Analfissur (Afterriss)
Die akute Analfissur ist ein strich- bis spindelförmiger Defekt in der trockenen Haut des Afterkanals. Starke bis stärkste Schmerzen bei und nach dem Stuhlgang können auf eine akute Analfissur hinweisen. Als Therapie einer Analfissur stehen konservative und operative Verfahren zur Verfügung.
Definition der Analfissur
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| Abb. 1: Anatomie des Enddarms und des Afters |
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Es wird die
akute von der
chronischen Analfissur (Afterriss) unterschieden; des Weiteren gibt es so genannte
sekundäre Analfissuren, das sind Fissuren in Verbindung mit
chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (zumeist m. Crohn), erregerbedingte oder medikamenteninduzierte Analfissuren, sowie Fissuren sonstiger Ursachen. Die
akute Analfissur ist ein schmerzhafter, strich- bis spindelförmiger Defekt in der äußerst schmerzempfindlichen trockenen
Haut des Afterkanales, dem so genannten Anoderm (Abb.1).
Lokalisation der Analfissur (Afterriss)
In drei Viertel aller Fälle findet sich die Analfissur in Rückenlage bei 6 Uhr, in 15 % vorne bei 12 Uhr.
Verlauf bei einer Analfissur
Die
akute Analfissur (Abb. 2) kann spontan oder durch Behandlung abheilen.
Sie kann aber auch rezidivieren (erneut auftreten) oder in eine
chronische Analfissur übergehen. Diese ist ein längliches, manchmal schmierig belegtes, tief reichendes Geschwür. Im weiteren Krankheitsverlauf können sich so genannte Sekundärveränderungen bilden, wie z.B. die hypertrophe (vergrößerte) Analpapille, ein bindegewebiger, gutartiger Tumor, der sich infolge der chronischen Entzündung aus den im Bereich der Linea dentata (s. Abb. 1) vorkommenden Papillen entwickelt.
Zur Erklärung: Im Afterkanal treffen die trockene, von außen kommende Auskleidung – das Anoderm – und die feuchte Schleimhaut des Mastdarmes sich verzahnend an der deshalb so genannten Linea dentata (Kryptenlinie) aufeinander. Dabei bilden sie Krypten (Vertiefungen) und Papillen (Erhöhungen). Des Weiteren kann sich am
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| Abb. 3: Chronische Analfissur mit hypertropher Analpapille und Vorpostenfalte |
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äußeren Geschwürsrand eine derbe Hautfalte, die Vorpostenfalte, entwickeln. Die seitlichen Wundränder können sich bindegewebig-narbig umwandeln, und im Wundgrund sieht man nicht selten die quer verlaufenden, evtl. bindegewebig-narbig umgewandelten Fasern des inneren Schließmuskels. Gelegentlich kommt es zur Ausbildung oberflächlicher Fisteln. Auch können Abszesse entstehen. Nicht die Dauer des Bestehens der Fissur, sondern das Auftreten der vorgenannten Komplikationen ist typisch für die chronische Analfissur (siehe Abb. 3).
Die
sekundären Analfissuren finden sich häufig bei
chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, vor allem beim Morbus Crohn. Aufgrund ihres typischen Aussehens – sie sind oft sehr tief, haben unterminierte Wundränder und eine geradezu charakteristische, livide, sulzig-verdickte Vorpostenfalte bei relativer Schmerzarmut – sind sie oft der erste Hinweis auf diese Erkrankung. Typisch für die Crohnfissuren ist auch, dass sie sich nicht wie die klassische Analfissur
dorsal, also bei 6 Uhr, sondern in der Mehrzahl an atypischer Stelle und zudem multipel finden. Sekundäre Analfissuren sind häufig auch
erregerbedingt, so z.B. bei Aids, Tuberkulose,
Syphilis usw. Auch sind sekundäre Fissuren in Verbindung mit einer Leukämie, ja sogar bei Kuhmilchallergie beschrieben.
Sekundäre Analfissuren bei Kindern können ein Hinweis auf sexuellen Missbrauch sein. Des Weiteren gibt es zahlreiche Publikationen über
durch Medikamente hervorgerufene Analfissuren bzw. –geschwüre. Dabei handelt es sich um Nebenwirkungen z.B. von Chemotherapien oder Ergotamin, Nicorandil (Bestandteil von in Deutschland nicht erhältlichen Mitteln zur Behandlung der Angina) oder von Isotretinoin (Mittel zur Behandlung schwerer
Akne).
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Häufigkeit der Analfissur
Es liegen keine aussagekräftigen epidemiologischen Studien zur Prävalenz der Analfissur vor. Bei proktologischen Patienten beträgt der Anteil ca. 10 %.
Altersverteilung bei Analfissuren
Im vierten und fünften Lebensjahrzehnt finden sich jeweils etwas mehr als 25 % der Erkrankungen; der Häufigkeitsgipfel mit ca. 55 % findet sich also bei den 30- bis 50-Jährigen.
Geschlechtsverteilung bei Analfissuren
Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen.
Lebensqualität bei einer Analfissur
In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass die Fissur – im Gegensatz zum Hämorrhoidalleiden – zu einer deutlichen Verminderung der Lebensqualität führt.
Ursachen der Analfissur
Alle diskutierten möglichen Ursachen, wie z.B. ein erhöhter
Tonus (Druck) des inneren Schließmuskels – als Ursache oder Folge der Fissur -, Obstipation (
Verstopfung), ein
Trauma (Verletzung), z.B. durch harte Stuhlmassen, weicher Stuhl, anale Sexualpraktiken, Infektionen im Bereich von Afterdrüsen bzw. deren Ausführgängen usw. sind nicht bewiesen.
letzte Aktualisierung: 14.05.2012
Artikelinformationen zu Analfissur (Afterriss)