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Angina Pectoris - Hintergrund / Einleitung

Angina Pectoris ist die Bezeichnung für den typischen Schmerz, der im Zusammenhang mit einem Sauerstoffmangel des Herzens auftritt.

Einteilung

Man unterscheidet die stabile und die instabile Angina Pectoris.

Stabile Angina Pectoris

„Stabil“ bedeutet, dass Angina Pectoris immer unter denselben Umständen auftritt. Dabei ist zu beachten, dass sich die Schwere der Angina Pectoris nicht in der Heftigkeit des Schmerzes definiert, sondern in der Leichtigkeit, mit der die Schmerzen ausgelöst werden können. Angina Pectoris, die erst bei sehr schweren körperlichen Belastungen ausgelöst wird, ist als leichtere Erkrankungsform anzusehen als die Angina, die bereits bei den leichtesten Belastungen (z.B. beim morgendlichen Ankleiden) oder im Ruhezustand auftritt. Dementsprechend lautet die Einteilung der stabilen Angina Pectoris (nach der Kanadischen Herzgesellschaft):

  • Stadium 1 (sehr leichte Form): Keine Beschwerden im täglichen Leben. Angina Pectoris nur bei schweren Anstrengungen.
  • Stadium 2: Aktivitäten des täglichen Lebens nur gering eingeschränkt: Angina Pectoris beim schnellen Treppen steigen oder schnellen Gehen, im Bergauf-Gehen, normal schnellem Gehen oder Treppen steigen nach Mahlzeiten, bei Kälte, gegen Wind, beim Steigen von mehr als 1 Etage Treppen steigen mit normaler Geschwindigkeit.
  • Stadium 3: Aktivitäten des täglichen Lebens deutlich eingeschränkt: Angina Pectoris bei 1 Etage Treppesteigen oder weniger mit normaler Geschwindigkeit.
  • Stadium 4 (sehr schwere Form): Auch leichte Aktivitäten des täglichen Lebens nicht ohne Angina Pectoris möglich, Beschwerden schon in Ruhe.

Instabile Angina

„Instabil” bedeutet, dass die Angina Pectoris den bis dahin gewohnten Charakter ihres Auftretens verändert. Trat Angina bis dahin nur bei schweren Belastungen auf und tritt sie nun bei leichten Belastungen auf, so bezeichnet man diesen Wechsel als „instabile Angina”. Ebenso bedeutet „instabile Angina” das ungewohnte Auftreten von Angina Pectoris unter Ruhebedingungen, wenn sie bislang nur unter körperlichen Belastungen auftrat. Die instabile Angina Pectoris wird wie folgt eingeteilt:

Ruheangina

Angina, die in körperlicher Ruhe auftritt, wobei die Schmerzanfälle mehr als 20 Minuten andauern.

Neue Angina

Schwere Angina Pectoris bei leichten Belastungen (z.B. bei 1 Etage Treppen steigen), die sich innerhalb von 2 Monaten neu entwickelt hat oder bereits bekannte Angina Pectoris, die sich in der Häufigkeit ihres Auftretens, der Dauer der Schmerzanfälle oder der Leichtigkeit ihrer Auslösung derartig stark verschlimmert hat, dass sie bereits bei leichten Belastungen auftritt.

Zunehmende Angina

Angina Pectoris, die sich innerhalb von 2 Monaten um mindestens 1 Schweregrad nach der Einteilung der stabilen Angina Pectoris verschlimmert hat.

Krankheitserscheinungen Typische Angina Pectoris

Typische Angina Pectoris ist ein Schmerz, der die folgenden Merkmale beinhaltet:

Art des Schmerzes

  • Druck in der Herzgegend, Schwere- oder Engegefühl in der Brust
  • Brennender Schmerz Luftnot mit Einengungsgefühl im Hals oder hinter dem Brustbein (als ob es einem die Luft abschnürt)
  • Langsames An- und Abschwellen des Schmerzes (kein plötzlicher Beginn und kein abruptes Ende).

Ort des Schmerzes

  • Über dem Brustbein oder in seiner Nähe
  • An jeder Stelle zwischen der Mitte des Oberbauches und dem Hals
  • Gelegentlich in linker Schulter oder linkem Arm
  • Im linken Schulterblatt oder über dem linken Schulterblatt
  • Unterkiefer
  • Nackenbereich.

Dauer des Schmerzes

30 Sekunden bis zu 30 Minuten.

Auslösende Ursachen

  • Körperliche Belastungen
  • Arbeiten, bei denen mit den Armen über Kopf gearbeitet wird
  • Kälte
  • Gehen gegen Wind
  • Gehen nach großen Mahlzeiten
  • Aufregungen, Streß, Ärger
  • Geschlechtsverkehr.

Wirkung auf Nitro-haltige Medikamente

  • Nachlassen des Schmerzes innerhalb von 45 Sekunden bis 5 Minuten nach Einnahme Nitro-haltiger Medikamente (z.B. Nitrolingual- Spray®).

Ausstrahlung des Schmerzes

  • Innenseite des linken Armes
  • Linke Schulter
  • Unterkiefer
  • Gelegentlich rechter Arm.

Untypische Angina Pectoris

Neben typischer Angina Pectoris gibt es auch untypische Beschwerden: Dies kann sich sowohl auf die Art der Schmerzen als auch auf den auslösenden Mechanismus beziehen. Beispielsweise können atypische Angina- Beschwerden scharf und stechend sein, die schmerzauslösenden Ursachen können in ungewöhnlichen Situationen, etwa bestimmten Körperhaltungen bestehen, der Schmerz kann ausschließlich nachts auftreten oder er tritt während einer körperlichen Anstrengung auf, verschwindet dann aber bei Fortsetzung der Belastung.

Am häufigsten entsteht Angina Pectoris im Rahmen der Koronaren Herzkrankheit, die zu Verengungen der Herzkranzarterien (Koronargefäße) führt.

Andere Ursachen sind

  • Herzklappenfehler
  • Herzfehler
  • Erhöhung des Blutdrucks (Bluthochdruckkrankheit): Führt einerseits bei chronischer Blutdruckerhöhung zu Verengungen der Herzkranzarterien und andererseits bei akuter Blutdruckerhöhung dazu, dass der Herzmuskel mit der ihm angelieferten Sauerstoffmenge nicht mehr auskommt, was zum relativen Sauerstoffmangel und zur Angina Pectoris führt. Vergleichbar mit einem Automotor mit verengter Benzinleitung: Im Leerlauf bekommt der Motor genügend Benzin, unter Vollgas fließt aber nicht genügend Benzin durch die Leitung und der Motor stottert.
  • Anämie (Verminderung des roten Blutfarbstoffes): Der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin) ist für den Transport des Sauerstoffes im Blut verantwortlich. Enthält das Blut zu wenig Hämoglobin, kann das Blut zu wenig Sauerstoff transportieren, dem Herzmuskel wird zu wenig Blut geliefert und es kommt zum (relativen) Sauerstoffmangel des Herzmuskels und zur Angina Pectoris.
  • Reizungen der Speiseröhre: Die Speiseröhre liegt unmittelbar hinter dem Herzen. Schmerzhafte Irritationen der Speiseröhre (z.B. bei Speiseröhrenentzündungen infolge Rückflusses von Magensäure in die Speiseröhre) können daher auf das Herz ausstrahlen und wie eine Angina Pectoris erscheinen.
  • Hiatushernie (Vorfall des Magens oder eines Teiles des Magens in den Brustkorb durch eine Erweiterung des Loches im Zwerchfell, durch das die Speiseröhre in den Bauchraum gelangt)
  • Magengeschwür
  • Gallenkolik
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Erkrankungen der Muskeln, Bänder und Knochen des Brustkorbes und der Schultern
  • Verschleiß der Halswirbelsäule: Führt zu Reizungen der Nerven, die für die Schmerzempfindung des Brustkorbes verantwortlich sind
  • TIETZE-Syndrom: Schmerzhafte Entzündung des Knorpels zwischen Rippen und Brustbein
letzte Aktualisierung: 25.01.2010
Autor - Dr. Andreas Lauber 
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