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Herzbeutelentzündung (Perikarditis) - Symptome / Diagnose

Was sind Symptome der Perikarditis (Herzbeutelentzündung)?


Die Symptomatik der Perikarditis ist abhängig von Ursache, Intensität und Verlauf der Erkrankung. Ein typisches Symptom der akuten Perikarditis ist ein zum Teil scharfer, sich hinter das Brustbein projizierender, gelegentlich auch in Hals oder Schulterregion ausstrahlender Schmerz, der sich bei Einatmung verstärken kann und auch in Abhängigkeit der Körperlage variieren kann. Dabei kann eine liegende Körperposition den Schmerz verstärken, Sitzen mit vorgebeugtem Oberkörper kann den Schmerz vermindern. Allgemeine Symptome wie Fieber, Schwitzen und Leistungsabnahme sind meist bedingt durch die Grunderkrankung, in deren Rahmen die Perikarditis auftritt. Gelegentlich stehen diese Beschwerden im Vordergrund, so dass die perikardiale Erkrankung nur zufällig im Rahmen der Begleituntersuchungen (z.B. Herzultraschall, Ekg, Röntgen des Brustkorbes) diagnostiziert wird.



Die typischen perikardialen Schmerzen treten häufig im Anfangsstadium der Erkrankung auf. Entwickelt sich im Verlauf ein Herzbeutelerguss, können sich die Beschwerden deutlich bessern oder weitgehend verschwinden. Eine insbesondere schnelle Flüssigkeitszunahme im Herzbeutel kann die Herzfüllung behindern und damit zu Luftnot, Kreislaufbeschwerden und in manchen Fällen zum Kreislaufversagen führen („Perikardtamponade“). Hier ist eine umgehende Entlastungspunktion des Herzbeutelergusses erforderlich.

Akut-rezidivierende und chronische Verläufe zeigen eine vielfältige klinische Symptomatik, welche u.a. von der Form der Grunderkrankung und der Krankheitsaktivität, dem subjektiven Krankheitsempfinden und dem Ansprechen auf die medikamentöse Therapie abhängig sind.

Herzultraschall bei Perikarderguss. Die Echokardiographie weist hier den bedeutsamen Herzbeutelerguss zweifelsfrei nach
Herzultraschall bei Perikarderguss. Die Echokardiographie weist hier den bedeutsamen Herzbeutelerguss zweifelsfrei nach
Kardio-MRT bei Herzbeutelerguss (Pfeile) im Rahmen einer fibrinösen Perikarditis
Kardio-MRT bei Herzbeutelerguss (Pfeile) im Rahmen einer fibrinösen Perikarditis



Wie entsteht die Diagnose Perikarditis (Herzbeutelentzündung)?


Der erfahrene Arzt vermutet die Perikarditis bereits bei einer typischen Beschwerdesymptomatik. Mittels einer körperlichen Untersuchung kann er im Stadium der fibrinösen Perikarditis ein typisches Reibegeräusch der entzündlich veränderten Blätter des Herzbeutels mit dem Stethoskop erkennen („Perikardreiben“). Der Geräuschcharakter wird mit herzschlagsynchronem Lederknarren oder dem Geräusch von Tritten auf frisch gefallenem Schnee verglichen.

Das Elektrokardiogramm kann typische Veränderungen in Abhängigkeit des jeweiligen Krankheitsstadiums zeigen. Meist kann der behandelnde Arzt mit Hilfe des Ekg-Befundes und der geschilderten Beschwerden das Krankheitsbild von einem Herzinfarkt abgrenzen.

Im Herzultraschall („Echokardiographie“) können bereits geringe krankhafte Flüssigkeitsmengen im Herzbeutel sicher erkannt werden. Zudem können Verdickungen der Blätter des Herzbeutels wie auch Ablagerungen von Entzündungseiweißen nachgewiesen werden. Eine Ergussmenge im Herzbeutel kann ohne Röntgenstrahlung dokumentiert, im Verlauf kontrolliert und hinsichtlich ihrer Auswirkung auf die Herzfunktion sicher interpretiert werden.

Eine Röntgen-Aufnahme des Brustkorbes wird in Hinblick auf z.B. eine ursächliche Lungenentzündung durchgeführt und zeigt im Falle eines deutlichen Herzbeutelergusses eine typische so genannte „bocksbeutelartige“ Verbreiterung des Herzschattens.

Bei Schwierigkeiten in der echokardiographischen Zuordnung und Lokalisation eines Perikardergusses kann eine Computertomographie hilfreich sein. Echokardiographisch unzureichend darstellbare Perikardergüsse können in Hinblick auch auf eine Punktion genau lokalisiert werden. Eine Dichtemessung mittels Computertomographie kann helfen, den Charakter der Flüssigkeit weiter zu differenzieren, auch kann die Dicke des Perikards genau bestimmt werden. Im Falle einer fortgeschrittenen chronischen Entzündung ist die CT-Untersuchung das Mittel der Wahl, um Verkalkungen im Herzbeutel nachzuweisen. Dies kann in Hinblick auf ein operatives Vorgehen bei Vorliegen eines Panzerherzens erforderlich sein. Fragen nach anderweitigen Ursachen einer Herzbeutelentzündung im Brustkorb werden mit der CT-Untersuchung sicher beantwortet.

Neuere Methoden wie die Magnetresonanztomographie des Herzens („Kardio-MRT“) können zur weiteren Diagnostik erforderlich sein. Die Frage nach einer ursächlichen oder begleitenden Herzmuskelentzündung kann die Kardio-MRT mit der höchsten Aussagekraft im Vergleich zu anderen bildgebenden Methoden beantworten. Die Entzündungsreaktion und Verdickung der Herzbeutelblätter kann nachgewiesen und im Verlauf ohne Röntgenstrahlenbelastung kontrolliert werden. Die Kardio-MRT gewährleistet eine Gewebedifferenzierung von Herzmuskel und Perikard. In ihrer Aussagekraft ergänzen sich Echokardiographie, CT und Kardio-MRT und können daher gemeinsam zur optimalen Diagnostik erforderlich sein.

Laboruntersuchungen bestätigen die entzündliche Reaktion im Blut. Weiterführende Untersuchungen werden ggf. in Hinblick auf Erregernachweis, Tuberkulosescreening und Diagnostik im Falle des Verdachtes auf seltene ursächliche Erkrankungen (z.B. Autoimmunerkrankungen) durchgeführt.

Ggf. werden auch je nach Verdachtsdiagnose der vermuteten zugrunde liegenden Erkrankung weitere medizinische, z.B. endoskopische, bildgebende oder operative Untersuchungen mit Gewebeentnahmen erforderlich.

Die Punktion eines Herzbeutelergusses wird therapeutisch erforderlich bei einer Herzbeuteltamponade. Auch größere symptomatische Ergüsse (> 20 mm Separation, gemessen vor der Kontraktionsphase der Herzkammern) sollten punktiert werden, ebenso, wenn der Verdacht auf eine tuberkulöse oder eitrige Perikarditis besteht. Eine Punktion kann auch bei kleineren Ergüssen zu diagnostischen Zwecken bei ungeklärtem oder Verdacht auf einen malignen (d.h. durch Krebszellen bedingten) Erguss durchgeführt werden. Die anschließende laborchemische, mikrobiologische und zytologische Aufarbeitung des Ergusses führt zur ursächlichen Diagnose der Perikarditis. Eine Punktion sollte nicht durchgeführt werden, wenn die Diagnose anderweitig gestellt werden kann oder der Erguss zu klein ist und daher nicht gefahrlos punktiert werden kann.

Spezialisierte Zentren verfügen über die Möglichkeit einer endoskopischen Untersuchung des Herzbeutels („Perikardioskopie“) mit ggf. auch Gewebeentnahme aus dem Herzbeutel zu diagnostischen Zwecken.
letzte Aktualisierung: 14.05.2012

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