Was geschieht im Falle eines Infarktes?
Die Verbesserung der Sauerstoffversorgung beginnt noch vor Ort bzw. im Krankenwagen. Nach Einlieferung in ein Krankenhaus gibt es heute drei wesentliche Behandlungsalternativen zur Öffnung des verschlossenen Gefäßes. Bis zum Ende der siebziger Jahre war neben der primär medikamentösen Therapie (primäre Thrombolyse) noch die Bypass-Operation eine Alternative.
Mit der Einführung der Ballonangioplastie Mitte der 70er Jahre können viele Verschlüsse der Herzkranzgefäße mit einem nicht-operativen Eingriff, der „Perkutane Transluminale Coronare Angioplasty“ (PTCA) oder auch Ballondilatation (Ballonaufdehnung) genannt, behandelt werden.
Was versteht man unter einer Ballondilatation mit Einsatz von Stents?
Bei der PTCA wird das verstopfte Herzkranzgefäß über einen Herzkatheter mit einem Ballon, der erst an der verengten Stelle (Stenose) entfaltet wird, aufgedehnt. Wie man auch in der Architektur kaum einen Tunnel ohne Einsatz von Stützen baut, werden, um einem erneuten Verschluss des Gefäßes vorzubeugen oder die optimale Gefäßaufdehnung zu erreichen, häufig Gefäßstützen, sogenannte Stents, eingesetzt. Stents sind kleine Metallgitterröhrchen, die meist aus Edelstahl bestehen. Sie werden zusammen mit dem Ballonkatheter in das verengte Gefäß eingebracht und dort gedehnt. Der aufgespannte Stent verharrt dann in diesem Zustand, hält das Gefäß offen und kann nicht in sich zusammenfallen.
Was spricht für bzw. gegen eine Behandlung eines akuten Herzinfarkts mittels PTCA/Stent?
Ein Nachteil der invasiven Therapien PTCA/Stent und Bypass-OP ist die lokale Gebundenheit an ein Herzkatheterlabor bzw. einen OP-Saal in einer Klinik, während die primär medikamentöse Therapie (primäre Thrombolyse) als Erstversorgung beim akuten Herzinfarkt überall, wohnortnah und deshalb mit dem geringsten Zeitverlust durchgeführt werden kann.
Dennoch wird die Akut-PTCA heute bevorzugt eingesetzt, weil sich im Infarktgefäß bei 85 - 90 % der Patienten ein unbeeinträchtigter Kontrastmittelfluss nach der Wiedereröffnung des Gefäßes (Rekanalisation) erzielen lässt und sich die günstigsten Langzeitergebnisse ergeben (Sterblichkeit statt 10 - 15 % nur noch 8 %). Außerdem können Situationen mit hohem Risiko, z.B. Verengungen an den großen Gefäßen, sofort erkannt werden. Weiterer Vorteil ist, dass die dem Thrombus zugrunde liegende Verengung direkt bemerkt, und sofort beseitigt wird und die Gefahr einer Gehirnblutung geringer ist als bei der medikamentösen (thrombolytischen) Behandlung.
Die Vorteile der PTCA überwiegen auch gegenüber einer Bypass-Operation. So kann die Behandlung bei Bedarf problemlos wiederholt werden. Insbesondere ältere Patienten werden nicht so stark belastet, da die Behandlung in der Regel ohne Vollnarkose durchgeführt wird.
In einigen Fällen kann eine Akut-PTCA jedoch nicht eingesetzt werden. So beispielsweise, wenn viele Herzkranzgefäße an mehreren Stellen von Verengungen betroffen sind, die verengte Stelle über einen Katheter nicht bzw. schlecht erreichbar ist oder die Gefahr eines Schocks während des Eingriffs besteht. Diese Situation kann eintreten, wenn das zu erweiternde Herzkranzgefäß ein wichtiger Hauptstamm ist, dessen vorübergehender Verschluss während des Eingriffs zu einer deutlichen Einschränkung der Herzmuskeldurchblutung führt. Zudem ist darauf zu achten, dass in der entsprechenden Klinik oder Praxis ein herzchirurgischer Bereitschaftsdienst für eventuell eintretende Komplikationen, die z.B. durch eine Bypass-Operation abgekehrt werden können, zur Verfügung steht.
Claudia Preuß
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