Die Behandlung von Adipositas (Fettsucht, Fettleibigkeit)
Übergewicht sollte behandelt werden bei einem
BMI ab 30 oder einem
BMI zwischen 25 und 29,9 mit gleichzeitigem Vorliegen von:
- übergewichtsbedingten Begleiterkrankungen (z.B. Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes) ODER
- einem abdominalen Fettverteilungsmuster ODER
- Erkrankungen, die durch Übergewicht verschlimmert werden, ODER
- einem hohen Leidensdruck
Bereits eine moderate Gewichtsabnahme von unter 10 % bedeutet eine Verbesserung vieler Adipositas-Begleiterkrankungen und -Komplikationen.
Die Behandlung von Adipositas sollte auf den
drei Säulen Ernährungs-, Bewegungs- und
Verhaltenstherapie basieren.
- Ernährungstherapie bei Adipositas. Im Vergleich zur bisherigen Ernährung sollten Adipositas-Patienten 500 bis 1000 kcal weniger pro Tag konsumieren. Sinnvoll ist eine Bevorzugung von Lebensmitteln mit geringer Energiedichte, d.h. niedrigem Fett- und Zuckergehalt, aber hohem Wasser- und Ballaststoffgehalt. Die Sättigung der Adipositas-Erkrankten kann durch eine Steigerung der Gemüse- und Obstaufnahme erhalten bleiben. Langfristig empfiehlt sich eine ausgewogene Mischkost gemäß den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Extrem einseitige Diäten (z.B. totales Fasten) bergen ein hohes medizinisches Risiko in sich und bringen keinen Langzeiterfolg. Bei Personen mit Adipositas kann zur initialen (also zeitlich begrenzten) Gewichtsreduktion eine Formula-Diät (unter ärztlicher Aufsicht) angebracht sein. Die dabei mögliche hohe Gewichtsabnahme ist allerdings nur von Dauer, wenn gleichzeitig und längere Zeit danach eine Verhaltens- und Bewegungstherapie stattfindet.
- Bewegungstherapie bei Adipositas. Die durch körperliche Aktivität erzielte Erhöhung des Energieverbrauchs trägt zur Gewichtsreduktion und – noch stärker – Gewichtserhaltung bei. Ein guter Beginn für einen Adipositas-Erkrankten ist eine sportliche Aktivität von 30 bis 50 Minuten an drei bis fünf Tagen in der Woche. Neben strukturierten Bewegungsprogrammen begünstigt auch eine vermehrte Bewegung im Alltag die Gewichtsstabilisierung.
- Verhaltenstherapie bei Adipositas. Eine Verhaltenstherapie macht vor allem im Hinblick auf die langfristige Gewichtsreduzierung und -stabilisierung Sinn. Meistens im Rahmen von wöchentlichen Sitzungen über mehrere Monate hinweg werden dabei u.a. Methoden der Selbstbeobachtung des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens (z.B. mittels Tagebuch), eine flexible (statt rigide) Verhaltenskontrolle, ein veränderter Umgang mit Stress, Druck und Frustrationen sowie ein Rückfallmanagement erarbeitet.
Wenn es mit diesem Basisprogramm nach drei bis sechs Monaten nicht zu einer Gewichtsreduzierung des Adipositas-Patienten von mindestens 5 % gekommen ist, können die weiteren Bemühungen im Bereich Ernährung und Bewegung durch bestimmte
Medikamente unterstützt werden. Die derzeit zugelassenen
Antiadiposita basieren auf den Substanzen Sibutramin, Orlisat oder Rimonabant.
Da mit der
Therapie das Ziel einer Lebensstilveränderung verfolgt wird, kann eine jahre- oder lebenslange Betreuung der Adipositas-Patienten durch Ärzte, Ernährungsberater, Physio- und Verhaltenstherapeuten angebracht sein.
Eine kritische Auseinandersetzung mit Diäten und anderen Maßnahmen zur Gewichtsreduzierung finden Sie im Artikel „Abnehmen und schlank werden“.
Die chirurgische Therapie der Adipositas
Haben die konventionellen (nicht-chirurgischen) Maßnahmen über einen Zeitraum von mindestens 6-12 Monaten nicht zum erwünschten Erfolg beim Adipositas-Erkrankten geführt, ist in folgenden zwei Fällen die Erwägung einer unterstützenden Operation sinnvoll:
- Adipositas Grad 3 (BMI ≥ 40) oder
- Adipositas Grad 2 (BMI ≥ 35) mit schwerwiegenden weiteren Krankheitsbildern (z.B. Diabetes mellitus Typ 2)
Kontraindikationen für eine Operation als Adipositas-Behandlung sind eine Abhängigkeit von Drogen und Alkohol, konsumierende und immundefizitäre Erkrankungen, Bulimia nervosa sowie evtl. Psychosen, Persönlichkeitsstörungen und die Binge Eating Störung.
Nach dem Mechanismus, wie der Gewichtsverlust erreicht wird, können
zwei Gruppen von adipositaschirurgischen Verfahren unterschieden werden:
- Adipositaschirurgische Methoden mit dem hauptsächlichen Ziel der Restriktion, also der quantitativen Einschränkung der Aufnahme von festen Nahrungsmitteln (z.B. bei Magenballon, Bandgastroplastik, Schlauchmagen)
- Adipositaschirurgische Methoden mit dem Ziel der Malabsorption (verminderte Aufnahme von Nährstoffen) (z.B. die biliopankreatische Diversion (BPD) nach Scopinaro)
Bei 5-15 % der Adipositas-Patienten kommt es zu
perioperativen Komplikationen (v.a. Wundheilungsstörungen, Thrombosen, Lungenembolien). Die perioperative Mortalität liegt um 1 %. Eine langfristige Nachbetreuung der Adipositas-Patienten ist unerlässlich, um möglichen Spätkomplikationen entgegenzuwirken. Auch bei adipositaschirurgischen Eingriffen ist die
Mitarbeit des Patienten also unentbehrlich.
Detaillierte Informationen zur Magenverkleinerung bei Adipositas erhalten Sie hier. letzte Aktualisierung: 16.05.2012
Artikelinformationen zu Adipositas (Fettleibigkeit, Fettsucht)