|
||||||||
Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist seit geraumer Zeit ein fester Bestandteil der medizinischen Diagnostik. Mittels Radiofrequenzwellen in einem starken Magnetfeld werden Bilder vom Körperinneren erzeugt. Schädliche Nebenwirkungen sind bei dieser neuen Untersuchungstechnik nicht bekannt. Hierbei wird der Patient in eine offene Röhre gelegt und nach der Gabe eines Kontrastmittels mittels magnetischer Wellen untersucht. Das magnetische Feld in einem MRT ist mit 1.5 Tesla deutlich höher als das der Erde. Durch modernste Computerprogramme wird aus den gewonnenen Daten der MR-Untersuchung in diesem Feld ein Bild erzeugt. Neben der überlagerungsfreien Darstellung von Weichteilen, abdominellen Organen und dem Herzen gelingt neuerdings auch die dreidimensionale Abbildung des arteriellen Gefäßbaumes (MR-Angiografie, MRA). Mit einer am Universitätsklinikum Essen entwickelten Methode zur Ganzkörper-MRA (AngioSURF, Angiographic System for Unlimited Rolling Fields of View, MR-Innovation, Essen) kann innerhalb von 72 Sekunden das arterielle System des menschlichen Körpers überlagerungsfrei dargestellt und auf krankhafte Veränderungen untersucht werden. Somit ist dies eine schonende Methode zum Gefäßscreening. Die AngioSURF-Untersuchung beginnt bei den Arterien in Hals und Kopf, wo es oft zu lebensgefährlichen Verengungen der Gefäße kommen kann. Im Anschluss folgt die genaue Erfassung der großen Körperschlagader (Aorta) und ihrer Äste in Brustkorb und Bauch mit hoher Auflösung und diagnostischer Sicherheit bis hin zu den Gefäßen am Unterschenkel und Fuß. Bei vielen Patienten mit bekannten krankhaften Gefäßläsionen an einer Arterie konnten mittels AngioSURF weitere erkrankte Gefäßabschnitte sicher erkannt und erfolgreich therapiert werden. Lediglich die Herzkranzarterien, an denen hochgradige Veränderungen zum Herzinfarkt führen können, werden mittels AngioSURF nicht dargestellt. Wie funktioniert AngioSURF? Der Patient wird für die AngioSURF-Untersuchung auf einer mobilen Tischplattform gelagert, die auf sieben Rollenpaaren gleitet. Nach Bestimmung der Kreislaufzeit durch einen Testbolus erfolgt die Injektion eines gut verträglichen paramagnetischen Kontrastmittels. Auch Patienten mit Nierenfunktionsstörungen können in der Regel ohne besondere Vorbereitung dieses Kontrastmittel bekommen. Allergische Reaktionen treten äußerst selten auf. Die Untersuchung findet in Rückenlage mit den Füßen zur Öffnung des MR-Tomographen statt. Insgesamt erfolgt die dreidimensionale Datenakquisition bei AngioSURF über fünf Stationen in unmittelbarer zeitlicher Abfolge jeweils in der Mitte des Magneten. Diese fünf separaten Stationen decken je ein Gebiet von Kopf bis zu den Füssen ab. Der erste Datensatz umfasst den Aortenbogen unter Miteinbeziehung der Kopfgefäße, der zweite Datensatz beinhaltet die Aorta abdominalis mit ihren Ästen und den Nierenarterien, im dritten Datensatz wird das Beckengefäßsystem erfasst, und die beiden unteren Datensätze stellen schließlich die Oberschenkel- bzw. Unterschenkelarterien dar. Wann sollte man eine AngioSURF-Untersuchung bekommen? Die Untersuchung mit AngioSURF empfiehlt sich generell bei Patienten mit bekannter Atheriosklerose in einem frühen Stadium oder bei begründetem klinischen Verdacht auf eine arterielle Gefäßerkrankung. Atheriosklerose zeigt sich häufig durch abgeschwächte Pulse an den Extremitäten, Schmerzen in den Beinen beim Spazierengehen oder gelegentliche Schwindelanfälle, wenn hirnversorgende Arterien von Gefäßverengungen (so genannte Stenosen) oder -aussackungen (so genannte Aneurysmen) befallen sind. Größere Studien an Patienten mit nachgewiesener koronarer Herzerkrankung (KHK) konnten ebenso zeigen, dass sich die Atherosklerose keinesfalls nur an den Herzkranzarterien manifestiert, sondern auch an größeren Arterien (z.B. Nierenarterien) mit relevanten Veränderungen nachweisen lässt. Diese Patienten sollten auch ein systemisches Gefäß-Screening mittels AngioSURF bekommen, um zusätzliche Läsionen frühzeitig zu entdecken und entweder sofort zu therapieren oder durch regelmässige Kontrollen im Auge zu behalten. Patienten mit typischem kardiovaskulären Risikoprofil (Diabetes mellitus, Hyperlipoproteinämie, Zustand nach Herzinfarkt) sollten ebenfalls eine AngioSURF-Untersuchung erhalten. Gibt es Gegenanzeigen zu Angio-SURF? Für die AngioSURF gelten dieselben Kontraindikationen wie bei anderen Untersuchungen mittels Magnetresonanztomografie: Patienten mit Herzschrittmachern und implantierten Defibrillatoren können wegen möglicher Wechselwirkungen der Geräte mit dem MRT nicht untersucht werden. Das gilt ebenfalls für Träger von Cochlea-Implantaten im Ohr. Im Gegensatz dazu sind in der heutigen Zeit die meisten Metallstützen (Stents) und Herzklappen vollständig MR-kompatibel – hier droht keine Gefahr. Dennoch sollten betroffene Patienten vor einer AngioSURF-Untersuchung sowohl mit ihrem behandelnden Arzt als auch mit dem untersuchenden Radiologen Rücksprache halten, um sämtliche Fragen zu klären. Bei Patienten mit ausgeprägter Raumangst (Klaustrophobie) gelingt es meist durch ein Gespräch oder eine Beruhigungstablette, die Sorge vor der offenen Röhre zu nehmen. Aber hier gilt es, die Interessen des Patienten zu berücksichtigen und evtl. auf eine Angio-SURF-Untersuchung zu verzichten. Was ist die Konsequenz, wenn man eine krankhafte Gefäßveränderung findet? Nicht jede Gefäßveränderung bedarf einer sofortigen Therapie. Aber wenn bei Patienten ohnehin ein Katheter-Eingriff zum Beispiel an den Herzkranzarterien geplant ist, können Stenosen an den Nierenarterien oder am Oberschenkel, die mittels Angio- SURF gefunden wurden, im Rahmen einer gleichzeitigen minimalinvasiven Intervention behoben werden. Ein weiteres Ziel der Ganzkörper-MRA durch AngioSURF ist die Detektion solcher Gefäßveränderungen, die nicht unmittelbar therapiert werden, allerdings wiederkehrend beobachtet werden müssen. |
zum Amfrageformular