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Gallenblasenentfernung (Cholezystektomie) - Hintergrund

Gallenblasenentfernung (Cholezystektomie)


Die Cholezystektomie ist eine sichere Operation mit einer sehr niedrigen Komplikationsrate. Sowohl die minimal-invasive als auch die offene Gallenblasenentfernung sind Routineeingriffe. Zur Heilung des symptomatischen Gallensteinleidens ist die Cholezystektomie die einzige befriedigende Methode. 



Die Gallenblase - Aufbau, Funktion und mögliche Erkrankungen

Blick auf die Gallenblase unterhalb der Leber
Blick auf die Gallenblase unterhalb der Leber


Die Gallenblase ist ein dünnwandiges, birnenförmiges Organ mit einem Fassungsvolumen von etwa 30 - 50 ml. Sie sitzt bindegewebig mit der Leber verbunden, an deren Unterseite im rechten Oberbauch und dient als Speicherorgan für die in der Leber gebildete Gallenflüssigkeit. Die Leberzellen bilden die Gallenflüssigkeit, die über kleinste Gallengänge zu immer größeren Gallengängen zusammenfließen. Außerhalb der Leber vereinigen sich schließlich zwei große abführende Lebergallengänge zu dem Hauptlebergallengang (Ductus hepaticus communis).

Die Gallenflüssigkeit entleert sich bei der Aufnahme von Nahrung. Dabei fließt sie über den von der Gallenblase abgehenden Gallenblasengang (Ductus cysticus) in den Hauptgallengang. Nach der Vereinigung von Ductus cysticus und Ductus hepaticus communis wird der Hauptgallengang als Ductus hepatocholedochus (DHC) bezeichnet. Dieser wiederum vereint sich mit dem Bauchspeicheldrüsengang (Ductus pancreaticus) und mündet schließlich über eine Papille mit Ventilfunktion (Papilla Vateri) in den Zwölffingerdarm (Duodenum).



Unmittelbar vor der Einmündung in den Zwölffingerdarm hat der Gallengang einen Ringmuskel, der sich in Verdauungsruhe zusammenzieht. Durch den dadurch bedingten Rückfluss füllt sich die Gallenblase über den Gallenblasengang mit Gallenflüssigkeit. Kurz nach der Nahrungsaufnahme öffnet sich die Gallengangsmündung (Papilla Vateri), und die Gallenflüssigkeit fließt ab.

Die Gallensäuren dienen einer Reihe wichtiger Stoffwechselfunktionen, vor allem der Verdauung von Fetten und dem Transport von fettlöslichen Substanzen. Sie werden später im Dünndarm fast vollständig wieder aufgenommen und über den Blutkreislauf in die Leber zurücktransportiert und für eine erneute Ausscheidung über die Gallenflüssigkeit bereitgestellt. Ist die Gallenblase entfernt, wird die Gallenflüssigkeit weiterhin in der Leber gebildet und über den Hauptgallengang in den Dünndarm abgeleitet. Es fehlt lediglich ein Reservoir an Gallensekret, was sich bei der Verdauung nicht bemerkbar macht, solange Fette nicht in deutlichem Übermaß mit einem Mal verzehrt werden. Anderenfalls könnte es durch die unverdauten Fette zu Durchfall kommen. Auch ist bei unseren heutigen Ernährungsgewohnheiten, mit in der Regel stets verfügbarer Nahrung, die Reservoirfunktion der Gallenblase nicht mehr erforderlich.

Täglich werden etwa 250 - 1000 ml Galle produziert. Die Gallenflüssigkeit wird in der Gallenblase eingedickt und konzentriert. Aufgrund der Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit (z. B. Wasser, Salze, Cholesterin, Bilirubin) kann es zu einem Überschuss eines der Bestandteile kommen. Durch eine so entstehende Übersättigung neigt das Sekret zur Kristallisation und damit zur Ausbildung verschiedener Arten von Steinen (z. B. Cholesterinsteine, Bilirubinsteine etc.). Die Steine können sehr unterschiedliche Formen und Größen, von wenigen Millimetern bis zu einigen Zentimetern, annehmen.

Komplikationsträchtiger sind kleinere Konkremente, denn diese können die Gallenwege passieren oder aber auch verlegen und Koliken hervorrufen. Dadurch kann der Abfluss der Gallenflüssigkeit in den Darm behindert werden, und es kommt es zu einem Rückstau des Gallensekretes. Dabei kann es zum Auftreten heller Stühle und einer Dunkelfärbung des Urins kommen. Ebenso kann dies zu einem Übertritt des Gallenfarbstoffes (Bilirubin) in das Blut führen und eine Gelbsucht verursachen (Verschlussikterus). Auch kann sich dadurch eine Entzündung der Gallenwege entwickeln (Cholangitis). Diese geht oft mit Fieber und Schüttelfrost einher.

Zugleich kann durch die Gallensteine auch der gemeinsame Ausführungsgang von Gallenblase und Bauchspeicheldrüse verlegt werden und durch einen Rückstau der Verdauungssäfte zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung führen (biliäre Pankreatitis).

Eine lange andauernde, chronische Stauung des Galleflusses kann zu einer Schädigung der Leberzellen führen, die in der Folge untergehen und durch narbiges Bindegewebe ersetzt werden (biliäre Zirrhose).

Auch die Gallensteine selbst können die Gallenblasenwand schädigen und eine Entzündung der Gallenblase hervorrufen (Cholezystitis). Eine schwer entzündete Gallenblase kann durchbrechen (perforieren), was zu einem Austritt von Gallensekret in die freie Bauchhöhle führen und eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung (gallige Peritonitis) hervorrufen kann.

Chronische Entzündungen der Gallenblase können zu einer Vernarbung und damit Schrumpfung der Gallenblase führen (Schrumpfgallenblase). Gleiches gilt für den Nachweis einer sogenannten Porzellangallenblase, die ihren Namen aufgrund eines durch die chronische Entzündung bedingten, narbigen Umbaus des Gewebes mit Kalkeinlagerungen trägt. Beide Formen neigen zur Entartung, was zur Entstehung eines Gallenblasenkrebses führen kann. Ebenso ist der Nachweis von besonders großen Gallensteinen mit einem Durchmesser von mehr als 3 cm ein Grund, die Gallenblase zu entfernen, selbst wenn der Patient keine Beschwerden hat, da auch diese das Risiko für die Entstehung eines Gallenblasenkrebses erhöhen können.

Gleiches gilt für den Nachweis von Gallenblasenpolypen. Auch dann sollte die Gallenblase entfernt werden, da nicht auszuschließen ist, dass sich hinter dieser Neubildung ein bösartiger Tumor befindet.

Selten entsteht eine Gallenblasenentzündung nach schweren Traumen oder großen operativen Eingriffen (Stressgallenblase).

Mindestens 15 % der Gesamtbevölkerung sind Träger von Gallensteinen. Frauen leiden häufiger an Gallensteinen als Männer. Risikofaktoren für die Entstehung von Gallensteinen sind neben dem weiblichen Geschlecht, ein hoher Cholesterinspiegel, Übergewicht, extremes Fasten, die Blutzuckerkrankheit, bestimmte Medikamente, genetische Faktoren, eine Schwangerschaft und einiges mehr. Die Anzahl der Betroffenen steigt mit zunehmendem Lebensalter. Doch nicht alle Gallensteinträger müssen Beschwerden haben. Die meisten Gallensteinträger (etwa 75 %) sind zeitlebens beschwerdefrei.

Treten jedoch Symptome auf, wie anfallartige Schmerzen (Koliken), oft nach üppigen Mahlzeiten, oder Dauerschmerzen im Oberbauch, die in den Rücken und in die rechte Schulter ausstrahlen können und häufig mit Übelkeit oder sogar Erbrechen einhergehen, muss eine Behandlung erfolgen, um schwerwiegende Komplikationen des Gallensteinleidens zu vermeiden.

Dazu muss die Gallenblase, als wesentlicher Entstehungsort der Gallensteine, operativ entfernt werden.


Wie sieht die Behandlung von Erkrankungen der Gallenblase aus?


Bei der Diagnose einer blanden Gallenblasenentzündung erfolgt zunächst eine antibiotische Behandlung und eine sogenannte Frühcholezystektomie, eine frühzeitige operative Entfernung der Gallenblase innerhalb von drei Tagen. Bei Rückgang der Beschwerdesymptomatik kann die Operation auch im symptomfreien Intervall und nach Abklingen der Entzündung (nach etwa vier bis acht Wochen) erfolgen.

Die frühzeitige Entfernung der Gallenblase ist jedoch insgesamt mit weniger Komplikationen behaftet, da es durch die Entzündung der Gallenblase zu Veränderungen der Gallenblasenwandung sowie Verwachsungen und Verschwielungen kommen kann, welche die Operation erschweren könnten.

Der Nachweis eines Gallenblasenempyems (Eiteransammlung in der Gallenblase) oder einer gangränösen Cholezystitis, mit durch die Entzündung hervorgerufenem Untergang von Gewebe, verlangt eine sofortige Operation, da die Gefahr einer Perforation mit Ausbildung einer Bauchfellentzündung besteht.

Liegt der Verdacht auf das Vorliegen eines bösartigen Tumors der Gallenblase nahe, so wird die Gallenblase, je nach Ausdehnung des Prozesses, in der Regel offen chirurgisch entfernt. Bei fortgeschrittenen Tumoren ist eine Erweiterung des Eingriffes unter Mitnahme von benachbartem Lebergewebe erforderlich.

Das alleinige Entfernen oder Zertrümmern der Gallensteine (z. B. extrakorporale Stoßwellenlithotripsie, ESWL) unter Erhaltung des Organs ist nach dem heutigen Stand der Medizin nicht zufriedenstellend. Zudem würden sich die Steine bald wieder neu bilden und einen erneuten Eingriff erforderlich machen. Auch das medikamentöse Auflösen von Gallensteinen (Litholyse) bringt keinen dauerhaften Erfolg. Ausreichende Ergebnisse und eine Heilung des Gallensteinleidens sind ohne die Entfernung der Gallenblase nicht möglich.
letzte Aktualisierung: 03.02.2012

Artikelinformationen zu Gallenblasenentfernung (Cholezystektomie)
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Prof. Dr. med. Matthias Pross

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