pAVK-Risikofaktoren konsequent ausschaltenWichtig ist es, konsequent die
Risikofaktoren auszuschalten:
Rauchen,
Bluthochdruck, zu hohe Blutfettwerte,
Diabetes und Übergewicht. Tatsächlich haben über 80 Prozent der
pAVK-Patienten mindestens einen oder zwei dieser
Risikofaktoren. Allerdings spielen auch Alter, Geschlecht und erbliche Veranlagung bei der Entstehung der
pAVK eine Rolle.
Ein ganz wichtiger Schutzfaktor ist mehr Bewegung. Im
frühen pAVK-Stadium bilden Gehtraining und spezielle Gymnastik die Grundlage der Behandlung. Regelmäßiges Training von täglich 30 bis 40 Minuten hat sich hier als äußerst wirksam erwiesen. Es führt unter anderem zur Bildung neuer Blutgefäße, die einen verstopften Gefäßabschnitt umgehen und die Muskulatur wieder mit Sauerstoff versorgen können. Die Schmerzen nehmen ab, die mögliche Gehstrecke wird oft erheblich verlängert. Das Programm sollte allerdings mit dem Arzt abgestimmt sein, denn bei Ruheschmerzen oder wenn schon Gewebe zugrunde gegangen ist, kommt das Bewegungstraining in der Regel nicht mehr in Frage.
Unterstützt wird die
pAVK-Therapie durch Medikamente: durchblutungsfördernde Substanzen wie zum Beispiel Prostaglandine sowie sogenannte Thrombozytenfunktionshemmer und Gerinnungshemmer. Thrombozytenfunktionshemmer (wie z.B. ASS) wirken auf die Blutblättchen und verhindern so das Entstehen von Blutgerinnseln (Thromben). Gerinnungshemmer setzen die Blutgerinnungsfähigkeit herab. Das bekannteste Medikament dieser Gruppe ist sicherlich Marcumar. Da die Erkrankung nicht nur die Beine betrifft, sondern den gesamten Körper, haben
pAVK-Patienten ein hohes kardiovaskuläres Risiko. Daher wird die lebenslange Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) und eines Fettsenkers empfohlen.
Wiederherstellung der Durchblutung als Teil der pAVK-TherapieWenn Gliedmaße gefährdet sind, muss die Durchblutung durch einen Eingriff wieder hergestellt werden. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Mittels „Ballon-Dehnung“ (Perkutane Transluminale Angioplastie oder kurz
PTA) können Engstellen von innen aufgedehnt werden. Dabei wird zunächst ein Draht unter Röntgenkontrolle bis zur Engstelle vorgeschoben und dann der Ballon aufgepumpt. Sogenannte
Stents (Gefäßprothesen) halten das Gefäß von innen offen. Bei längerstreckigen Verschlüssen kann eine ‚Gefäßumgehung’ mittels Bypass nötig sein. Solche Bypässe können aus Kunststoff oder besser aus körpereigenen Venen des pAVK-Patienten gemacht werden. Der langfristige Erfolg hängt jedoch auch bei diesen Verfahren von der Mitarbeit des Patienten ab, d.h. der konsequenten Ausschaltung der pAVK-
Risikofaktoren, regelmäßigem Gehtraining und korrekter Einnahme der Medikamente.
Wann sollte die Rauchentwöhnung beim pAVK-Patienten stattfinden? Eine besondere Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang die Problematik der Suchtbehandlung: So wichtig das Ausschalten des großen Risikofaktors
Rauchen auch ist, sollte man es dem
pAVK-Patienten allerdings nicht unbedingt parallel zur Behandlung in der Klinik zumuten. Die Belastung für den Patienten durch die Behandlung bzw. den Eingriffs ist so schon sehr hoch. Es genügt völlig, wenn das
Rauchen nach Verlassen der Klinik endgültig aufgegeben wird.
Notfall bei der pAVK: Akuter GefäßverschlussBei einem akuten Gefäßverschluss ist die betroffene Gliedmaße bedroht. Die Durchblutung muss so schnell wie möglich wieder hergestellt werden. Es handelt sich also um einen echten Notfall. Auf einen akuten Gefäßverschluss deuten plötzlich einsetzende, schwere Schmerzen und ausgeprägte Blässe (keine Durchblutung) an der betroffenen Gliedmaße hin, Gefühlsstörungen und Bewegungsunfähigkeit. Hier ist unverzüglich der Notarzt zu rufen – es geht um jede Minute!
Bis zum Eintreffen des Notarztes sollte das Bein tief gelagert werden. Keinesfalls durchblutungsfördernde Mittel geben oder Wärmeanwendungen (Wärmflasche) machen. Eine Auflistung der eingenommenen Medikamente bereit halten.
pAVK-Behandlung nur in zertifizierten Zentren!Patienten mit Durchblutungsstörungen, die behandelt werden müssen, sollten sich hierzu unbedingt in zertifizierte Gefäßzentren begeben. Die Auflagen der Fachgesellschaften für die Zertifizierung sind hoch. U.a. müssen hier mehrere Fachrichtungen bei der Behandlung zusammenarbeiten. Nur wer wirklich alle Behandlungsoptionen vorhält, kann die für den jeweiligen
pAVK-Patienten optimale Behandlung auswählen. Behandlungseinrichtungen, die nur über Kathetertechniken, nicht aber über eine ausgereifte Gefäß
chirurgie verfügen, sind zwangsläufig auf ‚einem Auge blind’. Es lohnt sich für den
pAVK-Patienten also, sich diesbezüglich im Vorfeld genau zu informieren.
Das Mittun des pAVK-Patienten ist gefragt!Eine fortgeschrittene
Arteriosklerose ist nicht rückgängig zu machen. Man kann das Fortschreiten aber erheblich verlangsamen und unter Umständen sogar ganz stoppen. Zunächst einmal müssen hierfür die
Risikofaktoren ausgeschaltet werden, d.h. auf das
Rauchen verzichten,
Cholesterin- und Blutzuckerwerte optimal einstellen und Gewicht reduzieren. Gefäßpatienten sollten regelmäßig
Blutdruck, Blutzucker, Fett- und Harnsäurewerte kontrollieren lassen und ihre Medikamente zuverlässig einnehmen. Mehr Bewegung ist wichtig, insbesondere, wenn die arterielle Durchblutungsstörung noch nicht so weit fortgeschritten ist. Bei Wunden an den Beinen, die einfach nicht heilen wollen, sollte immer auch an eine Durchblutungsstörung als Ursache gedacht werden!
letzte Aktualisierung: 14.05.2012
Artikelinformationen zu pAVK (periphere Arterielle Verschlusskrankheit)