslösend ist das Hepatitis-D-Virus. Von einer Hepatitis D sind ausschließlich Patienten bedroht, die gleichzeitig eine Hepatitis B haben. Das liegt daran, dass das Hepatitis-D-Virus für seine Vermehrung bestimmte Eiweißstoffe des Hepatitis-B-Virus benötigt. Ohne diese Strukturen kann sich das Virus nicht vermehren. Mit dem Hepatitis-D-Virus kann man sich zusammen mit dem Hepatitis-B-Virus infizieren. Möglich ist auch die Ansteckung von Patienten, die bereits an einer chronischen Hepatitis B erkrankt sind. Die Infektion mit dem Hepatitis-D-Virus kann eine schwerere Leberentzündung verursachen als eine chronische Infektion allein mit dem Hepatitis-B-Virus.

Das Hepatitis-D-Virus kommt vor allem in südlicheren Ländern vor (Mittelmeerländer, Südamerika, Afrika). Falls Sie an einer chronischen Hepatitis B erkrankt sind, sollten Sie sich bei Ihrem Arzt informieren, wie Sie sich vor dem Hepatitis-D-Virus schützen können. Prinzipiell sollten Sie es möglichst vermeiden, in Gebiete mit einem hohen Aufkommen von Hepatitis-D-Virus-Infektionen zu fahren.
letzte Aktualisierung: 04.02.2012

Verwendete Quellen:
Broschüre der Deutschen Leberhilfe e.V., Stand: März 2007

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