Ballondilatation von Herzklappen und Gefäßen
Verengungen an Herzklappen oder Blutgefäßen können durch das Aufblasen eines Ballons, der sich am Ende eines speziellen Katheters befindet, gebessert oder sogar ganz beseitigt werden. An den Herzklappen kommt es dabei, wie gewünscht, meist zu einem Einriss entlang der sogenannten Kommissuren und einer Dehnung des Klappenrings. Gelegentlich geht der Einriss quer durch die Klappe, was zu einer erheblichen Undichtigkeit führen kann. Bei der Dilatation verengter Gefäße kommt es in der Regel zu Einrissen in der Gefäßinnenhaut. Weitergehende Einrisse mit Blutaustritt in das umgebende Gewebe erfordern häufig die Implantation abdichtender
Systeme oder einen chirurgischen Eingriff.
Eine Verengung der Lungenschlagaderklappe wird heute fast ausnahmslos und mit sehr guten Ergebnissen mittels Ballondilatation behandelt (Abb. 97a - c). Lediglich in 5 - 10 % der Fälle ist später eine zweite Dilatation oder eine Operation erforderlich. Dagegen ist bei der Dilatation einer verengten Körperschlagaderklappe zu beachten, dass sie in der Regel nur bei angeborenen Klappenverengungen ohne Verkalkung erfolgt und sie lediglich den Operationszeitpunkt hinausschiebt. Wenn der oft notwendige Klappenersatz dadurch nicht im Neugeborenen - sondern erst im Erwachsenenalter erfolgen kann, ist dies dennoch ein unschätzbarer Gewinn.
Implantation von Gefäßstützen (Stents)
Native oder postoperative Verengungen der Lungen- oder Körperschlagader lassen sich ebenfalls mittels Ballondilatation behandeln, wobei der initiale Erfolg mit 35 - 64 % (Lungenschlagader) bzw. 65 - 90 % (Aortenisthmusstenose) deutlich geringer ist als bei den Klappenverengungen. Dabei ist aber zu bedenken, dass z.B. Verengungen der Seitenäste der Lungenschlagader für den Herzchirurgen aufgrund der Lage tief in der Lunge kaum erreichbar sind, sodass hier meist keine chirurgische Alternative besteht (Abb. 98 a - c). Führt eine alleinige Ballondilatation nicht zum dauerhaften Erfolg oder ist sie aus anderen Gründen nicht ratsam, kann die Implantation einer inneren Gefäßstütze (Stent) weiter helfen (Abb. 99 a u. b).
Dabei wird ein Ballon, auf den der Stent aufmontiert wurde, an die Engstelle gebracht und aufgeblasen. Somit werden gleichzeitig Gefäß und Stent aufgedehnt. Beim anschließenden Ablassen des Ballons verbleibt der Stent in seinem aufgedehnten Durchmesser und stützt so das Gefäß von innen ab, sodass es sich nicht mehr verengen kann.
Vergrößerung eines Loches in der Vorhofscheidewand
Mit einem speziellen Ballonkatheter kann auch die Vergrößerung eines Loches in der Vorhofscheidewand durchgeführt werden, um die Durchmischung von sauerstoffarmem und sauerstoffreichem Blut bei Kindern mit bestimmten „blauen“ Herzfehlern zu verbessern. Dies erfolgt meist als Notfalleingriff beim Neugeborenen.
PD Dr. med. Johannes Breuer
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