Morbus Osler
Bei Morbus Osler handelt es sich um eine Erkrankung der Blutgefäße, die mit einer Erweiterung der kleinen Blutgefäße (Teleangiektasien) in Haut, Schleimhaut und inneren Organen einhergeht. Morbus Osler wird dominant vererbt und tritt deshalb familiär gehäuft auf. Das häufigste Symptom von Morbus Osler ist Nasenbluten, das in der Regel in der Pubertät erstmalig auftritt.
Definition: Morbus Osler
Morbus Osler, mit vollem Namen auch Morbus Rendu-Osler-Weber genannt, ist eine Erkrankung der Blutgefäße. Im Gegensatz zur Gefäßverkalkung (
Arteriosklerose), die mit einer Gefäßverengung einhergeht, handelt es sich bei Morbus Osler um eine Erweiterung der Blutgefäße. Von Morbus Osler betroffen sind meist die kleinen Gefäße (
Teleangiektasien) in
Haut, Schleimhaut und inneren Organen. Bei Verletzungen dieser Gefäßerweiterungen kommt es im Bereich der
Nase zu Nasenbluten, in der
Lunge zu Lungenbluten und im Magen-Darm-Trakt zum Magendarmbluten.
Vererbung von Morbus Osler
Da die Krankheit Morbus Osler vererbt wird, wird sie im Schrifttum auch als „hereditäre Hämorrhagische Teleangiektasie“ (angeborene blutende Erweiterung der kleinen Gefäße) bezeichnet. Morbus Osler wird dominant vererbt und tritt deshalb familiär gehäuft auf. Statistisch gesehen wird Morbus Osler auf die Hälfte der Nachkommen vererbt. Obwohl die Anlage zu dieser Krankheit bereits bei der Geburt im Erbgut vorhanden ist, zeigen sich Krankheitssymptome erst mit fortschreitendem Lebensalter. Oft treten die ersten Symptome, zumeist Nasenbluten, in der Pubertät erstmalig auf.
Häufigkeit von Morbus Osler
Die Krankheit Morbus Osler ist nicht so selten und kann örtlich gehäuft auftreten. Je nach Region ist entweder jeder zweitausendste, eventuell jeder hunderttausendste Bewohner von dieser Erkrankung betroffen. Da Morbus Osler oft nicht erkannt wird, muss von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.
Historisches zu Morbus Osler
Die Erstbeschreibung von Morbus Osler erfolgte 1864 durch Dr. Sutton. Er beschrieb die Kombination von Nasenblutungen und Gefäßerweiterungen. Im selben Jahr beschrieb Dr. Babington, dass diese Krankheit familiär gehäuft auftritt. 1896 grenzte der französische Arzt Dr. Rendu diese Erkrankung von der Bluterkrankheit Hämophilie ab. 1901 beschrieb der englische Arzt Dr. Osler, dass die Erkrankung auch mit Beteiligung der inneren Organe einhergeht. Der deutsche Arzt Dr. Weber hat 1907 die erste Zusammenstellung von mehreren Patienten mit Morbus Osler veröffentlicht. 1909 prägte der Arzt Dr. Hanes den Begriff „hereditäre Hämorrhagische Teleangiektasie“. Bei der Namensgebung wurde aber nur der Franzose Rendu, der Engländer Osler und der Deutsche Weber berücksichtigt.
Auswirkungen von Morbus Osler
Beim Morbus Osler kommt es zu Beginn der Erkrankung zu einer herdförmigen Erweiterung der Venen. Die daraus resultierende Zunahme des Blutflusses führt dann zur Erweiterung der zu- und abführenden Gefäße. Oberflächlich gelegene Gefäße erweitern sich, wölben die
Haut vor und sind dadurch leicht verletzlich. Diese erweiterten Gefäße (
Teleangiektasien) sind an charakteristischen Stellen wie Zunge, Lippe, Wange oder Finger sichtbar (Abbildung 1 und 2).
Ursache für Morbus Osler
Die Ursache für Morbus Osler ist eine Veränderung (
Mutation) im Erbgut der Zellen. Mindestens drei verschiedene Gene sind bei Morbus Osler besonders betroffen: das Endoglin-Gen, das ALK-Gen (Aktivinreceptor Like Kinase) oder das SMAD 4-Gen. Die häufigste
Mutation ist im Endoglin-Gen (60 Prozent), seltener im ALK-Gen (30 Prozent) und im SMAD-Gen (4 Prozent). Durch
Mutation eines oder mehrerer Gene kommt es zur Veränderung im TGF-Beta (transforming growth factor) – Stoffwechsel.
Alle drei Gene sorgen nämlich normalerweise dafür, dass TGF-Beta vermittelte Instruktionen von der Zelloberfläche zum Zellkern korrekt weitergeleitet werden. Der Signalweg beginnt, wenn das TGF-Beta-Eiweiß sich an den
Rezeptor der Zelloberfläche bindet. Dieser aktiviert dann eine Reihe von SMAD-Proteinen, die mit dem SMAD 4-Protein einen Eiweißkomplex bilden, welcher nunmehr in den Zellkern gelangen kann. Im Zellkern bindet sich dieser SMAD-Proteinkomplex spezifisch an bestimmte Areale der Erbinformation und reguliert die Aktivität von Genen für Zellwachstum und für Zellteilung. Bei
Mutation eines dieser drei Gene kann das chemische Signal von der Zelloberfläche nicht mehr korrekt in den Zellkern weitergeleitet werden.
Die verschiedenen Mutationen im Erbgut können zu verschiedenen Organbeteiligungen bei Morbus Osler führen. Lippen und
Nase sind in allen drei Mutationen in etwa gleich häufig betroffen. Jedoch treten die Manifestationen bei
Mutation im ALK-Gen etwa 20 Jahre später auf als bei
Mutation im Endoglin-Gen. Die
Mutation im ALK-Gen geht überwiegend mit Leberbeteiligung und die
Mutation im Endoglin-Gen mit Lungenbeteiligung einher. Mutationen im SMAD 4-Gen können neben dem Morbus Osler eine Polyperkrankung des Darms (juvenile Polyposis) hervorrufen. Patienten mit dieser
Mutation leiden sowohl an Morbus Osler als auch an Darmpolypen.
letzte Aktualisierung: 27.05.2012
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