
Die Diagnose der akuten Appendizitis (Blinddarmentzündung) beruht auf Krankengeschichte und körperlicher Untersuchung. Es gibt einen «klassischen» Verlauf, von dem jedoch viele Abweichungen möglich sind, insbesondere bei Kindern und älteren Patienten. Auch für den erfahrenen Untersucher ist es sehr schwierig, die Diagnose Blinddarmentzündung mit Sicherheit zu stellen.
Die Symptome der Blinddarmentzündung entwickeln sich innerhalb von 12 bis 24 Stunden. Zunächst werden Schmerzen im Nabelbereich oder darüber angegeben. Diese verlagern sich innerhalb weniger Stunden in den rechten Unterbauch. Schmerzen beim Gehen können durch Anheben des rechten Beines gelindert werden. Es kommt zu Übelkeit, öfter auch mit Erbrechen.
Zu diesem Zeitpunkt sind am so genannten Mac-Burney-Punkt (zwischen Nabel und Beckenkamm rechts) die Zeichen einer lokalen Bauchfellentzündung mit Abwehrspannung, lokalem Druck- und Klopfschmerz vorhanden. Die mit dem Stethoskop hörbaren Darmgeräusche sind leiser als normal. Dazu kommt Fieber mit einer Temperaturdifferenz von mehr als 0,8° C zwischen Achselbeuge und After. Bei der rektalen Untersuchung findet man oft einen Druckschmerz. Das Blutbild zeigt häufig Entzündungszeichen. Bei Kindern mit einer Blinddarmentzündung ist eventuell Durchfall, hohes Fieber, Appetitlosigkeit und eine frühe Verschlechterung des Allgemeinbefindens zu sehen. Bei alten Appendizitis-Patienten kann die Symptomatik abgeschwächt sein, jedoch mit einem rascheren Verlauf einhergehen. Ähnliche Beschwerden wie die Blinddarmentzündung verursachen bei Frauen die Entzündung der Eileiter, Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft, stielgedrehte Ovarialzyste und Schmerzen zur Zeit des Eisprungs. Daher sollte bei Frauen eine gynäkologische Erkrankung durch entsprechende Untersuchungen ausgeschlossen werden. Bei Kindern kann eine entzündliche Lymphknotenschwellung im Bauch oder eine zwerchfellnahe Lungenentzündung eine Appendizitis vortäuschen.
Die unkomplizierte Blinddarmentzündung ist nach der Operation geheilt. In einigen Fällen kann es nach Jahren zu Verwachsungen im Bereich der Abtragungsstelle kommen, die dann zu einem mechanischen Darmverschluss führt.
Hauptkomplikation bei Blinddarmentzündungen ist der Durchbruch des eitrigen Sekrets aus der Appendix in die freie Bauchhöhle. Im Moment des Durchbruchs kann der/die Appendizitis-PatientIn durch Aufhebung des Sekretstaus eine Erleichterung spüren, wobei die Schmerzen aber rasch wieder zunehmen. Durch die Streuung der Bakterien im Bauchraum kann das Leben der PatientIn akut bedroht werden. Nach einem Durchbruch ist auch eine Abkapselung und Abgrenzung durch Verkleben mit der Netzschürze und umgebenden Dünndarmschlingen möglich (Abzsess).
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