Invasive Elektrophysiologie
Die elektrophysiologischen Untersuchungen bieten die Möglichkeit, Herzrhythmusstörungen zu induzieren, um dann im Herzen genau deren Entstehungsmechanismus zu untersuchen mit den sich daraus ergebenden Behandlungsmöglichkeiten. Ohne diese Möglichkeit ist man darauf angewiesen, Herzrhythmustörungen im EKG zu erfassen. Immer wieder durchgeführte einfache EKG-Registrierungen weisen dabei häufig keine Besonderheiten auf, da die Beschwerden nur gelegentlich auftreten. Auch Versuche, durch kontinuierliche EKG-Aufzeichungen über 24 Stunden die geklagten Herzrhythmusstörungen zu erfassen, scheitern häufig am nicht vorhersehbaren Auftreten der Beschwerden. Notarztkonsultationen und stationäre Notaufnahmen auf der „Jagd“ nach einem EKG-Dokument prägen dann die Leidensgeschichte der Patienten nicht selten verbunden mit dem Gefühl, nicht verstanden und nicht ernst genommen zu werden.
Mit Hilfe des elektrophysiologischen Untersuchungsverfahrens kann in diesen Fällen versucht werden, direkt im Herzen die Arrhythmien zu provozieren: Es werden 2 - 3 Elektrodenkatheter von der Leistenvene aus in das Herz eingeführt, um dann aus dem Herzen spezielle Signale abzuleiten. Durch Stimulationen des Herzens an den verschiedenen Stellen werden die Leitungseigenschaften analysiert und eventuelle Besonderheiten aufgedeckt. Werden Herzrhythmusstörungen induziert, können diese dann genau analysiert werden und eine optimale Therapie festgelegt werden.
Ein spezielles invasives Therapieverfahren der Elektrophysiologie ist die „Ablationsbehandlung“ oder auch Verödungsbehandlung von Herzrhythmusstörungen direkt am Herzen. Dabei wird zunächst der Ursprungsort der Herzrhythmusstörung genau lokalisiert. Anschließend wird die Spitze des Ablationskatheters direkt dort plaziert. Die Katheterspitze wird dann durch Hochfrequenzstrom auf ca. 60 Grad Celsius erwärmt. Dadurch kann eine sehr umschriebene, genau lokalisierte Gewebeerwärmung erreicht werden, in deren Folge es zu einer kleinen Narbe an dieser Stelle kommt. In > 90 % der Fälle kann damit die zu behandelnde Herzrhythmusstörung dauerhaft beseitigt werden. Damit bietet die invasive Elektrophysiologie in vielen Fällen neben der genauen Diagnosestellung auch eine kurative Behandlungsmöglichkeit.
| Autor -
Prof. Dr. med. R. Erbel |
|
| Autor -
Dr. med. D. Baumgart |
|
| Autor -
Dr. med. Ch. K. Naber |
|
Als Autor anmelden |
Hier finden Sie Ihren Kardiologen, Kardiochirurgen und Gefäßchirurgen