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Diagnose und Vorsorge - Krankheitsbild - Nicht-invasive Koronarangiografie

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Nicht-invasive Koronarangiografie
Nicht-invasive Koronarangiografie

Viele Herzkatheteruntersuchungen in Deutschland werden durchgeführt, ohne dass sich für die Patienten eine therapeutische Konsequenz ergibt. Häufig führen unspezifische Beschwerden oder grenzwertige Testergebisse zur Herzkatheteruntersuchung. Die behandelnden Ärzte – und auch die Patienten – möchten „auf Nummer Sicher“ gehen und nicht riskieren, dass möglicherweise doch gefährliche Verengungen („Stenosen“) der Herzkranzgefäße vorliegen. In anderen Fällen erfolgt die Herzkatheterdiagnostik, um das Ergebnis nach einer Herzoperation oder einem Kathetereingriff zu kontrollieren, angeborene Auffälligkeiten der Herzgefäße auszuschließen oder den Zustand der Herzgefäße vor einer großen Operation an einem anderen Organ abzuklären. In diesen Fällen kann die Herzgefäßdiagnostik ohne Herzkatheter eine wertvolle Alternative bieten. Die CT-Angiografie mit intravenöser Kontrastmittelgabe ist der Herzkatheterdiag-nostik zwar an diagnostischer Genauigkeit unterlegen, erlaubt aber eine zuverlässige Beurteilung der großen, prognostisch bedeutsamen Herzgefäßabschnitte. Weil es nicht notwendig ist, eine arterielle Punktion durchzuführen und mit dem Katheter die Herzgefäße zu erreichen, entfallen die damit verbundenen Unannehmlichkeiten bzw. das (kleine) Risiko.

Die Zuverlässigkeit der kontrastverstärkten Herzgefäßdiagnostik hat sich mit den technischen Fortschritten in den vergangenen Jahren ständig verbessert. Bei guter Bildqualität kann der Abgang der Herzgefäße aus der Hauptschlagader und ihr Verlauf in den wichtigsten Abschnitten mit großer Sicherheit beurteilt werden. Verengungen dieser Gefäßabschnitte können mit hoher Genauigkeit erkannt werden. Die Ablagerungen in der Gefäßwand, welche die Verengungen verursachen, können häufig ebenfalls gut beurteilt werden. Als hochgradig gilt eine Verengung dann, wenn die Durchblutung des Herzmuskels unter Belastungsbedingungen, z.B. beim Treppensteigen, Laufen oder Fahrradfahren, behindert wird. Dies gilt ab einer Einengung des Gefäßdurchmessers um ca. 50 %. Eine genaue Angabe des Einengungsgrades ist mittels MSCT nicht möglich. Hochgradige Verengungen können aber als solche eingestuft werden.

Der Verengungsgrad sagt nicht unbedingt etwas über die Herzinfarktgefährdung aus. Herzinfarkte werden durch die Ablagerungen selbst verursacht und nicht durch die Verengung, die sie hervorrufen. Das Auftreten einer hochgradigen Verengung spricht aber dafür, dass die Herzgefäßerkrankung aktiv verläuft. Auch gelten Plaques mit hochgradiger Verengung als besonders gefährlich, insbesondere bei ungünstiger Lage in den zentralen Abschnitten des Herzgefäßsystems. Wenn notwendig, bringt die Beseitigung von hochgradigen Verengungen durch einen Herzkathetereingriff oder – seltener – eine Operation auch die Beseitigung der durch sie verursachten Beschwerden mit sich.

 

Ein wichtiges Ziel der CT-Koronarangiografie ist nicht nur das Erkennen von hochgradigen Verengungen, sondern im Umkehrschluss auch ihr zuverlässiger Ausschluss. Dies kommt Patienten zu Gute, bei denen auf diese Weise festgestellt werden kann, dass ein Eingriff an den Herzgefäßen nicht notwendig ist. Die Herzkatheterdiagnostik wird vermieden, weil sie keine therapeutische Konsequenz hätte.

Die Qualität der erreichten Bilder gibt den Ausschlag für die diagnostische Genauigkeit des Verfahrens. Nur bei scharfer Bildqualität und guter Kontrastfüllung der Gefäße ist eine sichere Beurteilung der wichtigen Herzgefäßabschnitte möglich. Um eine optimale Bildqualität zu erreichen, muss häufig ein Betablocker zur Senkung der Pulsfrequenz gegeben werden. Unter dieser Voraussetzung können mehr als 90 % der Gefäßabschnitte sicher beurteilt werden. Bei einzelnen Patienten mit starker Koronarverkalkung kann es schwierig sein, das kontrastmittelgefüllte Innere genau von der verkalkten Gefäßwand abzugrenzen.

Die Indikation zur CT-Koronarangiografie muss mit Sorgfalt gestellt werden. Letztlich sollte sie nur durchgeführt werden, wenn eine Herzkatheteruntersuchung im Raum steht, es also um die Frage eines Eingriffs an den Herzgefäßen geht. Patienten mit unklaren Beschwerden, einem nicht eindeutigen Ergebnis eines Belastungstests oder der Frage nach angeborenen oder erworbenen Auffälligkeiten der Herzgefäßanatomie können davon profitieren, dass eine Herzkatheteruntersuchung in vielen Fällen vermieden werden kann. Eine weitere Anwendung bezieht sich auf Patienten, bei denen der Zustand der Herzgefäße vor einer großen Operation oder einer belastenden Therapie geklärt werden muss. Insgesamt kann die nicht invasive CT-Koronarangiografie genutzt werden, wenn es wichtig erscheint, Verengungen der Herzgefäße auszuschließen oder weitergehende Information bei unklaren Befunden zu erhalten.

Weitere Anwendungen der MSCT

Die Möglichkeit, mittels MSCT größere Bereiche des Körperinneren sehr rasch und mit sehr guter Ortsauflösung abbilden zu können, wird häufig auch für andere Fragestellungen als die Herzgefäßdiagnostik eingesetzt. Das Verfahren ist aus der radiologischen Diagnostik nicht mehr wegzudenken. Es gibt Anwendungen an der Schnittstelle mit der Kardiologie. Hier steht besonders die Lungengefäßdiagnostik zur Diagnostik von Lungenembolien heraus. Nach Kontrastmittelgabe sind die Lungengefäße normalerweise frei von Kontrastmittel durchströmt. Wenn Gerinnsel („Thromben“) in die Lungenstrombahn eingeschwemmt worden sind, zeigen sich entsprechende Kontrastmittelaussparungen, die bis hinein in die Unterverzweigungen der großen Lungengefäße erkannt und ggf. behandelt werden können.

Zunehmende Bedeutung gewinnt auch die Diagnostik der Hauptschlagader mittels MSCT. Verletzungen oder degenerative Veränderungen, Ablagerungen und Aufweitungen können nach Kontrastmittelgabe mit sehr guter Genauigkeit beurteilt werden. Im Vergleich mit der Diagnostik der Herzgefäße ist diese Aufgabe ungleich leichter, weil die Aorta einen wesentlich größeren Durchmesser hat (2 - 3 cm) und sich nicht so stark bewegt.


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