Verschluss eines Defektes in der Vorhofscheidewand
Ein „Loch“ in der Vorhofscheidewand führt zu einem Blutrückfluss aus der linken in die rechte Vorkammer des Herzens, und damit zu einer Belastung des rechten Herzens und der Lunge (Abb. 102 a u. b).
Dies führt u.a. zur Belastungseinschränkung, Rhythmusstörungen oder einem Lungenhochdruck. Der Veschluss eines solchen Loches kann interventionell mit einem sogenannten Schirmchen (Abb. 101) erfolgen, wenn der Defekt nicht zu groß ist und ein genügend breiter Randsaum zur Befestigung besteht. In allen anderen Fällen muss der Defekt operativ verschlossen werden. Mittlerweile sind eine ganze Reihe verschiedener Schirmsysteme auf dem Markt, die sich hinsichtlich Material und Implantationstechnik unterscheiden. Alle Schirmsysteme verbleiben für den Rest des Lebens im Herzen und werden nach einigen Wochen von einer körpereigenen Haut überzogen, sodass sie nicht mehr verrutschen können.
Verschluss eines offenen Ductus arteriosus (PDA)
Dabei handelt es sich um eine Gefäßverbindung zwischen Körper- und Lungenschlagader, die sich nicht spontan verschlossen hat. Die Notwendigkeit eines Verschlusses ist zweifelsfrei gegeben, wenn ein offener Ductus aufgrund seiner Grösse durch den Blutrückfluss in die Lunge den Kreislauf und das He
rz belastet. Liegt ein kleiner offener Ductus vor, wird die Indikation zum Verschluss aufgrund eines erhöhten Endokarditisrisikos gesehen (Abb. 103 a und b).
Drei weit verbreitete Verschluss-Systeme sind in den Abb. 102 a und b dargestellt. Die heute verwendeten Systeme zeigen mit Verschlussraten von über 90 % ähnliche Ergebnisse wie die nach einer Operation. Diese Verschlussraten werden allerdings nicht sofort nach der Implantation oder der Entlassung aus dem Krankenhaus erzielt, in einigen Fällen kommt es erst durch die bindegewebige Reaktion und Endothelisation im Verlauf von Tagen und Wochen zum kompletten Verschluss.
Verschluss von kollateralen Fisteln oder anderen krankhaften Gefäßverbindungen
Hierbei handelt es sich um verschiedene, seltene Gefäßverbindungen zwischen dem systemarteriellen oder pulmonalarteriellen Gefäßsystem einerseits und einem systemvenösen oder pulmonalvenösen Gefäßabschnitt andererseits. Meist liegt ein relativ hohes Druckgefälle und daraus resultierend eine hohe „Kurzschlussdurchblutung“ vor. Typische Beispiele sind Neugeborene mit einem großen Hämangiom und manifester Herzinsuffizienz oder Kinder mit einer Lungendurchblutung über sogenannte aortopulmonale Kollateralen. Einen Sonderfall stellen die Koronarfisteln dar, da hier die Drainage sowohl in den Koronarsinus als auch direkt in eine der Herzhöhlen erfolgen kann, meist in den rechten Vorhof oder rechten Ventrikel (Abb. 104 a und b).
Diese Gefäße werden mit den schon gezeigten Systemen, speziellen Micro-Spiralen oder flüssigen Embolisaten verschlossen. Bei erfolgreicher Occlusion arteriovenöser Fisteln kommt es unmittelbar zur Reduktion der Volumenbelastung des Herzens bzw. einer bestehenden „Blausucht“. Gelegentlich sind mehrere Eingriffe notwendig, um alle krankhaften Gefäßverbindungen verschließen zu können.
Fazit
Für die Therapie angeborener Herzfehler im Kindes- und Erwachsenenalter kommen nicht nur chirurgische, sondern auch interventionelle oder kombinierte chirurgisch-interventionelle Verfahren in Frage. Über das für den Patienten optimale Behandlungsverfahren ist aufgrund des Herzfehlers und in enger Absprache zwischen Kinderkardiologen, internistischen Kardiologen und Herzchirurgen zusammen mit dem Patienten zu entscheiden.
PD Dr. med. Johannes Breuer
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