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Anatomie - Der Magen-Darm-Trakt

Der Magen-Darm-Trakt - ein unermüdlicher Arbeiter


Magen und Darm sind wichtige Bestandteile des Verdauungskanals, auf die wir nur aufmerksam werden, wenn sie nicht funktionieren und uns irgendetwas "auf den Magen schlägt".

Unsere zivilisierte Lebensweise trägt leider nicht dazu bei, dass wir Magen und Darm die Arbeit leichter machen – Büroarbeit, Fast food und wenig Bewegung führen zu typischen Beschwerden wie Verstopfung; daneben ist Darmkrebs neben Brust- und Lungenkrebs die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland.

Aufbau und Funktion

Zum Verdauungstrakt des Menschen gehören alle Organe, die Nahrung aufnehmen, zerkleinern, weiterbefördern, die Nahrung in ihre Bestandteile zerlegen und aufnehmen. Nach Mund, Rachen und Speiseröhre ist der Magen das nächste Organ mit vielfältigen Aufgaben: Magensäure und eiweißzersetzende Enzyme beginnen mit der Verdauung von Proteinen, der saure Magensaft tötet fast alle Bakterien ab und alle festen Nahrungsbestandteile werden solange im Magen behalten, bis sie mit Saft vermischt und verflüssigt sind.

Dann gelangt der Brei in den Darm. Im ersten Darmabschnitt (Zwölffingerdarm) werden Gallen- und Bauchspeicheldrüsenflüssigkeit hinzugefügt – jetzt kann die Fettverdauung beginnen. Im nächsten Dünndarmabschnitt kommt es zur Aufnahme der Nährstoffe, denn später im Dickdarm werden nur noch Flüssigkeit und darin gelöste Elektrolyte aufgenommen.

Während des täglichen Verdauungsvorgangs gelangen ca. zehn Liter Flüssigkeit in den Darm (durch Trinken, Speichel, Magensaft, Galle, Bauchspeicheldrüsensekret, Darmsäfte), die im Darm wieder aufgenommen werden müssen – wenn dieses System gestört ist, drohen Durchfall und Austrockung.

Beschwerden

Magen-Darm-Beschwerden sind äußerst vielfältig und kommen oft in Kombination vor. Sehr selten hat jemand nur Schmerzen oder nur Durchfall. Häufige Beschwerden sind Schmerzen, Druck- oder Völlegefühl, Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen von Mageninhalt oder Blut, Blähungen, Durchfall, Verstopfung. Auch auftreten können Schluckauf, ein brennendes Gefühl, Blut oder Schleim im Stuhl und andere Stuhlveränderungen.

Untersuchungsmethoden

Anamnese (Krankheitsgeschichte erfragen)

Alle Beschwerden können durch gezieltes Fragen weiter eingegrenzt werden. So können Schmerzen beispielsweise im Oberbauch oder unterhalb des Nabels auftreten, sie können krampfartig oder dauernd vorhanden sein und sie können vor oder nach dem Essen auftreten. All diese Unterscheidungen helfen dem Arzt, die richtige Diagnose zu finden, denn verschiedene Krankheitsbilder haben verschiedene Symptome – also Beschwerden, die der Patient äußert.

Inspektion (Betrachten), Palpation (Abtasten), Perkussion (Abklopfen) und Auskultation (Abhören)

Einen prall gefüllten Bauch bei Blähungen kann niemand übersehen, und das Abtasten eines schmerzhaften Bauches hilft dem Arzt, die Ursache genauer einzukreisen. Ein gefüllter Darm fasst sich anders an als ein leerer und auch der Widerstand eines Patienten (Abwehrspannung) beim Abtasten lässt Rückschlüsse auf die Erkrankung zu. Klopfen auf den Bauch kann Flüssigkeit zwischen den Darmschlingen hörbar machen und beim Abhören "musiziert" der Darm mal plätschernd, grummelnd oder auch gar nicht – was kein gutes Zeichen ist und auf einen Darmverschluss hinweisen kann.

Bei anhaltenden Beschwerden bleibt oft nichts anderes übrig, als weitere Untersuchungen vorzunehmen, neben Blut- und Urinuntersuchungen werden dann manchmal auch invasive Methoden nötig.

Blutuntersuchungen/Atemtests

Viele Magen-Darm-Erkrankungen wirken sich auf das Blutbild und die Blutwerte aus, so können Entzündungswerte erhöht oder der rote Blutfarbstoff (Hb-Wert) erniedrigt sein (bei einer Blutung). Ein Atemtest kann das Magenbakterium Helicobacter nachweisen, es ist wichtiger Auslöser für Magenschleimhautentzündungen und -geschwüre.

Magen- und Darmspiegelung (Gastroskopie und Koloskopie)

Bei der Magenspiegelung wird ein dünner Schlauch durch Mund und Speiseröhre in den Magen vorgeschoben, eine kleine Kamera ermöglicht Aufnahmen aus dem Mageninneren. So wird die Schleimhaut von Speiseröhre und Magen genau untersucht und von verdächtig aussehenden Bereichen Proben (Biopsien) entnommen. Eine Magenblutung kann über diese Sonde behandelt werden. Selbst Ultraschalluntersuchungen an der Leber oder Bauchspeicheldrüse sind über diese Magensondierung möglich.

Die Darmspiegelung erfolgt für den Dünndarm über Mund und Speiseröhre, für den Dickdarm über den After. Neben Inspektion und Biopsie ist auch die Entfernung von Polypen (Darmausstülpungen) möglich.

Ultraschall, Röntgen, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT)

Im Ultraschall werden einzelne Darmschlingen sichtbar, auch Flüssigkeit, die sich im Krankheitsfall außerhalb des Darms aufhält, kann man sehen. Eine Röntgenaufnahme im Stehen zeigt beispielsweise bei einem durchgebrochenen Magengeschwür freie Luft unter dem Zwerchfell und CT oder MRT zerlegen den Körper technisch in viele dünne Scheiben, so dass auch kleinste Veränderungen oder Krebsgeschwüre sichtbar sind.

Erkrankungen

Wer hat nicht schon mal eine Magenverstimmung oder Durchfall gehabt? Einige sehr häufige Erkrankungen des Verdauungssystems kennen wir alle aus eigener Erfahrung. Sie verursachen einige Tage Unwohlsein, sind jedoch mit Hausmitteln, Bettruhe und viel Flüssigkeitsaufnahme in den Griff zu bekommen – auch im Urlaub in fernen Ländern sehr bewährt (Reisedurchfall und -verstopfung).

Anders sieht es aus, wenn sich keine Besserung einstellen will – bei hartnäckigen Magen-Darm-Infekten mit Fieber (Hinweis auf Darminfektion), einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür sollte man auf professionelle Unterstützung zurückkommen.

Chronische Erkrankungen 

Chronische Beschwerden lassen an ein Reizdarmsyndrom oder einen Reizmagen denken, auch Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) und Nahrungsmittelallergien sind häufige Erkrankungen, die sich mit wiederkehrendem Durchfall nach dem Essen bestimmter Speisen bemerkbar machen. Seltener sind Morbus Crohn, die Zöliakie (einheimische Sprue) oder auch eine Systemerkrankung wie die Porphyrie. Auch Essstörungen führen über das unnatürliche Essverhalten zu anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden.

Akutfälle

Bei einigen Erkrankungen verbietet es sich, einige Tage abzuwarten, ob es nicht wieder von allein besser wird – allerdings sind die Beschwerden dieser Krankheitsbilder oft so dramatisch, dass niemand auf die Idee kommen würde, einfach mal abzuwarten. Der Fachmann spricht vom Akuten Abdomen und meint damit Krankheiten, die plötzlich auftreten und ohne Behandlung lebensbedrohlich sein können: Magenbluten, eine Blinddarmentzündung, ein Darmverschluss (Ileus) oder auch eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) müssen hier genannt werden – letztere liegt zwar nur in der Nähe von Magen und Darm, beeinträchtigt diese bei Entzündung aber stark.

Mit Blut oder Schleim im Stuhl machen sich Divertikel, Hämorrhoiden oder auch Darmkrebs bemerkbar, gerade letzterer kann aber auch lange ohne sichtbare Zeichen wachsen – darum ist die alljährliche Darmkrebsvorsorge so wichtig.

Therapeutische Maßnahmen

Neben den Dingen, die einem der gesunde Menschenverstand rät, wie leicht verdauliche Kost oder keine Nahrung, viel Flüssigkeit und Bettruhe helfen im Allgemeinen Hausmittel wie Tees, eine Wärmflasche und natürliche Mittel bei Völlegefühl, Blähungen und Verstopfung. Erstaunlicherweise können scharfe Gewürze einen empfindlichen Magen vom Schmerz befreien und wussten Sie schon, dass man durch Schlafen auf der linken Seite Sodbrennen vermeiden kann?

Bei verschiedenen Erkrankungen bietet sich eine auf die Krankheit abgestimmte Ernährung an – so bei der Laktoseintoleranz oder der Zöliakie.

Selbstverständlich gibt es für jede Krankheit ein spezielles Vorgehen mit Ernährungshinweisen, Medikamenten oder möglicherweise anderen Maßnahmen wie Krankenhausaufenthalt, Infusionen oder Operationen – das finden Sie bei der jeweiligen Erkrankung.

Vorbeugende Maßnahmen

Ernährung, Bewegung, Krebsvorsorge - das sind die drei wichtigsten Eckpunkte für ein gesundes Magen-Darm-System.

  • Ballaststoffreiche Ernährung mit einem hohen Gemüse- und Obstanteil hält die Verdauung in Schwung und ist als Schutz vor Krebs und Divertikel-Erkrankungen anerkannt. Gerade Ernährung wird inzwischen als wichtiger Faktor bei der Krebsentstehung gewertet.
  • Ausreichende Bewegung unterstützt den Darm bei seiner täglichen Arbeit, für kleine Übungen zwischendurch bietet sich das 20-Punkte-Programm an. So kommt die Darmtätigkeit in Gang und Blähungen oder Verstopfung werden vermieden. Außerdem sind Bewegungs- und Entspannungsübungen bei stressbedingten Erkrankungen wie Gastritis oder Reizdarm Balsam für Seele und Magen.
  • Die Krebsvorsorge – ein heikles Thema. Darmkrebs ist häufig, wird meist leider zu spät erkannt und könnte doch oft frühzeitig behandelt oder sogar geheilt werden – wenn die kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen besucht würden! Leider nehmen jedoch nur jeder sechste Mann und jeder zweite Frau die Früherkennungsmaßnahmen wahr.

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letzte Aktualisierung: 03.02.2012
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