Herzklappenchirurgie
Das Herz besteht aus vier Kammern. Die beiden oberen Kammern werden jeweils als Vorhof oder Atrium bezeichnet und die beiden unteren, die das Blut in den Organismus pumpen, nennt man Hauptkammern oder Ventrikel. Das Herz besitzt vier Klappen (Abb. 127), die wie Ventile den Blutfluss ins Herz und aus dem Herzen regeln: Zwei davon befinden sich zwischen Herzvorhöfen und Herzkammern (Mitral- und Trikuspidalklappen). Die andere zwei (Aorten- und Pulmonalklappen) liegen am Übergang der Kammer zu den großen Blutgefäßen. Die Herzklappen steuern durch zeitlich abgestimmtes Öffnen und Schließen den Bluteinstrom in die Herzkammern und den Ausstrom in die Körperschlagadern (Aorta bzw. Lungenschlagader).
Herzklappenerkrankungen können in einigen Fällen bereits seit der Geburt bestehen, die sich mit zunehmenden Alter verschlechtern und manifest werden. Manche Klappenerkrankungen entstehen erst im Erwachsenenalter durch Verkalkung oder im Anschluss an bestimmte Infektionen/Entzündungen rheumatischer Art. Anzeichen einer Herzklappenerkrankung sind meist körperlicher Leistungsabfall und Kurzatmigkeit, besonders unter Belastung. Durch Entzündungen, Verkalkungen oder angeborene Gewebsveränderungen kann eine Herzklappe schlussunfähig (insuffizient) oder zu eng (stenotisch) werden. Das führt bei der insuffizienten Klappe dazu, dass Blut in die falsche Richtung („rückwärts“) fließt, bei der stenotischen, dass der Blutfluss behindert wird. Beides führt zu einer unzureichenden Herztätigkeit und Herzmuskelüberbelastung. Bei der Herzklappenoperation wird mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine, die Funktion des Herzens und der Lunge übernommen, sodass der Chirurg am nicht schlagenden Herzen und ungestört von Atembewegungen der Lunge die defekte Klappe operieren kann.
Bei defekten Herzklappen bestehen zwei Operationsmöglichkeiten: die Klappenrekonstruktion oder der Klappenersatz. Bei der Herzklappenrekonstruktion bleibt die eigene Herzklappe erhalten. Eine Verengung kann durch Trennung der verlöteten Klappenanteile (Klappensegel) oder Entfernung von überschüssigem Gewebe behoben werden. Bei einem unvollständigem Klappenschluss kann ein Kunststoffring in den Klappenansatz eingenäht werden, der die Klappe wieder funktionsfähig macht und eine erneute Erweiterung des Klappenhalteapparates verhindert. Meist ist es bei Mitralklappenoperationen möglich, die körpereigene Klappe durch Rekonstruktion zu erhalten (Abb. 128).
Wenn eine Rekonstruktion nicht durchführbar ist, wird die defekte Herzklappen entfernt und durch eine Prothese ersetzt. Man unterscheidet grundsätzlich mechanische und biologische Herzklappenprothesen. Die mechanischen Herzklappenprothesen zeichnen sich durch eine besondere Langlebigkeit aus, machen für den Patienten allerdings die Einnahme gerinnungshemmender Medikamente erforderlich. Die biologischen Herzklappenprothesen haben den Vorteil, dass nur kurzfristig gerinnungshemmende Medikamente eingenommen werden müssen. Ein Nachteil jedoch ist, dass sie schneller degenerieren/ verkalken. Eine besondere Form des Aortenklappenersatzes ist die Ross-Operation, bei der die Verpflanzung der eigenen Lungenschlagaderklappe in die Position der defekten Aortenklappe durchgeführt wird und die Pulmonalklappe durch eine biologische Klappe vom Schwein oder Menschen ersetzt wird.
Für jeden Patienten muss individuell entschieden werden, welcher Herzklappenersatz am besten geeignet ist.
Künstliche Herzklappen
Ein Vorteil der künstlichen Klappen ist ihre inzwischen nahezu unbegrenzte Haltbarkeit bei weitestgehender Verschleißfreiheit. Nachteil der künstlichen Herzklappen sind die vom Körper als körperfremd erkannten Oberflächen, auf denen sich Blutgerinnsel bilden können. Diese Blutgerinnsel können zu Embolien in anderen Organsystemen führen. Um das zu verhindern, müssen Patienten mit künstlichen Herzklappen ein gerinnungshemmendes Medikament einnehmen, welches zu einer Blutverdünnung führt. Da die Blutungsneigung dann steigt, muss die Blutgerinnung gut eingestellt werden. Dazu sind lebenslange Kontrollen, entweder durch den Hausarzt oder seit neuestem durch den Patienten selber erforderlich. Kunstklappen sind für jüngere Patienten meist die am ehesten geeigneten Implantate.
Biologische Herzklappen
Biologische Klappen werden in erster Linie von Schweinen gewonnen. Sie haben den wesentlichen Vorzug, dass nach Ablauf weniger Monate keine gerinnungshemmende Medikation mehr erforderlich ist. Nachteil ist die begrenzte Lebensdauer der Klappe (im Mittel ca. 10 Jahre) und damit ggf. die Notwendigkeit einer erneuten Herzoperation. Aber auch das ist – insbesondere, wenn sich die Patienten schon vor Eintritt einer bleibenden Schädigung des Herzmuskels wieder vorstellen – chirurgisch gut möglich. Aufgrund der begrenzten Lebensdauer werden biologische Herzklappen bei älteren Patienten eingesetzt oder wenn Gegenanzeigen für die Blutverdünnung bestehen.
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