Verengung der großen Nierengefäße – Nierenarterienstenose
Die Niere ist beim Menschen paarig angelegt. Die Nieren liegen retroperitonial, also an der Rückenwand des Bauchraumes z.T. geschützt durch die Rippen. Die rechte Niere liegt aufgrund der Ausdehnung der Leber etwas niedriger als die linke. Am oberen Anteil der Nieren sitzen zu beiden Seiten die Nebennieren auf.
Jede Niere wiegt etwa 160 Gramm und hat eine Größe von ca. 12 x 6 x 4 cm. Die Nieren werden über zwei Schlagadern, den Nierenarterien, welche aus der Hauptschlagader abgehen, mit sauerstoffreichem Blut versorgt.
Von jeder Niere führt ein 35 cm langer Harnleiter zur Blase herab. Die Blase besitzt einen Schließmuskel, der die Speicherung des Urins erlaubt. Die Blase besitzt eine starke Schicht glatter Muskulatur, welche für eine restlose Entleerung des Urins in die Harnröhre (Urethra) sorgt. Harnleiter und Harnröhre besitzen ebenfalls eine starke Schicht glatter Muskulatur, die die Harnweiterleitung unterstützt.
Die Nieren haben neben der Aufgabe der Urinproduktion und der Verstoffwechselung zahlreicher Fremdstoffe für deren Entsorgung, ebenfalls die Aufgabe einer Hormondrüse. Neben dem Renin, einem Hormon, welches für die Blutdruckregulation zuständig ist, produziert die Niere auch noch Erythropoetin, einen Wachstumsfaktor für die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Knochenmark. Eine Verengung der Schlagadern, die die Nieren mit Blut versorgt, kann deshalb die Körperregulation stark beeinflussen. Das Erste, was der Patient merkt, ist der hohe Blutdruck. Die Ursache hierfür ist, dass die Niere merkt, dass sie zu wenig Blut erhält, und deswegen Hormone ausschüttet, z.B. das Renin, welches zu einer Blutdruckerhöhung führt. Der Blutdruck kann weiter ansteigen – ein Teufelskreis.
Im weiteren Verlauf führt eine schlechte Durchblutung der Niere zu einer Nierenschrumpfung bis hin zum Funktionsverlust. Das Blutdruckhormon Renin wird jedoch bei funktionsloser Niere weiter ausgeschüttet. Der Bluthochdruck bleibt erhalten. Die Produktion des Hormons für die Blutbildung wird jedoch eingestellt. Es kommt zur Blutarmut (Anämie).
In der Bevölkerung haben Nierenarterienverengungen eine Häufigkeit von ca. 1 % bei milde erhöhtem Blutdruck. Bei medikamentös schlecht eingestelltem Blutdruck 4 - 4.5 %. Bei etwa 20 - 30 % der Patienten mit einer diagnostizierten Nierenarterienstenose auf einer Seite liegen beidseitige Verengungen vor. Meist sind Verengungen im Laufe des Lebens erworben (Arteriosklerose). Angeborene Verengungen sind selten (< 1 %). Hiervon sind Frauen häufiger betroffen als Männer.Wie ist der Erfolg der Ballonaufdehnung oder der Gefäßstützenimplantation? Die invasive Methode kann sicher und erfolgreich durchgeführt werden. In mehr als 95 % der Patienten kann die Engstelle dauerhaft beseitigt werden. In 40 - 50 % der Fälle kommt es zu einer dauerhaften Besserung der Blutdrucksituation. In aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen hat sich jedoch gezeigt, dass sich die Blutdrucksituation trotz aufgedehnter Engstelle bei einigen Patienten nicht bessert, da es durch die lange Dauer des hohen Blutdruckes und der Minderdurchblutung der Niere zu einer Nierenschädigung gekommen ist. Auch die Patienten, bei denen sich die Aufweitung der Nierengefäßverengung nicht oder nur mäßig auf die Blutdrucksituation ausgewirkt hat,profitieren in aller Regel davon, dass der Blutdruck dann mit Medikamenten wesentlich besser zu behandeln ist und ACE-Hemmer eingesetzt werden können.
Thomas F. M. Konorza
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